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Jugendpflege ohne Zukunft

Jugendpflege ohne Zukunft

HILLESHEIM. Ab August gibt es in der Verbandsgemeinde (VG) Hillesheim keine hauptamtliche Jugendpflegerin mehr. Dafür wird ein 400-Euro-Job eingerichtet. Das beschloss der VG-Rat nicht öffentlich. Jugendliche und Offener Jugendtreff protestieren aufs Schärfste.

Die Finanzierung der Stelle der hauptamtlichen Jugendpflege, dierund 32 500 Euro kostet, bereitete dem Rat am meistenKopfzerbrechen. Die Verwaltung zeigte vier Varianten auf: Erstensdie Vollzeitstelle mit 38,5 Stunden, zweitens eine25-Stunden-Stelle, drittens eine halbe Stelle und viertens ein400-Euro-Job mit acht bis zehn Wochenstunden. Ergebnis: DieMinimal-Lösung, der 400-Euro-Job, wird ausgeschrieben. Die Regelung soll laut Bürgermeister Alfred Pitzen "als Überbrückung für den Rest des Jahres ab August gelten". Pitzen begründet: "Die Finanzlage ist nicht rosig, überall muss gespart werden. Deshalb haben wir die Entscheidung auf die Haushaltsberatung 2004 vertagt, die im November/Dezember sein wird." Außerdem sei die hauptamtliche Jugendpflege keine Pflichtaufgabe der Kommune.

Im aktuellen Haushalt ist kein Geld für die Zeit nach der ABM eingestellt. Die Verwaltung wurde beauftragt, weitere Zuschüsse zu beantragen und Fördermöglichkeiten abzufragen. Pitzen bilanziert: "Ich bin froh über den Kompromiss, der von fast allen mitgetragen wurde. Die Fraktionen sind aufeinander zugegangen."

Enttäuscht bis entrüstet ist Dennis Senft, Vorsitzender des Jugendparlamentes im Hillesheimer Haus der Jugend (HdJ), das sich gestern spontan zu einer Krisensitzung traf: "Damit sind wir nicht einverstanden. Wir werden beim Amt vor sprechen und sind bei der nächsten Einwohnerfragestunde dabei."

"Enttäuscht, wenn auch nicht sonderlich überrascht" ist Uschi Jentzsch, Vorsitzende des Offenen Jugendtreffs, der für die Schaffung und Betreuung des Jugendhauses verantwortlich zeichnete. Sie sagt: "Mit acht bis zehn Stunden in der Woche kann keine Jugendarbeit funktionieren." Und sie zieht, wie sie es im VG-Rat bereits angekündigt hatte, Konsequenzen: "Unter diesen Voraussetzungen werde ich nicht mehr als Vorsitzende kandidieren. Der Verein hat immer gesagt, dass er auf Unterstützung angewiesen ist, und die ist mit dieser Regelung nicht mehr gegeben." Die Arbeitsbelastung sei für sie einfach zu groß. Am 4. April wählt der Verein einen neuen Vorstand.

Jugendpflegerin Jutta Weiler zeigt derweil die ersten Konsequenzen auf: "Die Sommerferien-Freizeit, für die bereits zehn Anmeldungen vorliegen, wird abgesagt."

Jugendpflegerin geht in Kindergarten

An den ABM-Vertrag mit Weiler war die Bedingung geknüpft, dass nach Ablauf ein Dauerarbeitsverhältnis geschaffen wird. Weiler übernimmt nach Pitzens Angaben ab August eine Stelle in einem der drei Kindergärten in der Verbandsgemeinde. Das freut die Noch-Jugendpflegerin: "Endlich habe ich eine feste Stelle in meinem Ausbildungsberuf." Die Kritik, die vor allem Jentzsch als Vorsitzende des Offenen Jugendtreffs an ihrer Arbeit äußerte, will Weiler nicht auf sich sitzen lassen. Sie kontert: "So schlecht kann meine Arbeit nicht gewesen sein, wenn sie (Jentzsch, Anm. d. Red.) sich meine Aktionen gegenüber Dritten auf die Fahne schreibt."

Neben der Jugendarbeit ging es in der Ratssitzung auch um die Zukunft des HdJ. Denn der Zuschuss des Bundes, mit dem die Miete für das Haus am Stockwerk finanziert wird, läuft zum Jahresende aus. Deshalb habe der Rat überlegt, der Stadt das ehemalige Bürgermeister-Wohnhaus am Feuerwehrgerätehaus anzubieten. Für Pitzen hat das zwei Vorteile: "Damit wäre das HdJ langfristig gesichert, und wir werden der Stadt bei der Miete entgegen kommen." Für Jugendsprecher Dennis ist diese Lösung "dann okay, wenn sie wirklich langfristig ist".