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Serie Baumgeschichten: Jahrhunderte alte Bäume die Kriegszeiten sahen

Serie : Waldriesen, die an den Krieg erinnern

In der TV-Serie „Baumgeschichten“ stellen wir heute die „Befreiungsbuche“ von Berlingen und die „Siegeseiche“ in Walsdorf vor.

Neben zahlreichen geologischen Besonderheiten und historischen Kulturdenkmälern ist der Landkreis Vulkaneifel gleichfalls reich an Naturdenkmälern. Besonders eindrucksvoll ist dabei eine Vielzahl alter und mächtiger Bäume, die sich in Dörfern, auf Bergkuppen oder inmitten saftiger Wiesen und Weiden bestaunen lassen.

Die Befreiungsbuche Viele davon tragen markante Namen, die ihnen vom Volk gegeben wurden oder die auf ein bestimmtes historisches Ereignis hinweisen. So überragt auf dem Berggipfel eines 590 Meter hohen Basaltkegels mit dem heiteren Namen „Alter Voss“ eine 34 Meter große Buche den Gemeindewald von Berlingen.

„Befreiungsbuche“ wird sie genannt, deren zwanzig Meter breite, ausladende Krone bereits von weither deutlich erkennbar ist. An ihrem Standort soll bereits während des Dreißigjährigen Krieges ein strategisch wichtiger Aussichtsposten gestanden haben, von dem die Wachtposten weite Rundumblicke auf Wege und Ortschaften am Fuße des Ernstberges und im Kylltal hatten. So berichtet es die Volksüberlieferung.

Denkbar ist es, denn ganz in der Nähe sind bis heute noch die Höhlen von Hohenfels zu besichtigen, in denen während jener Kriegszeit die Bevölkerung Schutz vor den Überfällen feindlicher Truppen suchte. Über das Alter dieser Rotbuche finden sich verschiedene Angaben, die zwischen 200 und 300 Jahre schwanken. Angeblich soll sie vor 1650 gekeimt haben.

1938 wurde dieser Baum, der auch im Ortswappen Berlingens symbolisiert ist, unter Schutz gestellt. Und erst, nachdem der französische Kaiser Napoleon besiegt und 1815 seine Soldaten aus der Eifel vertrieben worden waren, habe dieser Baum den Namen Befreiungsbuche erhalten.

Gleich wie, es lohnt sich, zu ihr hinaufzusteigen, ihren mächtigen Stamm und die knorrigen Wurzeln zu bestaunen als auch auf den Sitzbänken zu verweilen und die herrliche Aussicht zu genießen.

Ausgesprochen viele Gemeinden im Vulkaneifelkreis Daun nahmen das Jahr 1913 zum Anlass, den hundertjährigen Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig zu begehen und dabei Gedenkbäume zu pflanzen und Erinnerungssteine zu setzen. Diese Linden, Buchen oder Eichen erhielten ebenfalls die Bezeichnung „Kaiser, Friedens- oder Sieges-“ als Vorsilben.

So finden sich grob behauene Basaltsteine mit den Jahreszahlen 1813 und 1913 als auch Gedenkbäume (Kaiserlinden, Königsfichten) in Arbach, Bereborn, Berenbach, Bodenbach, Brücktal, Gelenberg, Höchstberg, Kaperich, Kelberg, Köttelbach, Kötterichen, Kolverath, Mannebach, Mosbruch, Mückeln, Nohn, Oberelz, Sassen, Uersfeld, Uess und anderen Orten des Landkreises Vulkaneifel.

Die Siegeseiche Ein weiterer imposanter, mächtiger und beeindruckender Baum steht inmitten grüner, saftiger Flur nahe bei Walsdorf.  „Siegeseiche am Goßberg“ wird diese Eiche genannt, die für jedermann öffentlich zugänglich ist. Sie soll ebenfalls während des Dreißigjährigen Krieges gekeimt haben. Ob sie anlässlich des Westfälischen Friedens 1648 gepflanzt wurde? Keiner weiß es. Mittlerweile hat sie bis heute eine Höhe von 12 Metern und eine weithin sichtbare runde Krone von 23 Metern Durchmesser erreicht. Eine Infotafel nennt ebenfalls ein Alter von 350 Jahren, was allerdings andere Fachleute bezweifeln und diesem „Jüngling“ lediglich 200 Jahre zugestehen.

Der stolze Name „Siegeseiche“ soll dieser Stiel-Eiche mit dem lateinischen Namen Quercus robur im Jahr 1871 verliehen worden sein. In diesem Jahr endete der Deutsch-Französische Krieg, der einen wahren Freudentaumel und eine riesige nationale Begeisterung in Deutschland auslöste. Nahezu in jeder Stadt und Gemeinde Deutschlands und des Landkreises Vulkaneifel wurden anlässlich des deutschen Sieges über Frankreich Eichen und Buchen gepflanzt, die den Namen Sieges-, Sedan-, Kaiser- oder Friedenseichen oder -buchen erhielten. In Walsdorf habe dann an diesem Baum, der damals bereits über 100 Jahre alt gewesen war, die örtliche Siegesfeier mit stolzen Reden und patriotischen Liedern stattgefunden.

 Mit 34 Metern Höhe überragt die Befreiungsbuche alle anderen Bäume um sie herum.
Mit 34 Metern Höhe überragt die Befreiungsbuche alle anderen Bäume um sie herum. Foto: Alois Mayer

Ein kleiner asphaltierter Wirtschaftsweg führt zu diesem bestaunenswerten Naturdenkmal, das im September 1985 unter Schutz gestellt wurde. Bänke laden ein zum Ausruhen und Nachdenken über die Vergänglichkeit von Zeiten. Ach, was würde man geben, wenn dieser Baum aus seinem Leben erzählen könnte, wohl wissend, dass dabei auch viel Unerfreuliches zur Sprache käme.