1. Region
  2. Vulkaneifel

Zwei Sozialarbeiter für 8343 Schüler

Zwei Sozialarbeiter für 8343 Schüler

COCHEM-ZELL. Mehr Schulen in Rheinland-Pfalz sollen durch Sozialarbeiter unterstützt werden. Diese Nachricht von Bildungsministerin Doris Ahnen ließ die Rektoren im Kreis aufhorchen. Denn bisher sind in Cochem-Zell nur zwei Schulsozialarbeiter beschäftigt. Angesichts von 8343 Schülern nicht viel.

Stefan Gorges-Beyer (38) und Kathrin Krämer (26) sind die einzigen Schulsozialarbeiter im Kreis Cochem-Zell. Sozialpädagoge Gorges-Beyer ist seit 1998 an der Berufsbildenden Schule in Cochem, Sozialarbeiterin Krämer arbeitet seit Sommer 2005 an der Grundschule in Zell. Finanziert werden sie aus ganz unterschiedlichen Töpfen. Die Stelle von Gorges-Beyer wird zu zwei Dritteln vom Land gefördert, das übrige Drittel bezahlt der Kreis. Deshalb kümmert sich der 38-Jährige nicht nur um die 15- bis 17-Jährigen im Berufsvorbereitungsjahr, sondern fährt nach Bedarf zu den Real- und Hauptschulen in Zell und Cochem, den Regionalen Schulen in Blankenrath und Ulmen. Außerdem kümmert er sich um Kinder der Sonderschulen Zell und Kaisersesch.Von offizieller Seite kommt kein Geld

Ganz anders sieht es bei Kathrin Krämer aus. Sie absolvierte ihr Anerkennungsjahr an der Grundschule in Zell. Aufgrund der guten Erfahrungen wollte Rektor Hans Schwarz sie weiter beschäftigen. Doch von offizieller Seite gab es kein Geld. Jetzt wird ihr Einsatz von 16 Wochenstunden von einem Verein finanziert. Warum ist die Schulsozialarbeit so wichtig geworden? Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Kathrin Krämer kümmert sich hauptsächlich um die Ganztagsklassen in Zell. Einige der Jungen und Mädchen kommen aus Trennungs- und Scheidungsfamilien, andere haben kranke Eltern, um die sich kümmern müssen, manche leiden unter einem sozial schwachen Umfeld. Diese Kinder werden aus den unterschiedlichsten Gründen heraus verhaltensauffällig. "Oft haben sie ein großes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit", erläutert Kathrin Krämer. "Die Jugendlichen suchen die Nähe des Lehrers oder reden viel - auch im Unterricht." Andere verschließen sich ganz, kehren in sich oder äußern Frust und Traurigkeit in Aggressivität. Wie auch immer die Symptome sind: Sie stören den Unterricht. Die 26-Jährige nimmt sie dann zum Gespräch aus der Klasse heraus. Die Kinder vertrauen ihr, erzählen, dass sie schlecht geträumt, schlecht geschlafen haben, dass es Streit gab. "Viele sind froh, sich unterhalten zu können", sagt Kathrin Krämer, die auf diese Weise den Ursachen auf die Spur kommt. Oft ist dann ein Elterngespräch die Folge. Denn nur gemeinsam können die Probleme zum Wohle des Kindes gelöst werden. Mit ganz anderen Sorgen beschäftigt sich Stefan Gorges-Beyer. Die Jugendlichen im Berufsvorbereitungsjahr kommen ohne Abschluss von Sonder- und Hauptschulen nach Cochem. "Wir versuchen ihnen beizubringen, dass die Schule kein Feindesland, sondern eine Chance ist", sagt der 38-Jährige. Hier haben sie die Möglichkeit, nach einem Jahr den Hauptschulabschluss zu machen und damit den Weg ins Berufsleben zu finden. Doch die Handicaps sind zahlreich: mangelnde Leistung und Motivation, fehlende Disziplin und Ordnung. Manche haben Drogen- oder Alkoholprobleme, Zukunftsängste werden zur quälenden Belastung. "Die Lehrer werden nicht dafür ausgebildet, all diese Probleme bewältigen zu können", sagt Gorges-Beyer. Deshalb wird Schulsozialarbeit mehr denn je zu einem Thema werden. "Man kann gar nicht früh genug damit anfangen", sagt Kathrin Krämer. "Spätestens an der Grundschule muss sie beginnen. Ideal wäre es schon im Kindergarten."