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Heftiger Wind vorm Sturm

Heftiger Wind vorm Sturm

TRIER/DARMSTADT. Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber kein neues Angebot gemacht. Derweil gingen die Metall-Beschäftigten in ihre letzte Warnstreik-Runde. In der Region Trier protestierten bei Volvo in Konz und bei Ideal Standard in Wittlich insgesamt 400 Menschen.

1,2 Prozent mehr Lohn und monatliche Einmalzahlungen bei einer Laufzeit von 24 Monaten: So sieht das Angebot der Arbeitgeber auch im Tarifgebiet Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland aus. Damit sind sich die Unternehmer mit ihren Kollegen in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auch in der vierten Runde der Tarifverhandlungen einig, den Forderungen der IG Metall für die 410 000 Beschäftigten in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland nicht näher zu kommen. "Alles, was dauerhaft darüber hinaus festgeschrieben wird, kostet Arbeitsplätze", warnte Heinrich A. Fischer, Verhandlungsführer der Arbeitgeber."Wir steuern auf Arbeitskampf zu"

Die Gewerkschaften wiesen die Offerte als unzureichend zurück. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn sowie eine Qualifizierungs-Komponente. "Offenbar will die Arbeitgeberseite diesen Tarifkonflikt eskalieren lassen", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild. "Wir möchten eine Lösung, aber jetzt steuert alles auf einen Arbeitskampf zu." Dies hatte er bereits kürzlich bei einer Funktionärskonferenz in Longuich bei Trier gesagt. Die Verhandlungen sollen am 19. April fortgesetzt werden. Das sei der letzte Anlauf, um eine Lösung ohne Streik zu finden, sagte Schild. Derweil ziehen die Gewerkschafter vor Ort eine positive Bilanz der elf Warnstreiks in der Region Trier, die in den vergangenen zwei Wochen die Verhandlungen begleiteten. Gestern protestierten bei Volvo in Konz rund 300 Menschen - inklusive einer Abordnung der Trierer Firma Vossloh -, bei Ideal Standard in Wittlich waren es rund 100. "Von 3500 aufgerufenen Beschäftigten sind 2700 vor die Werkstore gezogen. Damit sind wir sehr zufrieden", sagte Stefan Sachs, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Trier. Man sei offensiver als sonst gewesen, habe bei Ideal Standard und bei Volvo gleich zwei Mal protestiert und dabei auch viele Nicht-Gewerkschafter mitgezogen. Selbst in Betrieben, die bislang keine Streikerfahrung gehabt hätten, wie etwa bei Dura in Daun, seien die Beschäftigten sehr engagiert gewesen. Sachs: "Die Stimmung ist nach wie vor gut und wäre sicher noch besser, wenn wir über ein angemessenes Angebot verhandeln könnten." Deshalb laufe aus derzeitiger Sicht alles auf eine Urabstimmung hinaus. Sollte es bei der fünften Verhandlungsrunde am 19. April keine Lösung geben und die IG-Metall-Klausurtagung am 25. und 26. April ein Scheitern der Verhandlungen beschließen, könnte es Anfang Mai zum ersten Streik in der Metall- und Elektro-Industrie seit elf Jahren kommen. Bis dahin soll der Warnstreiktag gestern der vorerst letzte gewesen sein. "Nun ist Pause. Aber selbst wenn die Region Trier kein Streikgebiet werden sollte, werden wir nicht in der Zuschauerrolle verharren", stellte Sachs kämpferisch in Aussicht.