Schade für Bayern, schön für die Eifel Die Verfilmung von "Tannöd"

Schade für Bayern, schön für die Eifel Die Verfilmung von "Tannöd"

Acht Tage noch, dann sind sie durch: Die Dreharbeiten zur "Tannöd"-Romanverfilmung in der Eifel (der TV berichtete) stehen vor dem Abschluss. Im Herbst 2009 soll der von Bettina Oberli inszenierte Film in die deutschen Kinos kommen.

 Julia Jentsch und Volker Bruch spielen in „Tannöd“ mit. TV-Foto: Fritz-Peter Linden
Julia Jentsch und Volker Bruch spielen in „Tannöd“ mit. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Winterscheid. Es war eines der erfolgreichsten Autorendebüts der vergangenen Jahre: "Tann öd", Andrea Maria Schenkels Roman über die ungeklärten Morde im oberpfälzischen Hinterkaifeck. Sechs Menschen wurden damals, in der Nacht zum 1. April 1922, erschlagen, eine ganze Bauernfamilie ausgelöscht (siehe Extra). Seit September laufen die Dreharbeiten zur Kinoverfilmung - vor allem in Winterscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm), außerdem auf nordrhein-westfälischer Seite in Hellenthal und im Sauerland. Kommende Woche fällt die letzte Klappe.

"Ich kannte das Buch, ich komme aus der Gegend", sagt Schauspielerin Gundi Ellert beim Pressetermin in der Heltenbacher Mühle bei Winterscheid. "Das bewegt die Leute dort nach wie vor."

Entsprechend düster wird die Verfilmung: "Das ist sicher keine Komödie", sagt Regisseurin Bettina Oberli ("Die Herbstzeitlosen"). Sondern "eine universelle Erzählung über das Böse - und dass es überall passieren kann, auch hier und jetzt". Und deshalb kann man den Film auch hier und jetzt drehen. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass die Filmstiftung NRW das Vier-Millionen-Euro-Projekt kräftig unterstützt. "Die Bayern wollten nicht fördern", sagt Produzent Hejo Emons aus Köln. Schade für Bayern, gut für die Eifel: Die Region habe sie vorher nicht gekannt, gesteht Gundi Ellert. "Aber ich kann bestätigen, dass die Landschaft unglaublich ist." Und die Leute sind es auch: Hauptdarstellerin Julia Jentsch erzählt begeistert von ihrer "Lehrzeit" auf dem Hof von Winterscheids Ortsbürgermeister Anton Knauf. "Das war ein besonderes Erlebnis, ganz toll."

Kollege Volker Bruch (am Sonntag, 7. Dezember, auch im ARD-Tatort zu sehen) habe sogar dabei geholfen, ein Kälbchen zur Welt zu bringen.

Julia Jentsch spielt Katrin, eine junge Frau, die als Fremde in das Morddorf kommt. Im Roman hat sie nur einen kurzen Auftritt, im Film aber ist Katrin die zentrale Figur: "Das Hauptproblem war, diese Interviews, aus denen das Buch besteht, in eine filmische Form zu bringen", sagt die Regisseurin.

Katrin halte jetzt alles zusammen: Sie ist die dramaturgische Klammer - die Frau, der die Dorfbewohner die Geschichte von den Morden erzählen. Jeder auf seine Weise. Und keinem ist dabei zu trauen. Vermutlich im November 2009 wird der Film in den deutschen Kinos Premiere feiern können.

Und Schauspielerin Julia Jentsch glaubt, dass er sehr gut wird: "Bettina arbeitet sehr fein und vorsichtig. Gerade mit so einem brutalen Thema hätte man ja auch actionmäßig umgehen können." Aber die Regisseurin habe etwas anderes gewollt - und deshalb einen erheblich eindringlicheren Film gemacht.