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Basketball
„Oh là là!“: Die Harlem Globetrotters zu Gast in Trier

 Globetrotters Trier
Globetrotters Trier FOTO: Simon Engelbert
Trier. Wie die Basketball-Künstler der Harlem Globetrotters die Zuschauer in der Arena Trier begeistern. Von Holger Teusch

Wie war das noch mal damals im Sportunterricht? Dieser orangefarbene Ball musste in diesen hochhängenden Korb. Beim Dunking hochspringen, und die Kugel in den Korb stopfen – ein Traum, der für die meisten Pennäler einer bleibt. War ja schon fast unmöglich, überhaupt das Netz mit den Fingern zu berühren. Korbtreffer, selbst aus nächster Nähe, meist mehr als nur ein bisschen Glückssache. Aber wenn der Ball dann durch den roten Ring ins weiße Netz kreiselte, was waren das für Glücksgefühle!

Und dann sind die Harlem Globetrotters am vergangenen Freitagabend vor 1800 Zuschauern in der Arena Trier zu Gast. Glücksgefühle will die wohl berühmteste Basketballtruppe der Welt erzeugen. Auf physikalische Gesetze nehmen die Spieler dabei keine Rücksicht. Auf schulsportliche Erfahrungen schon gar nicht. Sie wirbeln mit Ballstafetten oder atemberaubenden Dribblings übers Spielfeld, passen sich den Ball blindlings zu und versenken ihn mit traumwandlerischer Sicherheit im Korb.

Die Harlem Globetrotters, das ist die Weltrekord-Truppe des ur-amerikanischen Ballspiels. 21-mal stehen sie im Guinnessbuch der Rekorde. Nur bei ihren Spielen gibt es die Vier-Punkte-Linie, die noch einmal fast 2,50 Meter weiter vom Korb entfernt ist als die Dreierlinie (6,75 Meter). Doch auch aus dieser Entfernung landen die Globetrotters-Würfe meist im Korb.

Was die Spieler, die sich Big Easy, Flip (siehe Interview rechts), Firefly oder Thunder nennen, zeigen, ist Basketballkunst. Aber vor allem Show und Entertainment. So wie physikalische Gesetze gelten auch Basketballregeln für die Globetrotters scheinbar nicht. Da stibitzt Big Easy einer Zuschauerin die Handtasche, was den Schiedsrichter auf die Palme bringt: „Wo hast du die Handtasche her?“ Big Easy: „Von einer Frau.“ Schiedsrichter: „Wie sah die Frau aus?“ Big Easy: „Oh là là!“

Der bärenhafte Clown der Truppe ruht sich auch schon mal auf dem Schoß eines Zuschauers aus oder liefert sich eine Wasserschlacht mit Teamkollegen Firefly. „Gut, dass wir nicht da vorne sitzen“, hört man aus den hinteren Reihen der Arena. Und prompt liefert sich das Duo eine Verfolgungsjagd über die Tribüne.

„Es hat sehr viel Spaß gemacht. Es ist nicht nur Show, die können einfach gut Basketball spielen. Es war ein toller Abend. Leider nicht so viele Zuschauer, wie es verdient hätte“, sagt  Willi Bosl aus Kenn begeistert. Auch dem zwölfjährigen Aemilian Unterrainer, selbst Basketballspieler bei der MJC Trier, ist die Begeisterung anzumerken. Besonders die Dunkings und das Showprogramm in den Unterbrechungen haben es ihm angetan. Für jüngere Kinder sei das Programm jedoch noch nichts, meint Erdem Sazak: „Für Erwachsene finde ich es amüsant, ansehnlich. Aber Kinder mit acht, neun Jahren langweilen sich schon etwas. Ich habe mir mehr davon erwartet.“

Insgesamt kann sich der Faszination der Harlem Globetrotters jedoch auch an diesem Freitagabend kaum jemand in der Arena Trier entziehen. Auch angesichts der Weltoffenheit der Truppe, die zu ihrer Geschichte gehört. Denn: Ihr Ursprung liegt in der Tatsache, dass in den 1920er Jahren Afro-Amerikaner nicht in den US-Profiligen mitspielen durften. Der polnischstämmige Abe Saperstein gründete das Team und ließ es durch die USA tingeln. Aus den regulären Spielen wurden schon bald Show-Veranstaltungen der Ballkunst, so wie Trier sie nun erlebt hat.

 Flieg nicht so hoch: Die Harlem Globetrotters Harlem zu Gast in der Arena.
Flieg nicht so hoch: Die Harlem Globetrotters Harlem zu Gast in der Arena. FOTO: Simon Engelbert