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Rückenwind für DHB-Chef Strombach

Rückenwind für DHB-Chef Strombach

Kontinuität und Aufbruch: Mit dem Rückenwind des besten Wahlergebnisses seiner Amtszeit und derselben Führungscrew will Präsident Ulrich Strombach den Deutschen Handballbund (DHB) modernisieren und verjüngen sowie international für mehr Geld streiten.

Auf dem 30. Bundestag votierten 104 der 107 Stimmberechtigten den 67-jährigen Juristen aus Gummersbach in seine fünfte Amtszeit seit 1998. „Ich habe immer das schlechteste Ergebnis in diesem Präsidium gehabt. Das heißt, ich bin schon immer die Kulminationsfigur gewesen, an der sich auch Kritik manifestiert hat. Ich bin mit dem Ergebnis schon sehr zufrieden“, sagte Strombach nach seiner Wiederwahl in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Neben dem Anwalt wählten die Delegierten einstimmig die Vizepräsidenten Horst Bredemeier (Leistungssport), Wolfgang Gremmel (Finanzen) sowie nach einer Hängepartie Heinz Winden (Recht) wieder für die kommenden zwei Jahre in die Verbandsführung. Zuvor hatte der Bundestag eine Satzungsänderung beschlossen, nach der der nächste Kongress schon in zwei Jahren stattfindet. Danach gibt es einen Vier-Jahres-Rhythmus.

Bis dahin will Strombach eine Reform für den größten nationalen Handballverband der Welt auf den Weg gebracht haben. „Es ist wichtig, die Strukturen zu verschlanken. Ein achtköpfiges Präsidium wie jetzt ist zwar beherrschbar, aber vier oder fünf reichen mir auch“, sagte der Funktionär. In Wiesbaden waren die Ansätze im Dickicht von Anträgen zur Satzungsänderung hängengeblieben.

Zudem will der alte und neue Präsidenten verstärkt die Jugend für den Handball gewinnen. Der Anteil von 44,2 Prozent Kindern und Jugendlichen unter den 846 359 Mitgliedern (Stand 2010) soll ausgebaut werden. „Wesentlich ist es für mich, die Projekte mit der Zielvorstellung Jugend weiter zu verfolgen. Jetzt läuft ein neues Programm: Wir sind dabei, die neuen Sozialmedien Facebook, Twitter und Youtube einzuschalten“, kündigte er an.

Als wichtigen Erfolg konnte Strombach verbuchen, dass der Grundlagenvertrag mit dem Bundesliga-Verband der Männer (HBL) nach fast einem Jahr Verhandlungen am Rande des Bundestages unterzeichnet wurde. Der neue Kontrakt, in dem erstmals Abstellgebühren des Verbandes an die Clubs für Nationalspieler verankert sind, hat eine Laufzeit bis 30. Juni 2016. Er regelt den Spielbetrieb und die Vermarktungsrechte der Liga. „Jetzt haben wir Rechtssicherheit“, sagte HBL-Präsident Reiner Witte.

Und Strombach erklärte: „Die Erleichterung ist groß. Für mich war unvorstellbar, am nächsten Freitag den Spielbetrieb der Bundesliga übernehmen zu müssen, denn das wäre die Konsequenz gewesen, weil am 30. September der Ligabetrieb auf uns zurückgefallen wäre.“

Für Furore will Ulrich Strombach auf internationaler Ebene sorgen. Vom Weltverband IHF und der europäischen Föderation EHF will er mehr Geld erstreiten und zieht dafür notfalls auch einen EM-Verzicht in Betracht. „Wir haben mit der IHF eine Regelung, in der alle Komponenten geregelt sind: Antrittsgeld für die qualifizierten Mannschaften, Abstellsummen für die Spieler, Versicherungssummen und Siegprämien. Da gefällt uns nur nicht die Ausgangssituation. Die Summe, die zur Verteilung kommt, ist viel zu niedrig“, sagte der Gummersbacher.

Von der EHF will er „einen vorher festgelegten Anteil, entweder prozentual oder in festgelegten Summen“. Dafür könne man „ja über die Teilnahme an einer Europameisterschaft, die uns nur Geld kostet und nichts zurückbringt, einmal nachdenken“. Und weiter: „Damit will ich nicht drohen, dass wir eine eigene Liga oder Europameisterschaft spielen.“ Aber ein Turnier mit anderen Top-Nationen sei möglich.