Mission Gold: Achter startet von der Pole Position

Mission Gold: Achter startet von der Pole Position

Noch in Peking fuhr er der Konkurrenz chancenlos hinterher, in den folgenden Jahren jedoch stets auf und davon. Dem seit 28 Rennen ungeschlagenen Deutschland-Achter winkt die Chance auf olympische Rehabilitierung.

Bereits im Halbfinale der Ruder-WM am Mittwoch kann sich die Crew um Schlagmann Kristof Wilke (Radolfzell) für London 2012 qualifizieren. Doch damit will sich niemand im Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) begnügen. Auch im WM-Endlauf soll die Siegesserie fortgesetzt werden. „Wir wären enttäuscht, wenn wir hier nicht gewinnen würden. Der Zweite ist der erste Verlierer“, sagte Team-Mitglied Maximilian Reinelt (Ulm).

Es spricht für den großen Erfolgshunger der Mannschaft, dass sie selbst nach dem souveränen Start-Ziel-Sieg im Vorlauf am Sonntag nicht zufrieden war. „Wir sind nie richtig ins Rutschen gekommen“, monierte Martin Sauer (Berlin). Ähnlich kritisch äußerte sich der Steuermann aus Berlin in der anschließenden Teamsitzung: „Unser Anspruch ist hoch. Wenn wir wieder Weltmeister werden wollen, müssen wir uns deutlich steigern.“

Die Havarie 2008 in China, bei dem der Mythos Deutschland-Achter beträchtlichen Schaden nahm, ist allen noch in Erinnerung. Mit großer Akribie und knallharter Teamselektion arbeitet Trainer Ralf Holtmeyer seither an einem nachhaltigen Kurswechsel. Nur die stärksten Ruderer haben Anspruch auf die begehrten Rollsitze. Selbst verdiente Sportler wie der einstige Schlagmann Sebastian Schmidt (Mainz), der das Team in den vorigen beiden Jahren zum WM-Titel führte, fielen in der vorolympischen Saison den strengen Auswahlkriterien zum Opfer.

Nicht zuletzt deshalb steht Holtmeyer im Ruf, mit darwinistischen Methoden zu arbeiten. Doch mit dieser Bewertung kann der Coach wenig anfangen: „Ich halte nicht viel von Vergleichen aus der Biologie. Wir sind keine Thekenmannschaft, es geht um Leistungssport.“

Schon einmal verhalf er einem Achter zum Kultstatus. In den Jahren 1988 bis 1992 trat sein Team ähnlich dominant auf. Die neueste Erfolgsserie wertet Holtmeyer als Indiz für hohe Stabilität, nicht aber für künftige Erfolge: „Wir zählen die Siege nicht. Es ist besser, nach vorn zu schauen.“

Gleichwohl gehen alle Beteiligten zuversichtlich in den WM-Endspurt. Nur der neue Zeitplan bereitet Kopfzerbrechen. Weil der Weltverband FISA in Bled einen Testlauf für die olympische Regatta durchführt, findet der Achter-Endlauf bereits am Donnerstag und nicht - wie bisher - am Sonntag statt. Zum Leidwesen von Holtmeyer: „Da könnte ich sehr zynisch werden. Das ist der Weg in den Untergang.“

Nicht nur dem Trainer erscheint es sonderbar, dass der Höhepunkt der WM bereits am ersten von vier Finaltagen steigt. Zudem stößt die Terminierung des Halbfinals, das nur 24 Stunden vor dem Endlauf ausgetragen wird, auf Kritik. Auch die Achter-Crew kann dem neuen Modus wenig abgewinnen. Aber die anhaltende Aufregung über den Regatta-Zeitplan soll die Konzentration auf die Mission Gold nicht stören. Schlagmann Wilke gab die Richtung vor: „Zwei Rennen muss unsere Serie noch halten. Dann ist erst einmal Pause.“

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