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Im Narrenschiff ist Platz für Skeptiker

Im Narrenschiff ist Platz für Skeptiker

Generationswechsel an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK). Nach der 20-jährigen Ära Peter Pries (67) fungiert nun der bisherige Vize Andreas Peters als Präsident. In der ATK-Jahreshauptversammlung am Montagabend wurde der 45-Jährige einstimmig gewählt.

Trier. Nach 20 Jahren ein neuer Narrenchef - was bleibt und was wird anders im Trierer Karneval? TV-Redakteur Roland Morgen sprach mit dem neuen ATK-Präsidenten Andreas Peters.

Wie fühlt man sich so als frischgebackener Präsident?

Andreas Peters: Richtig gut. Ich habe das Gefühl, alle stehen hinter mir. Es gab schon im Vorfeld viel Zuspruch. Heuschreck-Präsident Harald Reusch hat mich in der Jahreshauptversammlung vorgeschlagen, und ich wurde einstimmig gewählt.

Apropos Heuschreck. Triers ältester und größter Karnevalsverein ist auch bekannt für ein eher distanziertes Verhältnis zur ATK. Was werden Sie dagegen tun?

Peters: Grundsätzlich gilt: Ich will alle Skeptiker mit ins Boot nehmen und mit offenen Karten spielen. Denn ich bin dafür angetreten, zum Wohl des gesamten Trierer Karnevals und seiner tausenden aktiven Karnevalisten zu arbeiten.

Wenn wir überregional eine Marke sein oder werden wollen wie "Kölner Karneval" oder "Mainzer Fastnacht", dann kriegen wir das auch nur zusammen hin.

Und bis jetzt gab es diese Eintracht nicht?

Peters: Das habe ich nicht gesagt. Aber sie ist bestimmt noch ausbaufähig.

Sie spielen jetzt auf ihren Vorgänger Peter Pries an, dem Lästermäuler schon vorgeworfen haben, er verkörpere die weltweit einzige "Präsidialmonarchie" - frei nach dem Motto "Die ATK bin ich".

Peters: Das mag ja ein netter Scherz sein, trifft aber so nicht zu. Peter hat in 20 Jahren Präsidentschaft viel auf die Beine gestellt, zum Beispiel die ATK-Gala, den Kaiser-Augustus-Orden oder den Sessionsstart am 11.11. auf dem Kornmarkt. Seine Verdienste sind außerordentlich. Auch wenn nicht alle immer mit ihm einer Meinung waren, weiß ich, dass er sich stets mit vollem Einsatz für die Sache engagiert hat. Am Montagabend gab es für ihn Standing Ovations und den einstimmigen Beschluss der Vereine, ihn zum Ehrenpräsidenten zu ernennen.

Wie wollen sie die ATK führen?

Peters: Ich habe Familie und Beruf und werde die Aufgaben, die der Präsident bisher im wesentlichen alleine bewältigt hat, auf mehrere Schultern im Präsidium verteilen.

Welche Änderungen wird es geben?

Peters: Natürlich habe ich Ideen und Vorstellungen, einige Dinge anders zu machen. Das geht aber nicht alles von heute auf morgen. Ich bin ja auch erst mal für ein Jahr gewählt, will mich aber 2012, wenn das gesamte ATK-Präsidium turnusgemäß zur Wahl steht, für die komplette dreijährige Amtszeit bewerben.

Erste Amtshandlung?

Peters: Wir müssen satzungsgemäß festlegen, dass ein Schiffbruch wie mit dem zurückgetretenen 2011er Prinzenpaar nicht mehr vorkommen kann. Es muss künftig eine Art Bürgschaft oder ähnliches vorliegen, um auszuschließen, dass sich finanzielle Probleme auftun.

Können sie sich vorstellen, in 20 Jahren noch ATK-Präsident zu sein?

Peters: Ich kann mir vieles vorstellen, aber ich weiß auch, dass alles seine Zeit hat. Insofern wünsche ich mir, dass ich rechtzeitig merke, wenn ich meine Zeit als Präsident beenden sollte, ehe es andere tun.

EXTRA: ZUR PERSON



Andreas Peters wurde geboren am 21. April 1965 in Trier als viertes von fünf Kindern des kürzlich verstorbenen Karnevals-Funktionärs Hans Peters und seiner Frau Helga. Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, Studium an der Uni Kaiserslautern (Abschluss: Dipl.-Ing. Maschinenbau). Seit 1994 ist er selbstständig. In seinem Sachverständigen- und Ingenieurbüro beschäftigt er 14 Mitarbeiter. Peters ist verheiratet und hat zwei Kinder. Dem ATK-Präsidium gehört er seit 1998 an. rm.