Die Ärzte: Jungs, ihr quatscht zuviel, seid aber trotzdem der Hammer

Bandkritik : Die Ärzte: Jungs, ihr quatscht zu viel, seid aber trotzdem der Hammer

Einer der Höhepunkte von Rock am Ring, auf den sich Zehntausende seit einem Jahr freuen, ist der Auftritt der Ärzte am späten Samstagabend. Und es gibt auch tatsächlich viel Grund zur Freude. Aber auch Ärger.

Jeden Tag sitz' ich am Wannsee. Und ich hör' den Wellen zu. Die Ärzte spielen einen ihrer beliebtesten Songs, aber sie singen ihn nicht. Das tun die Fans.. ,,Wir sind nur die Karaoke-Maschine", hat Farin Urlaub angekündigt, und so läuft es auch. Vorerst. Und um den Witz zu erhöhen, spielen die Ärzte eine Reggae-Version von Wannsee - in sehr gemächlichem Tempo. In der Mitte des Songs schaltet das Trio aus Berlin natürlich um, das Tempo explodiert und der Ring auch.

Diese Szene ist einer der Höhepunkte der Ärzte-Show am Samstagabend, und es gibt noch weitere. Schrei nach Liebe. Zu spät. Lasse reden. Junge. Alle Klassiker sind dabei. Die Massen feiern dieses aus Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzales bestehende Unikat der deutschen Punk- und Pop-Geschichte.

Und wie immer sind es die Ärzte selbst, die gerne das Tempo rausnehmen und die Leidenschaft zurückdrehen, indem sie sich zwischen ihren Songs sinnfreie Wortgefechte liefern oder, aus welchem Grund auch immer, ein paar Songs von Queen anspielen. Das sind eben die Elemente, die aus einem Auftritt der Ärzte eine bis zu dreistündige Angelegenheit machen.

Macht aber nichts. Der Spaß ist da, die Songs auch, der Ring feiert ausgelassen bei einstelligen Temperaturen.

Doch über dem gesamten Auftritt hängt ein Schatten, und Bela B. spricht das Problem sogar konkret an. Eine Stunde nach dem Start der Ärzte beginnt die Thrash-Metal-Kombo Slayer auf der zweiten Bühne, der Crater Stage. Es ist die Abschiedstournee einer Band, die seit den 80ern zu den wichtigsten und einflussreichsten Impulsgebern der lauten Musik gehört. Deshalb ist diese Überschneidung extrem ärgerlich. Wer Slayer sehen will, muss die Ärzte abbrechen. Viele tun es oder kommen erst gar nicht zum Headliner auf die Hauptbühne.

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