Vinyl der Woche: Dookie – Green Day Fuffzisch?! Wie bitte?!

Serie · Green-Day-Sänger Billie Joe Armstrong wird ein halbes Jahrhundert alt. Jetzt schon. Ein Grund, sich alt zu fühlen? Schon, ja. Aber auch einer, um auf sein bestes Werk zu blicken.

 Dookie von Green Day

Dookie von Green Day

Foto: Reprise Records (Warner)

Wir haben uns schon länger nicht mehr alt gefühlt. Zumindest nicht gemeinsam. Jeder für sich, da bin ich mir sicher, merkt es immer mal wieder. Wenn man nach zwei bis drei Bier zu viel am nächsten Morgen merkt, dass man keine 16 mehr ist, zum Beispiel. Triggerwarnung: Sollten Sie sich nicht alt fühlen wollen, hören Sie jetzt auf zu lesen. Für die anderen gilt: Hinein in ein morgendliches Gespräch zwischen mir (ct) und dem Kolumnisten-Kollegen Fritz-Peter Linden (fpl).

(ct) „Ich muss jetzt kolumnieren, Fritz“

(fpl) „Was wird es wohl diesmal werden?“

(ct) „Unter den letzten Kolumnen waren Tony Christie, Aretha Franklin und The Monkees. Ich muss mal wieder was für die jüngere Leserschaft schreiben. Billie Joe Armstrong von Green Day wird am Donnerstag 50.“

(fpl) „So wirklich jung scheint die Zielgruppe da aber nicht zu sein“

(ct) „Geht, Dookie ist doch erst ... oha ... 28 Jahre alt“

Na super, da haben wir den Salat. 28 Jahre. Älter als Cobain, Winehouse und Joplin je wurden. Sei‘s drum: Billie Joe Armstrong hat sich seinen ersten Auftritt in der Vinyl-Kolumne redlich  verdient. Springen wir also knapp 30 Jahre zurück. Green Day sind durch ihr 1992er-Album Kerplunk in den USA bekannt geworden. Zeit, bei einem großen Label zu unterschreiben. Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool entscheiden sich  für das Warner-Sublabel Reprise Records. Innerhalb von drei Wochen produziert Green Day 1994 das Album, die Gesangsparts aufzunehmen dauert nur zwei Tage. Auf der Suche nach dem Namen für das Album erinnern sie sich daran, welch schlechtes Essen es während ihrer Touren gab.

Die Folge der Ernährung: Magenprobleme. Dookie ist im amerikanischen Slang ein Ausdruck für Kot. Der erfolgreichste Song und endgültige Durchbruch für Green Day wird Basket Case. Ein Titel, den Billie Joe Armstrong über seine Angsstörungen schreibt. Mit „basket case“ bezeichnet man, wenn auch etwas flapsig, einen Menschen mit schweren psychischen Problemen. Das Video drehen sie in einer Einrichtung für psychisch Kranke, werden 1995 für neun MTV Video Music Awards nominiert, gewinnen aber keinen einzigen (Skandal!).

Green Day etablieren gemeinsam mit The Offspring (durch ihr Album Smash inklusive des Songs Self Esteem) Mitte der Neunziger den Punk im Mainstream. Was Nirvana und Soundgarden für den Grunge der frühen Neunziger waren, repräsentieren Green Day und The Offspring für den Punk.

Ach, und zum Thema Alter: Der Grund, wieso ich schockiert über Armstrongs Alter war, ist der, dass er genau so aussieht wie auf den Postern, die früher in Teenie-Zimmern hingen. Mann, hat der sich gut gehalten!

(Er ist also ebenso wenig gealtert wie seine Musik, Glückwunsch, Billie!) 

In der Kolumne „Vinyl der Woche“ stellt der Trierische Volksfreund wöchentlich eine Schallplatte vor – von Neuerscheinungen, über besondere Alben bis hin zu Klassikern. Alle Serienteile finden Sie hier.