Selig für die Seele

Ring-Tagebuch, der Freitag: Warum die 90er noch aktuell sind und warum Grunge-Gitarren viel besser sind als man immer dachte....

 Rock am Ring: Zuschauer am Freitag vor der Centerstage
Rock am Ring: Zuschauer am Freitag vor der Centerstage Foto: Sven Eisenkrämer
 Rock am Ring: Ein etwas anderes Rock-Bunny
Rock am Ring: Ein etwas anderes Rock-Bunny Foto: Sven Eisenkrämer
 Rock am Ring: "Razorlight"-Sänger Johnny Borrell
Rock am Ring: "Razorlight"-Sänger Johnny Borrell Foto: Sven Eisenkrämer
 Rock am Ring: Jan Plewka, Sänger der Band "Selig"
Rock am Ring: Jan Plewka, Sänger der Band "Selig" Foto: Sven Eisenkrämer
 Rock am Ring: Der Drummer von "Selig", Stephan Eggert
Rock am Ring: Der Drummer von "Selig", Stephan Eggert Foto: Sven Eisenkrämer

Die Musik-Journaille sucht immer spezielle „Aufhänger“ für irgendwas. Das heißt: Die Suche nach dem Allgemein-Verbindenden, dem Besonderen, dem Einzigartigen. Da hatte ein Musikmagazin kürzlich ausgemacht, dass „Rock am Ring 2009“ sozusagen die musikalischen 90er aus dem Grab hievt. Das ist sicher nicht das alles verschmelzende Element, aber zumindest in Ansätzen passt es. Habe ich mir zumindest gerade gedacht: Die erste Band, die ich am Freitag komplett gehört habe, war Selig (Hauptbühne). Die Band hatte mich in der Jugend (=90er) nie wirklich interessiert. Immer die allgegenwärtige Grunge-Gitarre, das ewige Haben-Wollen, die leicht ins Nölige gehende Stimme von Jan Plewka. Seit heute bin ich bekehrt: Selig klingen zwar immer noch nach „1994 schockgefrostet“, aber das macht überhaupt nichts. Im Gegenteil: Selig sind allein schon durch das veränderte Band-Umfeld viel markanter geworden. Geile Gitarre. Und Jan Plewka hat zwischen den Songs vielleicht keine großen Botschaften („Alles gut?“), aber wer braucht die schon, wenn er ein Gänsehaut-Stück wie „Ohne dich“ bekommen kann? Da schwelgt man fast schon im Wissen, dass Liebeskummer immer noch tausendmal besser ist, als nur noch Alltag zu spüren. Das Lied allein hat schon den Freitagabend gerettet. Insgesamt ein eindrucksvoller Auftritt für die Ü25-Fraktion auf dem Ring. So kann es losgehen. Gleich anschließend gab es im Pressebereich (genau: das sind die Assis auf dem Balkon) eine Pressekonferenz mit Placebo. Mit eher harmlosen Fragen an Brian Molko, Stefan Olsdal und den neuen Schlagzeuger Steve Forrest. Mich hätte ja interessiert, warum Molko im Presseraum eine dunkle Sonnenbrille trägt und ob die Textzeile aus dem Song „Hang on to your IQ“ autobiographisch ist: „My tool is so miniscule, it’s no tool at all“. Aber eigentlich geht mich das auch gar nichts an. Gleich spielt Placebo. Ich bin gespannt. Die Hosen müssen sie nicht runterlassen. Aber es wird schon was erwartet. Andreas Feichtner PS: Freitagnacht, kurz vorm Einschlafen: Warum Placebo etwas weniger Promo gut tun würde und wie die Basement Jaxx oder Polarkreis 18 waren - das folgt demnächst.