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Meinung Der Herbst des Patriarchen Helmut Veithen aus Hetzerath schreibt: Ihren Bericht, Ministerpräsident Kurt Beck zur Wahl des nächsten Bundespräsidenten aufzustellen (TV vom 13. August), finde ich lachhaft. Wir haben doch ein vor kurzem gewähltes Staatsoberhaupt.

Da kommen Sie mit so was - unmöglich. Da vergeht einem ja schon beim Frühstück der Appetit, und die gute Laune für den Tag ist auch dahin. Wie viel Dummheit soll der Wähler denn noch ertragen? Herr Beck ist der größte Schuldenmacher der Nation. Bernhard Vogel hatte damals recht: Gott schütze Rheinland-Pfalz. Ich habe mich im Frühjahr überreden lassen, Ihre Zeitung wieder zu bestellen, da ich sie über Jahre nicht mehr gelesen hatte. Ich sehne den Tag herbei, an dem dieses Abo ausläuft. Ich wäre froh, wenn\'s morgen wäre. Hätte ich mich doch nur nicht darauf eingelassen. Schreiben Sie weiter solchen Blödsinn, wenn\'s Ihnen Spaß macht. Ich lese nur noch den Sport, da braucht man sich nicht so aufzuregen. Lieber Herr Veithen, besten Dank für Ihre Mail. Ich kann ja nachvollziehen, dass es Ihnen missfällt, wenn Kurt Beck als nächster Bundespräsident gehandelt wird. Das ist Ihre Meinung, völlig in Ordnung. Aber Sie verwechseln anscheinend Ursache und Wirkung. Nicht der Volksfreund erklärt Beck zum möglichen Kandidaten für die Wahl zum Staatsoberhaupt im Jahr 2015. Wir berichten, was Politkreise in Mainz und Berlin munkeln. Wir recherchieren. Wir loten aus, wie realistisch ein solches Szenario wäre. Mit anderen Worten, ich wiederhole es gebetsmühlenartig: Wir machen keine Politik, wir schreiben darüber. Es ist das alte Lied: Sie prügeln die Überbringer der Nachricht (= Journalisten), nicht die Urheber (= Politiker). Unser Job ist es, Fakten zu sammeln, nachzuhaken, zu hinterfragen, Antworten zu geben. Bis alle Ungereimtheiten aufgedröselt sind. Ihr Einwand, dass sich die Frage nach dem Bundespräsidenten derzeit gar nicht stellt, ist berechtigt. Christian Wulff wirkt alles andere als köhlermüde, er fühlt sich im Schloss Bellevue offenkundig pudelwohl, und das höchste Amt im Staat wird erst in dreieinhalb Jahren neu vergeben. Wie kommt es also, dass die Beck-Geschichte ein bundesweites Echo findet? Dass nicht nur der Volksfreund und die anderen rheinland-pfälzischen Zeitungen die Lage sondieren, sondern - nebst anderen - die Berliner Morgenpost, die Welt, die tageszeitung (taz) und die Potsdamer Neuesten Nachrichten? Ganz einfach: Weil es einen Anlass, einen Aufhänger gibt. Beck regiert Rheinland-Pfalz seit Menschengedenken. Er sagt, dass er bis zum Ende der Legislaturperiode (2016) Ministerpräsident bleibt. Schau\'n mer mal. Gut möglich, dass er vorher abdankt, um seinem Kronprinzen (Lewentz?, Hering?) oder seiner Kronprinzessin (Ahnen?) die Gelegenheit zu geben, sich als Regierungschef(in) warmzulaufen. Idealer Zeitpunkt: ein Jahr vor der Landtagswahl, also 2015. Noch etwas: Beck macht Fehler, Beck eckt an, Beck hadert. Das Gezänk um das Millionengrab Nürburgring. Der Ärger mit der Justiz. Diese Fußballdödel in Mainz, die ihn auspfeifen, obwohl er ihnen ein nigelnagelneues Stadion beschert hat. Die ersten Getreuen, die sich enttäuscht abwenden (Hofmann-Göttig, Oberbürgermeister in Koblenz). Hie und da ist die Rede von Aufstand, Rebellion, Revolte. Die Anzeichen verdichten sich: "König Kurt" hat wohl den Zenit seiner Regentschaft überschritten. Der Herbst des Patriarchen bricht an. Wie immer in solchen Kon stellationen heckt irgendwann irgendwer irgendwo in einem Hinterzimmer Pläne für die Thronfolge aus. Wohin mit dem Mann, wenn er den richtigen Zeitpunkt zum Absprung verpasst? Wenn er nicht weichen will? Niemand hat die Absicht, den Landesvater zu meucheln. Aber vielleicht wegloben? Ins Schloss Bellevue etwa, 2015, als Bundespräsident ... Gedankenspiele, nicht mehr. Und doch: Wenn das kein Thema ist, über das sich zu berichten lohnt! Wäre schade, lieber Herr Veithen, wenn Sie nicht erfahren würden, wie die Geschichte weitergeht. Vielleicht überlegen Sie es sich noch einmal mit der Abo-Kündigung. Herzliche Grüße! Peter Reinhart, stellvertretender Chefredakteur Lob, Kritik, Anregungen? E-Mail: forum@volksfreund.de Internet: http://forum.blog. volksfreund.de

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