Lasst ihn doch!

Ein Pastor, der nicht aus dem Pfarrhaus auszieht und dem das Bistum mit Räumungsklage droht - so etwas hat es noch nicht bei uns gegeben. In der Berichterstattung wurde vor allem dieser Umstand beschrieben, der ja auch ziemlich spektakulär klingt.

Doch handelt es sich wirklich um eine Art Hausbesetzung? Oder versperrt das Ungewöhnliche etwa den Blick auf einen ganz anderen Hintergrund? Ein Priester wird sich nur wegen einer Wohnung doch nicht in eine solche Situation manövrieren. Ist es etwa die drohende "Abschiebung" nach Polen gegen den Willen des Priesters? Dann könnte ich seinen Protest sehr gut verstehen. Einerseits wird in unserem Bistum drastischer Priestermangel beklagt, und vielen Kirchengemeinden droht in Zukunft Vakanz. Andererseits soll jetzt ein Priester, der unbedingt hier in der Eifel seinen Dienst verrichten will, nach Polen beordert werden. Da hilft ihm auch seine deutsche Staatsangehörigkeit anscheinend nichts. Und in wenigen Wochen hören wir dann in der Kirche wieder die Weihnachtsgeschichte von der Heiligen Familie, die in Bethlehem an Herbergstüren klopft und überall abgewiesen wird. Lassen wir doch den Priester in der Eifel Seelsorger sein. Eine vakante Kirchengemeinde wird sich sehr auf ihn freuen - und ihn gerne in ihrem Pfarrhaus wohnen lassen. Willi Leinen, Bleialf