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leserbriefe: Weinromantik und Motorenlärm

leserbriefe : Weinromantik und Motorenlärm

Zur Berichterstattung über die ADAC Rallye Deutschland schreibt Gerd Thiel:

Die Rallye war wieder einmal ein Beleg dafür, was circa 3000 ehrenamtliche Helfer der Region imstande sind zu leisten. Ein Wahnsinn, im wahrsten Sinne des Wortes, wenn die Rennboliden mit unfassbarer Geschwindigkeit durch die engen Weinbergswege und Randtäler der Moselregion spurten. Es ist ansteckend, und Man(n) kann sich begeistern lassen von gutem Motorsport. Der Adrenalinspiegel der Piloten scheint regelrecht zu beflügeln und leider auch wieder einmal das den Rennpulk täglich von Strecke zu Strecke verfolgende Volk.

Trotz guter Anstrengungen des ADAC und der vielen ehrenamtlichen Helfer scheinen Straßenverkehrsordnung, geltende Gesetze und auch der einfache Menschenverstand abgeschaltet, wenn von Wertungsprüfung zu Wertungsprüfung gehechtet wird, bei Ampelanlagen im Rotbereich mal eben schnell die Warteschlange überholt und trotz Gegenverkehrs durch Baustellen gerast wird.

Der ADAC bittet in Sicherheitsvideos auf seiner Seite mehrsprachig um das Einhalten der geltenden Regelungen, und doch gibt es immer wieder Rennverrückte, die sich in ihrem eigenen Auto als Verlängerung des offiziellen Fahrerpulks sehen. Neben dem scheinbar ausgesetzten Verstand fehlt dann im schlimmsten Fall auch das „Fairständnis“ den Bewohnern, Anliegern und der Natur gegenüber, die mit der Rallye leben (wollen oder müssen).

So sind auf der ADAC-Seite  Campingplätze ausgewiesen und das wilde Campen strengstens untersagt. Eine Überprüfung dessen findet aber anscheinend durch den Veranstalter nicht statt, sonst würden die unzähligen Verunreinigungen in der direkten Nähe der Rennstrecke ja nicht stattfinden. Persönlich betroffen macht mich das Ganze, da es trotz mehrmaliger freundlicher Bitten an Rennbegeisterte, das Angebot, die WC-Anlage der Natur Akademie zur Verfügung zu stellen, dennoch Rennfans gab, die ihre Toilettengänge auf Privatgrundgelände machten. So wurde eine Bank, die bei einem Gedenkort für unsere verstorbenen Klienten steht, regelrecht als Donnerbalken genutzt und somit dieser Ort nicht nur optisch, sondern auch hygienisch verunreinigt. Neben den dazu zahlreichen Hinterlassenschaften in den umliegenden Weinbergen ist es unverständlich, warum so etwas sein muss. Der ADAC hat durch die Vielzahl der ehrenamtlichen Helfer ein gutes Netzwerk an WC-, Park- und Campingmöglichkeiten als auch Orientierungshilfen ausgeschrieben und zur Verfügung gestellt. So muss es nicht sein, dass nächtliche Lagerfeuer bis in den frühen Morgen, Feuerwerke und menschliche Hinterlassenschaften den Anwohnern und der Natur gegenüber zugemutet werden.

Leider trüben solche Ereignisse dieses besondere Motorsportereignis in der Region. Ich wünsche mir von einer Rallye, dass sie die Gegebenheiten der Region aufnimmt, ernst nimmt und sich kümmert. Vorher und im Nachhinein.

Gerd Thiel, Sozialpädagoge, DogTher® Natur Akademie Brauneberg