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Trierer Bischof stellt sich Kritikern: Fehler ja, Rücktritt nein

Trier. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat sich gestern Abend seinen Kritikern gestellt und erneut Fehler bei der Aufarbeitung eines Missbrauchsfalls eingeräumt. Personelle Konsequenzen lehnte der 48-Jährige ab. Rolf Seydewitz

Der Fall eines im Herbst vergangenen Jahres pensionierten Saarbrücker Priesters erhitzt weiter die Gemüter. Viel zu spät, so die Kritik, wurden die Gläubigen vor Ort über die dem Trierer Bistum bereits seit Anfang des Jahres bekannten Vorwürfe informiert. Über ein knappes Jahrzehnt hinweg soll sich der Geistliche an einer minderjährigen Messdienerin vergangen haben. Der Missbrauch wurde erst bekannt, als wegen eines Überfalls auf den Saarbrücker Priester ermittelt wurde.

"Der Überfall war womöglich ein Racheakt wegen eines sexuellen Übergriffs des Geistlichen", sagte gestern Abend der Trierer Generalvikar Georg Holkenbrink. Holkenbrink räumte ein, dass es ein Fehler gewesen sei, dass der Priester nicht schon im Januar 2011 suspendiert worden sei. Die Vorwürfe hätten dafür ausgereicht, sagte der Verwaltungschef des Bischofs. Holkenbrink räumte zugleich ein, den zuständigen Dechanten erst unmittelbar vor der Pensionierung des Priesters im Herbst über die Vorwürfe informiert zu haben. Und erst Wochen später erfuhren auch die Gläubigen von den langjährigen Übergriffen des Geistlichen.

Scharfe Kritik musste sich dafür am Mittwochabend auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann anhören. "Es wäre ein wichtiges Zeichen gewesen, wenn Sie zu uns nach Saarbrücken gekommen wären und mit den Gläubigen vor Ort gesprochen hätten", sagte der saarländische Pastoralreferent Heiner Buchen. Die geistliche Leiterin der katholischen Jugendorganisation KSJ, Jutta Lehnert, bezeichnete die katholische Kirche als "offenes Scheunentor für Sexualstraftäter".

"Dass ich aus den eigenen Reihen so angegriffen werde, ist grenzwertig", konterte der Bischof. Einen Rücktritt, wie ihn eine norddeutsche Opferorganisation von Ackermann gefordert hatte, lehnte der 48-Jährige ab.