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Trierer Bischof weist Kritik zurück und hört auf sie

Trier. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat am Montag Kritik an seinem Umgang mit Missbrauchstätern zurückgewiesen. Indirekt sprach sich Ackermann allerdings für eine Verschärfung der Leitlinien aus. Rolf Seydewitz

Trier. Als Papst Benedikt XVI. vor vier Jahren über den großen Teich in die Vereinigten Staaten flog, da äußerte er sich im Flieger über den Wolken zu den Missbrauchsfällen durch pädophile Priester. Er sei "tief beschämt", sagte der Pontifex, "wir werden alles tun, dass dies in Zukunft nicht mehr passieren kann". Und dann fügte der Papst einen Satz hinzu, der an Deutlichkeit eigentlich nichts vermissen lässt: "Wir werden Pädophile vom Priesterdienst absolut ausschließen." Wenn der katholische Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann sich an diesen Satz des Papstes halten würde, hätte der Trierer Bischof jetzt nicht so ein großes Problem. Denn seit dem Wochenende sorgt eine Spiegel-Geschichte für mächtig Aufsehen, in der von sieben pädophilen Priestern die Rede ist, die nach wie vor im Bistum eingesetzt würden.
Über einen Fall, der in der Spiegel-Auflistung enthalten ist, hatte der TV erst am Mittwoch vergangener Woche berichtet. Ein katholischer Geistlicher, der wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs Mitte der 1990er Jahre zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war, ist inzwischen wieder als Krankenhausseelsorger und Aushilfspriester im Saarland im Einsatz. "Das steht im Einklang mit den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz", rechtfertigt Bischof Stephan Ackermann dieses Vorgehen. Danach dürften Missbrauchstäter zwar nicht mehr in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden. Gebe allerdings ein forensisch-psychiatrisches Gutachten grünes Licht, könne der Priester unter Auflagen "weiter priesterlich arbeiten". Was darunter zu verstehen ist, zeigt der Fall des saarländischen Aushilfsgeistlichen: Er hält Taufen und Gottesdienste ab, übernimmt Hochzeiten und Begräbnisse.
Für Opfervereinigungen und die katholische Jugendorganisation KSJ ein Unding. "Priester, die straffällig geworden sind, gehören nicht mehr in die Seelsorge", sagt etwa die geistliche Leiterin der KSJ im Bistum Trier, Jutta Lehnert. Und sie fügt hinzu: "Null Toleranz, das sagt auch der Papst."
"Null Toleranz gegenüber den schändlichen Verbrechen sexueller Gewalt", sagt auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann und betont noch einmal ausdrücklich, nie von einer "Null-Toleranz gegenüber den Tätern" gesprochen zu haben. "Das wäre ja auch keine christliche Haltung."
Aber ist es eine christliche Haltung, wiederverheirateten Geschiedenen die Sakramente zu verweigern, während wegen Missbrauchs verurteilte Priester diese Sakramente weiter spenden dürfen? Der kirchliche Missbrauchsbeauftragte räumt ein, dass sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit noch stelle. "Kann ein Priester, der Missbrauchstäter geworden ist, glaubwürdig in der Seelsorge auch in beschränkten Bereichen tätig sein?", formuliert Ackermann die Aufgabenstellung für die deutschen Bischöfe im nächsten Jahr. Dann sollen die Leitlinien nach drei Jahren auf den Prüfstand gestellt werden. Indem Stephan Ackermann die Frage formuliert, liefert er die Antwort gleich mit. Den Papst wird es freuen, wenn die deutschen Bischöfe nach Jahren auf ihn hören.Extra

Den niederländischen Gesundheitsbehörden war laut einem Zeitungsbericht bekannt, dass die katholische Kirche in den 1950er Jahren mehrere Jungen kastrieren ließ. Die für psychiatrische Kliniken verantwortliche Behörde sei aber nicht eingeschritten, schrieb die Tageszeitung De Limburger gestern. Sie berief sich auf Besprechungsprotokolle aus der Zeit. Die katholische Kirche ließ nach Medienberichten vom Wochenende in kirchlichen Einrichtungen in den Provinzen Limburg und Brabant mehrere Jungen kastrieren, um ihre angeblichen homosexuellen Neigungen "zu heilen". Es habe sich um Minderjährige gehandelt, die zuvor in katholischen Schulen und Internaten von Kirchenangehörigen sexuell missbraucht worden seien. Die chirurgischen Eingriffe wurden laut De Limburger in psychiatrischen Kliniken vorgenommen, die von der Kirche betrieben wurden. Die Erlaubnis der Eltern sei nicht im Voraus eingeholt worden. dpa