Chancen und Risiken der Windkraft: Zwei regionale Unternehmer beziehen Stellung

Chancen und Risiken der Windkraft: Zwei regionale Unternehmer beziehen Stellung

Die Region verfügt über ein hohes Potenzial für Windkraftanlagen. Und das muss genutzt werden, sagen zwei regionale Windkraft-Unternehmer. Sie sehen darin mehr Chancen als Risiken.

Trier. Die Landschaft in der Region wird sich verändern. Davon sind Johannes Pinn und Uwe Seher überzeugt. Beide sind Unternehmer, die ihr Geld mit dem Bau von Windkraftanlagen verdienen. "Windräder werden schon bald zum normalen Landschaftsbild gehören", sagt der Diplom-Geograf und Windkraftanlagen-Planer Uwe Seher aus Trier.
Und der Bedarf dieser Anlagen wird in den nächsten Jahren steigen. Zum einen durch die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende und den Ausstieg aus der Atomenergie. Und zum anderen durch das Ausweisen von neuen Flächen, auf denen die Anlagen gebaut werden dürfen. "Die Region Trier verfügt über hohe Potenziale an guten Windkraftstandorte", sagt Johannes Pinn. Er ist Vorstand der seit zwei Jahren bestehenden Eifel-Energiegenossenschaft. Sie hat 250 Mitglieder, die nach eigenen Angaben über eine Million Euro in elf Photovoltaikanlagen investiert hat. Uwe Seher warnt aber vor einer überzogenen Euphorie: "Nicht alle Flächen in der Region sind ein idealer Standort für Windkraftanlagen." Es wäre fahrlässig, überall dort, wo nach dem Raumordnungsplan solche Anlagen möglich sind, auch welche zu bauen, sagt Seher. Nicht vergessen werden dürfe auch, dass sich eine Kommune bis zu 20 Jahre an einen Windkraftinvestor binde. Das ist die derzeit durchschnittliche Betriebszeit der Anlagen. Daher sei Vorsicht geboten, wenn nun Investoren über Land ziehen und unrealistische Profite versprechen. Aber Seher ist sich sicher: "Die Menschen hier in der Region werden eine veränderte Landschaft in Kauf nehmen müssen." Bislang habe die Region ihren Strom überwiegend aus anderen Landstrichen bezogen, sagt Pinn. "Für die Produktion von Braunkohlestrom in den Tagebaugebieten wurden ganze Landschaften, mitsamt den Orten und den Menschen umgesiedelt, damit unsere Republik Strom hatte. Jetzt sind die Mittelgebirgsregionen in der Pflicht, ihren Beitrag zu einer sicheren und nachhaltigen Stromversorgung zu leisten." Laut dem Bundesverband für Windenergie eignen sich besonders die Höhenlagen der rheinland-pfälzischen Mittelgebirge für Windräder. Bereits in 50 Metern Höhe herrschen dort durchschnittliche Windgeschwindigkeiten zwischen 5,5 und 6,5 Meter pro Sekunde.
Die Gefahr einer Verspargelung der Landschaft durch Windräder sieht Seher nicht. Auch wenn es künftig mehr potenzielle Flächen für solche Anlagen in der Region geben wird, gelten weiterhin die bisherigen Baugesetze. Und ohne Flächennutzungsplan darf kiein Windrad aufgestellt werden.
Pinn macht keinen Hehl daraus, dass der Bau neuer Anlagen auch Belastungen und Einschränkungen mit sich bringen wird. Deshalb sei es wichtig, "dass möglichst alle Menschen, Kommunen und Unternehmen in der Region mit an dieser Wertschöpfung partizipieren". Das beginne damit, dass die öffentlichen Eigentümer von Standorten für solche Anlagen, also Land und Kommunen, einen Teil ihrer Pachteinnahmen an die Kommunen abgeben, die keinen Windrad-Standort haben, schlägt Pinn vor. "Nur so kann eine optimale Standortplanung stattfinden." Und: "Wenn die Menschen selbst an Projekten beteiligt sind, sind sie eher bereit, die damit verbundenen Lasten zu tragen." Wie etwa über eine Genossenschaft. Die Kommunen könnten auch eigenverantwortlich solche Anlagen betreiben, sagt Seher. Einige würde sich auch regionale Energieanbieter wie die Stadtwerke Trier mit ins Boot nehmen. Wie zum Beispiel in Reinsfeld (Kreis Trier-Saarburg), wo Seher gemeinsam mit den Stadtwerken drei Windkraftanlagen geplant und gebaut hat. Laut Pinn beschäftigen sich auch andere regionale Versorger wie die Kreisenergieversorgung Euskirchen und die Stadtwerke Aachen mit solchen Projekten in der Eifel. Um die Akzeptanz der Windkraftanlagen zu steigern, schlägt er vor, dass die regionalen Akteure zusammen mit den regionalen Netzbetreibern Bürgern und Unternehmen als Ausgleich für Belastungen kostengünstigen Regionalstrom anbieten sollten. Den Slogan dafür hat er bereits parat: "Erneuerbarer Strom, nachhaltig, klimafreundlich und preiswert aus der Region für die Region." In der Region sind bislang 90 sogenannte Vorraggebiete für die Windenergienutzung im Regionalen Raumordnungsplan ausgewiesen. Ingesamt umfassen diese Gebiete 2411 Hektar. Durch sogenanntes Repowering, also dem Austausch kleinerer, älterer Windkraftanlagen durch neue leistungsstärkere Anlagen, könnte sich die Zahl der Anlagen um rund ein Drittel reduzieren, heißt es in einem Papier der Regionalen Planungsgemeinschaft. wieGanz klar lässt sich die Frage nicht beantworten. Der Preis einer Anlage richtet sich nach deren Leistung. Laut Experten betragen die Kosten für die Errichtung, inklusive Montage und Abnahme, zwischen 1200 und 1400 Euro pro Kilowatt installierter Leistung. Anlagen der neuesten Generation weisen eine Leistung von mehr als 6000 Kilowattstunden auf. Laut dem Bundesverband Windenergie haben die gängigsten Anlagen in Deutschland einen Rotordurchmesser von circa 90 Metern, eine Nennleistung von 2500 Kilowatt und eine Höhe zwischen 80 und 130 Metern. Die Anlagen nutzen die Windenergie und wandeln diese mit dem Windrotor erst in mechanische und dann über einen Generator in elektrische Energie um. Die übliche Betriebszeit von Windkraftanlagen betrage 20 Jahre. wie