Jetzt riecht's im Bischofshof wieder nach Marx

Jetzt riecht's im Bischofshof wieder nach Marx

Zweieinhalb Jahre nach seinem Weggang aus Trier ist der Münchner Kardinal Reinhard Marx am Sonntag zum Ehrendomherr ernannt worden. Der 57-Jährige hinterließ einen bleibenden Eindruck, auch in der Wohnung seines Nachfolgers Stephan Ackermann.

Geduldig erfüllt Reinhard Marx die Autogrammwünsche junger Messdiener. TV-Foto: Rolf Seydewitz.

Trier. Stephan Ackermann rümpft schmunzelnd die Nase: "Wir haben monatelang gebraucht, um den Zigarrengeruch aus der Wohnung zu bekommen. Jetzt riecht es wieder so, als wäre er nie weg gewesen." Er, das ist Ackermann-Vorgänger Reinhard Marx. Am Sonntagnachmittag ist der Münchner Erzbischof mit einer kleinen Entourage aus Bayern an seine alte Wirkungsstätte gekommen, wo er gestern zum Ehrendomherr ernannt wurde. Für Reinhard Marx ist das "eine ganz besondere Auszeichnung" - "und das sagt ich nicht einfach nur so", fügt er hinzu.Immerhin sechs Jahre lang, von 2002 bis 2008, war Marx Bischof von Trier, bis er die Karriereleiter nach oben fiel und Erzbischof von München und Freising wurde. Ein gutes Jahr später wurde Marx Kardinal, ist mithin bei der nächsten Papstwahl dabei.Dagegen wählt ein Domkapitel, dem Reinhard Marx jetzt ehrenhalber angehört, nur einen neuen Bischof. Und bei dieser Wahl, so sie denn in Trier in absehbarer Zeit noch einmal anstünde, wären ohnehin nur die 14 echten Domherren stimmberechtigt, nicht aber die vier Ehrenkapitulare.Marx wird es verschmerzen. "Für mich ändert sich ja nicht viel", sagt er, "an den meisten Sitzungen werde ich ohnehin nicht teilnehmen können." Dafür genießt es der 57-Jährige sichtlich, dass ihn das Trierer Domkapitel als Zeichen der Verbundenheit in seine Riege aufnimmt. "Trier bewegt mein Herz immer", sagt Marx in seiner Ansprache im voll besetzten Dom.Dass auch die Trierer ihren einstigen Bischof nicht vergessen haben, zeigt sich beim anschließenden Empfang in der schmucklosen Cafeteria des Generalvikariats. Dass da irgendwo im Pulk der zahlreichen Gratulanten und Neugierigen der Erzbischof sein muss, kann man allenfalls am rotleuchtenden Kardinals pileus erkennen. Aber auch die Kopfbedeckung und Brille zieht Marx rasch aus, um sich in dem stickigen Raum immer mal wieder den Schweiß von der Stirn zu wischen.Auf dem Weg dahin gibt sich Triers Bischof Stephan Ackermann einigermaßen überrascht, als er von Passanten um ein gemeinsames Foto gebeten wird. "Ich dachte schon, ich wäre heute gar nicht gefragt", willigt der 48-Jährige sogleich ein. Die Programmpunkte der Marx-Festspiele folgen dicht aufeinander. Nach dem Empfang steht noch ein Mittagessen (Entenbrust) mit den engsten ehemaligen Mitarbeitern auf dem Programm, danach Besichtigung der frisch renovierten Liebfrauenkirche, anschließend Heimfahrt nach Bayern. Mit seinem Nachfolger, dem Domkapitel und dem ehemaligen Trierer Weihbischof Felix Genn hatte sich der alte Hausherr schon am Vorabend getroffen. Im Esszimmer des Bischofs gab es ein Maronensüppchen, danach Reh mit Klößen und Rotkraut. Im Anschluss daran paffte Reinhard Marx bei einem guten Glas Rotwein noch eine seiner geliebten dicken Zigarren. Bis der Kardinal aus München zur Heilig-Rock-Wallfahrt im kommenden Jahr das nächste Mal nach Trier kommt, dürfte sich der Tabakgeruch in Ackermanns Nichtraucher-Wohnung wieder verzogen haben. Die neue Pilgerhymne untervolksfreund.de/extra