Fader Beigeschmack

Mag sein, dass die Spende des umstrittenen PR-Gurus Moritz Hunzinger an die Grünen schon ein alter Hut ist. Mag auch sein, dass sich Joschka Fischer dabei formal nichts zu Schulden kommen ließ.

Mag sein, dass die Spende des umstrittenen PR-Gurus Moritz Hunzinger an die Grünen schon ein alter Hut ist. Mag auch sein, dass sich Joschka Fischer dabei formal nichts zu Schulden kommen ließ. Doch ein fader Beigeschmack bleibt. Ausgerechnet die Grünen, die einst angetreten waren, um das politische Establishment mit dem moralischen Zeigefinger vorzuführen, sind keinen Deut besser. Es hat schon ein Geschmäckle, wenn Fischer noch zu seinen Zeiten als Fraktionschef 19 999 Mark für einen einzigen Vortrag einspielte – eine schlappe Mark mehr, und der Betrag hätte im Rechenschaftsbericht der Partei veröffentlicht werden müssen. Offenbar war Fischers Genugtuung, das grüne Schmuddel-Image vor einer konservativen Zuhörerschaft gerade rücken zu dürfen, damals größer, als die Sorge um sein Finanzgebaren. Dennoch, Fischer wird über diesen Vorgang nicht stürzen. Beklemmend ist allerdings die Mischung vermeintlicher und tatsächlicher Verfehlungen. Die Ikone der Grünen steht schon wegen der Visa-Affäre unter Druck. Und nimmt man die Flugreise von Agrar-Ministerin Renate Künast hinzu, die ebenfalls mit einer Veranstaltung von Hunzinger zusammen hing, dann bleibt nichts mehr übrig vom Nimbus des Gutmenschen. nachrichten.red@volksfreund.de