Familienpolitik ist machbar

Kinder kosten Geld. Eine Binsenweisheit. Doch kaum ein Vater oder eine Mutter wiegt seinen Nachwuchs in Euro und Cent auf. Aber genau das geschieht derzeit in Berlin. Die Politiker debattieren darüber, wie viel Familienpolitik sich Deutschland leisten kann.

Alle sind sich einig, dass wir mehr Kinder brauchen. Doch sobald es darum geht, Familien zu entlasten, wird mit spitzen Bleistift gerechnet. Um jeden Cent wird dann gestritten, wie die von vielen Eltern kaum noch nachvollziehbare Diskussion über die steuerliche Absetzbarkeit von Betreuungkosten anschaulich macht. Auf der einen Seite will die Politik, dass wieder mehr Frauen sich statt für Job oder Kinder für beides entscheiden. Aber wenn es darum geht, genau dafür finanzielle Anreize zu schaffen, damit Familien nicht einen erheblichen Teil des Verdienstes für die dann notwendige Kinderbetreuung ausgeben müssen, wird kleinkrämerisch gestritten. Das ist scheinheilig. Genauso wie die nun von den Kommunen losgetretene Debatte über Kürzung des Kindergeldes für Reiche. Kindergeld ist keine Almose, es ist eine steuerlich finanzierte staatliche Leistung, über die es keine Diskussion geben dürfte. Keine Rolle in der deutschen Familienpolitik spielt bislang die Tatsache, dass Familien und Kinder nicht nur Kostenfaktoren sind, sondern dem Staat auch was bringen. Vor diesem Hintergrund sollte man die, wenn auch theoretischen, Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts betrachten. Sie sollten zumindest nachdenklich stimmen, auch wenn es sicherlich ein Trugschluss der Wissenschaftler ist, dass der Überschuss, den die Bürger quasi dem Staat schenken, zur freien Verfügung steht. Aber die Studie zeigt: Familien liegen der öffentlichen Hand nicht auf der Tasche, sie sind volkswirtschaftlich von hohem Nutzen - sie konsumieren mehr, bezahlen mehr Sozialabgaben und Steuern. Allein diese Erkenntnis könnte dem einen oder anderen Politiker dabei helfen, Familien aus einer anderen Sicht zu sehen und zu erkennen, dass tatsächlich Geld da wäre, das nur anders verteilt werden müsste. Effektive Familienpolitik ist machbar, wenn die Prioritäten richtig gesetzt werden. b.wientjes@volksfreund.de