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Länger arbeiten, kürzer leben

Länger arbeiten, kürzer leben

Nach der neuesten Statistik haben immer noch sehr wenig Menschen nach dem 60. Lebensjahr einen Job. Nun gibt es auch noch den Hinweis, dass nicht alle Arbeitnehmer im Durchschnitt immer älter werden, was das Hauptargument für die höhere Altersgrenze war. Vielmehr leben Geringverdiener sogar kürzer als früher.

Berlin. Nach den jüngsten Zahlen des Arbeitsministeriums, die der Rentenexperte der Linksfraktion, Matthias Birkwald, in mehreren Anfragen ermittelte, stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 60- bis 64-Jährigen leicht von 24,9 Prozent im März 2010 auf 26,4 Prozent im März 2011 an. Vollzeit arbeiteten nur 18,7 Prozent dieser Altersgruppe (plus 1,1 Prozentpunkte). Mit jedem Jahrgang nimmt dabei die Beschäftigung ab. Die 64-Jährigen sind aktuell nur noch zu 13,7 Prozent überhaupt und zu 9,3 Prozent voll erwerbstätig. "Die Rente erst ab 67 ist nach wie vor nichts anderes als ein gigantisches Rentenkürzungsprogramm", sagte Birkwald unserer Zeitung.
Seine Fraktion will am Donnerstag im Bundestag den Antrag einbringen, die Anhebung der Altersgrenze sofort auszusetzen und dann schnellstmöglich abzuschaffen. Nach der geltenden Gesetzeslage wird ab 2012 der Renteneintritt jedes Jahr um einen Monat nach hinten verschoben; der Jahrgang 1947 beginnt. Spannend wird sein, ob die SPD im Bundestag dem Antrag zustimmt. Sie hatte in der großen Koalition die Reform zwar miterfunden, war aber auf ihrem jüngsten Parteitag in Berlin davon abgerückt. Der Stufenplan für die Rente mit 67 dürfe erst beginnen, wenn 50 Prozent der Älteren in Beschäftigung seien, beschloss die SPD. So lange müsse die Maßnahme ausgesetzt werden. Geht das Tempo der Entwicklung aber so weiter, wird diese Quote erst 2027 erreicht werden. Laut Antwort der Bundesregierung auf eine große Anfrage der Linksfraktion betrug das durchschnittliche Sterbealter von Geringverdienern 2001 etwa 77,5 Jahre. 2010 lag es bei 75,5 Jahren, zwei Jahre weniger. Wenn diese Gruppe künftig gleichzeitig zwei Jahre länger arbeiten muss, hätte sie also vier bis fünf Jahre weniger von ihrer (mageren) Rente als heute. Dass die Rentenbezugsdauer permanent steigt und damit die Beiträge, das eigentliche Motiv der Reform, liegt laut Statistik ausschließlich an Leuten mit durchschnittlichem oder überdurchschnittlichem Einkommen.