Schlussspurt fürs Klima

Die Klimaverhandlungen in Paris sind um einen Tag verlängert worden. Auf dem Tisch liegt ein Entwurf, der vor allem bei den Golfstaaten auf Widerstand stößt.

Paris. Auch wenn das Wetter am Freitag in Paris trüb und regnerisch war, strahlte rund um den Triumphbogen die Sonne. Greenpeace-Aktivisten hatten den Straßenbelag rund um das Wahrzeichen gelb bemalt. Ihr Plädoyer für Sonnenenergie war an die Delegierten der Klimakonferenz gerichtet, die am Freitag in die Verlängerung ging. Statt am Freitagabend sollte die Mammutveranstaltung mit rund 14 000 Delegierten erst am Samstagmittag enden.
Verhandlungsgrundlage war ein 27-seitiger Entwurf, den die französische Präsidentschaft am Donnerstag vorgestellt hatte. In Klammern standen darin noch 50 umstrittene Formulierungen - ein Fortschritt gegenüber den rund 350 davor. "Rund 40 Länder haben Schwierigkeiten, den Text zu akzeptieren", sagte der Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals. "Sie müssen nun ihre roten Linien verändern." Das gelte vor allem für Saudi-Arabien und andere Golfstaaten. Die Region verweigert sich dem langfristigen Verzicht auf Öl und andere fossile Brennstoffe.
Der ist allerdings nötig, wenn das Klimaziel einer Erderwärmung unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter erreicht werden soll. Im Vertragsentwurf ist sogar davon die Rede, "die Bemühungen fortzusetzen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen". Die 1,5 Grad sind für die kleinen Inselstaaten wie Tuvalu und Kiribati wichtig, die sonst wegen des Klimawandels verschwinden würden.

Experten hatten darauf hingewiesen, dass für das 1,5-Grad-Ziel ein Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bis 2050 nötig ist. Die G-7-Länder hatten auf ihrem Gipfel im Sommer in Schloss Elmau eine solche Dekarbonisierung bis zum Ende des Jahrhunderts vereinbart. Allerdings stoßen sie dabei auf Widerstand von Ländern wie Indien, das für sich "Klimagerechtigkeit" fordert und sich das Recht auf Entwicklung nicht durch den Verzicht auf Kohle nehmen lassen will. Das Wort Dekarbonisierung ist nicht im Textentwurf zu finden.
Ein weiterer Streitpunkt waren am Freitag die Finanzhilfen für Entwicklungs- und Schwellenländer, die mit dem Geld die Klimafolgen abfedern und auf erneuerbare Energien umstellen sollen. Vorgesehen sind 100 Milliarden Dollar ab 2020 - eine Summe, die regelmäßig überprüft und erhöht werden soll.
Zum Schluss kann es allerdings sein, dass die Staats- und Regierungschefs noch einmal eingreifen müssen. "Ich sehe die Wahrscheinlichkeit eines Abkommens bei 90 Prozent", schätzte Bals. Nicht so sicher ist er allerdings, ob das Ergebnis auch ambitioniert ist: "Die Aussichten stehen fünfzig zu fünfzig."
Paris.

Extra

Paris. Wenn Ta'Kaiya (Foto: dpa) durch Paris läuft, drehen sich viele Menschen nach ihr um. Sie ist 14 Jahre alt und trägt ein rotes Leinenkleid mit langen Fransen. Auf dem Kopf hat sie einen großen Hut aus der Rinde des Zedernbaums. Das ist die Tracht ihres Stamms, der Sliammon im Land Kanada. Ta'Kaiya ist nach Paris gekommen, um für ihren Stamm zu sprechen. Paris ist die Hauptstadt von Frankreich. In der Nähe treffen sich gerade Menschen aus aller Welt zur Klimakonferenz. Sie sprechen über Themen wie Klimawandel und Umweltschutz. Ta'Kaiya wuchs in Vancouver auf. Das ist eine große Stadt an der Westküste Kanadas. In der Nähe sind die Gebiete, in denen die Ureinwohner Kanadas leben. Auch Ta'Kaiyas Familie kommt daher. Dort jagen und fischen die Ureinwohner. Ta'Kaiya kämpft dafür, dass es so bleibt. Die Tracht ihrer Vorfahren zu tragen, macht ihr dabei Mut. Aber zum Welt-Verändern muss man keine Tracht tragen: Zu Hause trägt Ta'Kaiya meist normale Jeans. dpa