Arbeitsmarkt paradox: Fachkräfte fehlen, aber Gesellen werden arbeitslos.

Arbeitsmarkt : Fachkräfte fehlen, aber junge Gesellen ohne Job

Gespaltener könnte die aktuelle Arbeitsmarktlage kaum sein: Die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Region Trier ist hoch, und die Arbeitslosigkeit sinkt. Gleichzeitig werden junge Leute nach der Ausbildung nicht übernommen. Der Agenturchef warnt.

Wenn der Chef der Trierer Agentur für Arbeit, Heribert Wilhelmi verbal den Zeigefinger hebt und die Unternehmen in der Region Trier mahnt, dann ist dies ein Fingerzeig für die heimische Wirtschaft. Denn es wird ihm ernst: „Es muss ein Umdenken bei der Fachkräftesicherung stattfinden“, sagt Wilhelmi, und dabei hat er den aktuellen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in Eifel, Mosel und Hunsrück nach dem Ende des Ausbildungsjahres im Blick.

„Die Unternehmen lassen mit ihren ehemaligen Auszubildenden häufig ein großes Fachwissen und zukünftige Fachkräfte gehen“, bedauert der Agenturchef. Die Zahlen sprechen Bände: Mit dem Ende der Ausbildung im Juni ist die Zahl nicht übernommener Gesellen in den Betrieben und damit der unter 20-Jährigen ohne Job um 15,8 Prozent gegenüber dem Vormonat Mai gestiegen. „Zwar haben viele Ausbildungsbetriebe mittlerweile erkannt, dass die Bindung der Jugendlichen an ihr Unternehmen im Anschluss an die Ausbildung wichtig ist, jedoch könnten noch mehr Betriebe diesem positiven Beispiel folgen“, fordert Heribert Wilhelmi. Gerade vor der aktuellen Arbeitsmarktlage.

Denn während bundesweit eine leicht schwächere Konjunktur bereits  Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt, ist in der Region Trier die Nachfrage nach Arbeitskräften nach wie vor hoch. „Deutschlandweit ist die Arbeitslosigkeit im Juni nur wenig gesunken, die Zahl der gemeldeten Stellen geht auf hohem Niveau zurück, und das Beschäftigungswachstum verliert an Dynamik“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen sank im Bund im Juni auf 2,216 Millionen. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei derzeit 4,9 Prozent.

In der Region Trier dagegen ist die Arbeitslosenquote auf 3,1 Prozent gesunken, im Eifelkreis Bitburg-Prüm liegt sie sogar bei nur 2,3 Prozent. Und die Zahl der offenen Arbeitsstellen liegt aktuell bei 5349, ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Vor allem in der Zeitarbeit, im verarbeitenden Gewerbe und im Handel gibt es offene Stellen. Bundesweit wird dagegen diee Nachfrage der Unternehmen nach neuen Mitarbeitern merklich schwächer. Im Juni waren 798 000 offene Stellen bei der Bundesagentur gemeldet, 8000 weniger als ein Jahr zuvor.

Der Trierer Behördenleiter schlägt sogar Brücken für den Fall, dass der Weiterbeschäftigung der Absolventen eine fehlende Qualifikation oder eine fehlende Finanzierung im Wege stünden. „Die Mitarbeiter des gemeinsamen Arbeitgeberservices stehen den Unternehmen mit Rat und Hilfe zur Seite, um eine Lösung zu finden“, sagt Wilhelmi.

Denn dass die Unternehmen Nachwuchs und neue Ideen für ihre Firmen benötigen, zeigt die hohe Einstellungsbereitschaft für neue Auszubildende: Bis Juni sind in der Region Trier 4369 Lehrstellen gemeldet, 500 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des vorangegangenen Ausbildungsjahres. Frei davon sind noch 1984, vor allem in der Rohstoffgewinnung, in Produktion und Fertigung, etwa in der Energietechnik und im Metallbau.

Aber auch im kaufmännischen Bereich und dem Tourismus sind junge Leute gefragt. Dem stehen von 2775 ausbildungswilligen Jugendlichen noch 788 gegenüber, die bislang noch keine Lehrstelle gefunden haben. Dabei liegen die Interessen ähnlich den Bedürfnissen der Wirtschaft.

Auch zeigt die wachsende Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter, dass die Wirtschaft weiter Mitarbeiter braucht: Rund ein Prozent mehr Erwerbstätige sind nun deutschlandweit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD): „Der Arbeitsmarkt zeigt sich auch in diesem Monat von seiner robusten Seite, auch wenn sich die nachlassende konjunkturelle Entwicklung bemerkbar macht.“

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