Angst vor nächtlichen Übergriffen

Angst vor nächtlichen Übergriffen

BITBURG. Die Vereinsmoschee auf dem Stock in Bitburg ist in jüngster Zeit mehrfach Ziel von Übergriffen gewesen. Der Verein zur Betreuung muslimischer Mitbürger ist besorgt über diese Entwicklung.

Normalerweise schlagen die Übeltäter am frühen Morgen zu. Mal werfen bisher unbekannte Täter Eier an die Mauer der Vereinsmoschee auf dem Stock in Bitburg, manchmal wird mit Farbe rumgeschmiert, dann versperrt ein Kleider-Container den Eingang, oder es wird einfach nur dem Harndrang am Gebetshaus freien Lauf gelassen. Ob es sich bei den Übergriffen um gezielte Aktionen handelt, weiß beim Verein zur Betreuung muslimischer Mitbürger niemand. An Dumme-Jungen-Streiche glaubt man in der Moschee jedenfalls nicht. Die Schmierereien geschahen jeweils zwischen Mitternacht und der Dämmerung. "Ein Gebetshaus ist ein Gebetshaus", sagt A. H. Gehrmann, Leiter des Vereinssekretariats. Dieser ganz einfache Satz erklärt das, was vermutlich viele der Besucher der Moschee denken. Sie erwarten keine Sonderbehandlung für sich oder ihre Gebetsstätte, wollen aber, dass man die Moschee genau so ehrt wie eine christliche Kirche oder eine jüdische Synagoge. Schließlich beschmiere man normalerweise auch eine Kirche nicht, sagt Gehrmann.Ziel des Vereins ist die Verständigung

Die Vereinsmitglieder und Besucher der Einrichtung sind jedenfalls alles andere als erfreut über die Vorfälle. Über Wochen hinweg sei immer wieder etwas passiert, sagt Ali Rekik, zweiter Vorsitzender des Vereins. Seit rund drei Jahren betreibt der Verein die Moschee in der Bitburger Innenstadt. Zuvor hatten die Muslime ihre Moschee in der Ahlbachstraße. Für Gehrmann, Rekik und andere Vereinsmitglieder sind diese Handlungen auch deshalb unverständlich, da man in Bitburg um Dialog und Aufklärung bemüht ist. Die Muslime laden regelmäßig zum Tag der offenen Türe ein und legen Wert darauf, sich nicht von ihrer (christlichen) Umwelt abzuschotten. Ihnen geht es auch darum, Schranken zwischen Christentum und Islam abzubauen. Nicht-Muslime können nach vorheriger Anmeldung beispielsweise ohne weiteres an den Gebeten teilnehmen. Die sind zwar normalerweise in arabischer Sprache, werden aber auch ins Deutsche übersetzt. Warum sich die Schmierfinken an der Moschee vergreifen, kann sich niemand im Verein so recht erklären. "Wir wollen nur unseren moslemischen Mitgliedern einen Gebetsstätte schaffen", sagt Gehrmann. Bis zu 100 Moslems kommen an hohen Feiertagen zum Gebet. Dann drängen sich die Gläubigen aus der gesamten Eifel in dichten Reihen im kleinen Gebetsraum.Mitglieder fürchten weitere Schmierereien

Seit einigen Wochen gibt es keine Übergriffe mehr auf das Gebäude, berichten die beiden Vereinsmitglieder. Dass die Serie von Sachbeschädigungen jedoch aufgehört haben soll, glauben Rekik und Gehrmann nicht. Täglich könnte es mit den Schmierereien wieder losgehen, ist sich Rekik sicher. Groß war beispielsweise die Angst vor der Nacht zum 1. Mai, wenn "lustiger" Schabernack getrieben wird und man Automobile mit Zahnpasta und Toilettenpapier-Rollen verziert. "Wir haben die Hexennacht hier in der Moschee verbracht, da wir davon ausgingen, dass wieder etwas passiert", sagt Ali Rekik. Bis morgens um vier saßen die Männer im Gebäude und warteten darauf, dass vor der Türe etwas geschieht. Doch es blieb ruhig. Das Anliegen des Vereins ist auch weiterhin, dass die Vereinsmoschee unversehrt bleibt. Aus diesem Grund sind sie auch an die Öffentlichkeit gegangen und haben auf die Vorfälle aufmerksam gemacht. "Wir passen zwar immer auf, aber wir können die Moschee ja nicht dauernd bewachen", sagt Ali Rekik.