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"Atmosphäre der Solidarität"

"Atmosphäre der Solidarität"

JÜNKERATH. Die breite Palette der Senioren-Politik, vom Ehrenamt, Gesundheit im Alter, Rente bis hin zu besonderen Wohnmodellen, hat Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) bei ihrem Besuch in Jünkerath angepackt. Ältere Bürger der Verbandsgemeinde Obere Kyll hatten viele Fragen an Ministerin.

Der Saal im Jünkerather Pfarrheim war proppevoll. Stühle wurden herangeschleppt und an den Seiten aufgestellt. Die Landtagsabgeordnete Astrid Schmitt (SPD) freute sich sichtlich und sagte aufmunternd in die Runde: "Wir werden das glatte Gegenteil davon beweisen, dass die Deutschen eine Gesellschaft der Pessimisten sind." Senioren würden gesünder, älter und stünden mitten im Leben. Ministerin Malu Dreyer ergänzte: "Die Älteren halten die Generationen zusammen. Sie sorgen sich um Kinder und Enkel und leisten pro Jahr über 3,5 Milliarden ehrenamtliche Stunden in Vereinen oder Organisationen." Im Land herrsche eine Atmosphäre der Solidarität. 80 Prozent der Pflegebedürftigen würden von Angehörigen gepflegt. Diese Aussage rief Antonia Roth aus Stadtkyll auf den Plan. Die couragierte 78-Jährige erklärte: "Ich bin allein stehend und würde gerne in eine Senioren-Wohngemeinschaft oder in betreutes Wohnen ziehen, aber hier in der Gegend ist nichts zu finden." Für die Aufnahme in allen hiesigen Seniorenheimen müsse sie pflegebedürftig sein. Für Ministerin Dreyer sind Senioren-WGs eine große Zukunftsaufgabe. Sie verspricht, dass die Landesregierung versuche, dieses Angebot auch in ländlichen Regionen voran zu treiben. Schmitt baut derweil auf die Unterstützung des Landrates Heinz Onnertz. Der sagte: "Es ist sicherlich nicht einfach. Viele leerstehende Häuser in den Ortsmitten sind in Privateigentum, und außerdem ist die Bereitschaft für Senioren-Wohngemeinschaften noch nicht sehr verbreitet. Der Landrat verspricht der 78-jährigen Roth sich konkret für sie einzusetzen. Karl-Heinz Köber brachte das Renten-Desaster auf den Tisch: "Wer 45 Jahre gearbeitet hat, kriegt gerade mal 1180 Euro Rente und soll dann auch noch immer mehr davon bezahlen." Dreyer zeigte Verständnis und sagte: "Da gibt es nichts zu beschönigen, die Rente ist in Schieflage geraten. Heute steigen die Arbeitnehmer später ins Berufsleben ein und früher wieder aus." Irgendwie müsse es geschafft werden, die Systeme funktional zu halten. Johannes Dreimüller, hinterfragte den Ärztestreik. Ministerin Dreyer erklärte den Unterschied zwischen den Forderungen der niedergelassenen Ärzten wegen Honorareinbußen, bei denen das Land nur in Richtung Bundespolitik moderieren könne, und den Krankenhausärzten wegen der Arbeitszeiten. "Teilweise sind die Forderungen bei den Arbeitszeiten nachvollziehbar. Das muss in allen Krankenhäusern, und nicht nur in einigen, ordentlich und zur Sicherheit der Patienten funktionieren."