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Barrierefreie Toiletten: Eifel entdeckt Euroschlüssel

Infrastruktur : Barrierefreie Toiletten: Eifel entdeckt Euroschlüssel

Schnell mal auf’s Klo: Das geht für behinderte Menschen oft nicht so einfach. Denn in den meisten Toilettenanlagen gibt es nur eine barrierefreie Einrichtung. Und die ist häufig verdreckt. Ein besonderer Schlüssel soll das Problem lösen.

Wer  kennt das nicht? Man ist unterwegs, sucht eine Toilette und findet keine. Oder, noch blöder, man findet eine und kann oder will nicht herein, weil der Lokus durch Vandalismus verschmutzt oder gar unbrauchbar geworden ist. Gut, dann sucht man sich eben ein neues, sauberes WC.

Lästig. Aber es kann noch viel schlimmer kommen, wenn man behindert ist. Denn dann  potenziert sich das Problem. Die Gründe: Es gibt viel weniger Toiletten, die auch barrierefrei sind. Und: Solche WCs sind im Vergleich häufiger von Vandalismus betroffen.

Was also tun? Das alles hinnehmen? Nein, findet Gerd Wanken, Behindertenbeauftrager im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Denn das Problem lässt sich lösen:  Es gibt Schlüssel, die auf mehr als 12 000 Schlösser barrierefreie Toiletten  in Europa passen.

Diese Euro-WC-Schlüssel hat der CBF (Club Behinderter und ihrer Freunde) Darmstadt vor 25 Jahren entwickelt. Sie werden zusammen mit einem Verzeichnis aller damit zugänglicher Toiletten unter dem Titel „Der Locus“ (aktuellste Ausgabe von 2017) nur an Menschen ausgegeben, die barrierefreie Klos nutzen dürfen. Doch dazu später mehr.

Zurück zu Gerd Wanken und seiner Idee, die nicht allein seine war.  „Eine Dame aus Waxweiler hat mich darauf gebracht. Sie hat mich gefragt, warum man diese Schlüssel nicht auch im Eifelkreis kaufen kann“, erzählt er.

Bis dato kannte Wanken dieses Schließsystem aber nicht. Er informierte sich, fand das Projekt gut und nahm die Kreisverwaltung, die Stadt Bitburg und die Tourist-Information Bitburger Land mit ins Boot.  Mit Erfolg. Nun können Berechtigte (siehe Info) die Euro-WC-Schlüssel  in der Tourist-Information Bitburger Land  kaufen. Für rund 23 Euro das Stück. Das Verzeichnis kostet rund acht Euro extra.

Der Kreis, der die Türöffner erworben hat, hat einige davon an die beiden Förderschulen in Bitburg, das Haus der Jugend und andere Einrichtungen weitergegeben. Im Fall, dass Gruppen unterwegs seien, haben sie so einen Schlüssel für Toiletten an Raststätten oder Bahnhöfen dabei.

In Prüm sind sie bei der MS-Selbsthilfegruppe zu erwerben. Annemie Nickels, Leiterin dieser Gruppe, verwaltet sie. „Ich kenne diese Schlüssel seit 30 Jahren und habe auch selbst einen. Besonders auf Reisen ist er sehr nützlich, da man ihn an vielen Raststätten benutzen kann“, sagt sie.

„Eine gute Sache für alle Beteiligten“, findet auch Jürgen Reuter, Mitarbeiter der Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Fachbereich Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Er betont, dass die Nachrüstung  eines Euro-Schließsystems nur rund 250 Euro kostet. Maria Arvanitis, Leiterin der Tourist-Information, bedankt sich für die Initiative. Das sei  „Service ab den Gästen“ und passe perfekt zum barrierefreien Angebot, das im Bereich der Modellregion Naturpark Südeifel derzeit forciert wird.  Und auch Landrat Joachim Streit und  Bürgermeister Joachim Kandels finden das Projekt vorbildlich.

Einen Haken gibt es aber: Im Eifelkreis gibt es derzeit nur wenige stille Örtchen, auf die der Schlüssel passt – in Bitburg laut CBF-Verzeichnis (2017) nur eine (im Cascade-Bad), in Prüm gar keine. Zwar verweist Bürgermeister Kandels darauf, dass es in den Verwaltungsgebäuden, im Haus Beda oder im Haus der Jugend sowie auf anderen Plätzen barrierefreie WCs gebe. Sie sind aber nur zu den jeweiligen Öffnungszeiten für Besucher zugänglich und  nicht mit dem Euro-Schloss ausgestattet.  Und die –  laut Angaben auf der Website der Tourist-Info  – beiden  öffentlich zugänglichen barrierefreien Toiletten an der Römermauer und an der Südschule haben diese Schlösser nicht.   Im Zuge der geplanten Umgestaltung dieses Bereichs verspricht Kandels aber, sich dafür einzusetzen, dass die dortige Behindertentoilette ebenfalls ein Euro-Schloss bekommt.

Und in Prüm? Das ist die Lage, was den Euro-Schlüssel angeht – wie bereits erwähnt  – noch schlechter.  Daher könnte man hier noch einige Klos mit dem Euro-Schließsystem ausstatten, findet Annemie Nickels. Zwar freut sie sich über das System „Die nette Toilette“, das Prüm gerade eingeführt hat und sieben barrierefreie Einrichtungen in Prüm beinhaltet. Allerdings seien diese nur zu den jeweiligen Öffnungszeiten zugänglich.

Gerade in der Innenstadt gebe es keine barrierenfreien WCs, die immer geöffnet seien.  Deshalb leisten sie und ihre Mitstreiter Überzeugungsarbeit in der Sache. Vielleicht ist diese bald von Erfolg gekrönt. Denn die Stadt erwägt, wie Stadtbürgermeister Reuschen im April bei  Einführung des Systems „Die nette Toilette“ sagte, die Einrichtung einer öffentlichen Toilettenanlage.

Ein Print- und Online-Verzeichnis aller barrierefreier  Klos für die Südeifel  fehlt ebenso noch, ist aber laut Indra Schaperdoth, Fachkraft für barrierefreien Tourismus beim Naturpark Südeifel, in Vorbereitung.  „Gemäß den Qualitätskriterien ,Reisen für Alle’ zertifizierte barrierefreie und während der Öffnungszeiten öffentlich zugängliche Toiletten finden sich in allen Tourist-Informationen“, schreibt sie.

Und Maria Arvanitis von der Tourist-Information weist darauf hin: „Auf unserer Internetseite haben wir die öffentlichen barrierefreien Toiletten aufgeführt. Wir werden aber die weiteren Toiletten in einer eigenen Kategorie (oder bei den entsprechenden Einträgen zu den Häusern) ergänzen.“

Barrierefreie Toiletten, die nicht verdreckt sind: Das soll der Euroschlüssel ermöglichen, der nur Berechtigten Zugang erlaubt.  Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec/Bernd Wüstneck

Welche Erfahrungen haben Sie als Nutzer  barrierefreier Toiletten in der Eifel gemacht? Schreiben Sie uns an
eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen).