Bewegung auf dem Neuerburger Marktplatz

Stadtentwicklung : Bewegung auf dem Neuerburger Marktplatz

Neues Bistro statt Café, Wohn- und Geschäftshaus statt Schandfleck. Es tut sich was im Herzen der Stadt an der Enz. Und ein weiteres Angebot steht in den Startlöchern.

Wer längere Zeit nicht mehr in Neuerburg war, wird staunen, wenn er auf den Marktplatz kommt. Dort hat sich an einigen Stellen etwas getan. Ins Auge fällt sofort der Abriss des Eckhauses an der Marktstraße 1. Das Haus mit dem Türmchen war seit 20 Jahren unbewohnt und schon zu einem richtigen Schandfleck verkommen.

Nun wird es aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Jedenfalls das, was noch davon übrig blieb. Der Treppenturm muss erhalten bleiben, so möchte es die Kreis-Denkmalpflege. Neue Besitzer sind das Ehepaar Dunja und Thomas Lux, die nebenan ein Sanitätshaus und eine orthopädische Schuhmacherei  betreiben. „Das Sanitätshaus wurde 1912 von meinem Großvater gegründet“, sagt Thomas Lux, der das Unternehmen zusammen mit seiner Frau in der dritten Generation fortführt. Und da sein Sohn weitermachen möchte, ist auch schon die vierte Generation mit im Boot.

Früher war in dem nun abgerissenen Haus ein Schreibwarengeschäft. Daneben gab es einen Lebensmittelladen mit Lottoannahmestelle. Später waren dort eine Reinigung und ein Bastelgeschäft untergebracht. Da ihr Sohn signalisiert hat, das Sanitätshaus fortzuführen, sei vor vier Jahren der Gedanke gereift, die beiden Häuser zu kaufen. Der Zustand sei allerdings katastrophal gewesen, sagt Thomas Lux. „Da wurde 20 Jahre nichts gemacht. Das Haus stand leer und war total zerfallen.“

Mit der Planung des Umbaus hat die Familie Lux dann vor zwei Jahren begonnen. Das Haus mit dem Treppenturm stammt aus dem 14. Jahrhundert. „Den Treppenturm können wir eigentlich gar nicht gebrauchen, aber das soll jetzt ein Blickfang werden“, sagt der Bauherr. Wenn die beiden Häuser saniert sind, wird im Erdgeschoss das Sanitätshaus einziehen mit Technikraum, zwei Maßräumen, Verkauf und Toilette. In der oberen Etage des einen Hauses entstehen zwei kleine Wohnungen mit je 65 Quadratmetern Fläche. Im Haus mit Turm plant Lux im Obergeschoss für seine Frau und sich eine Wohnung – sozusagen als Alterssitz.

Gut eine Million Euro kostet die Sanierung. Über das Städteförderungsprogramm „Ländliche Zentren – kleinere Städte und Gemeinden“, gibt es einen Zuschuss von 25 000 beziehungsweise für das andere Haus 19 000 Euro. Fertig werden soll der Umbau im Sommer 2020.

Geplant wird der Umbau vom Meckeler Architekten Rainer Roth. Dass der alte Treppenturm erhalten werden muss, sieht Roth positiv: „So kann man Geschichte erlebbar machen.“

Während das Haus am Marktplatz 1a erhalten wurde, musste das Nachbargebäude abgerissen werden. „Da waren zum Teil schon die Decken eingestürzt und Teile vom Dach“, sagt er. Dem Architekten gefällt an dem Projekt aber noch etwas ganz anderes: „Hier ist jemand, der zieht aus seinem Haus im Neubaugebiet aus und zurück in die Stadt.“ Für Roth ist das gegen den derzeitigen Trend und ein „großes Signal für die Neuerburger“.

Und noch ein weiterer drohender Leerstand ist wieder gefüllt: Bereits eröffnet ist das neue Bistro am Marktplatz. Dort, wo ehemals das Café Kyll war, hat der Niederländer Johan Dobbe ein neues gastronomisches Angebot geschaffen. Von innen ist alles neu. Das alte Mobiliar hat Dobbe entfernt und die Räume neu eingerichtet. In der oberen Etage gibt es 48 Plätze, unten 25. Auf der Terrasse können etwa 50 Gäste Platz nehmen. Diese Fläche möchte er gerne auch noch neu gestalten, wartet dafür allerdings noch auf die Genehmigung.

Der Niederländer wohnt selbst in Neuerburg. Zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn vermietet er schon seit einiger Zeit Ferienwohnungen wie zum Beispiel  den Steinshof in Muxerath und den Hasenhof in Neuerburg. Die alten landwirtschaftlichen Betriebe hat er zu großen, luxuriösen Ferienvillen umgebaut.

Nun ist also noch das Bistro dazugekommen. „Meine Gäste wollen gerne auch mal abends essen gehen oder frühstücken oder einen Kaffee trinken“, sagt Dobbe. Da das Angebot in der Umgebung nicht besonders groß ist, habe er sich überlegt, selbst etwas zu machen. „Eigentlich wollten wir nur ein kleines Bistro eröffnen, doch jetzt ist ein Vollbetrieb daraus geworden mit acht Vollzeitstellen“, sagt der Besitzer.

Die Öffnungszeiten im Sommer sind ambitioniert: montags und dienstags von 6 bis 22 Uhr, mittwochs bis samstags von 6 bis 24 Uhr und sonntags von 7.30 bis 22 Uhr. Vom Eis über Brot und warme Gerichte bis zum Cocktail ist alles zu haben.

20 Jahre stand das Haus leer, bevor es Thomas und Dunja Lux gekauft haben. An der Stelle soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen, wo im Erdgeschoss zukünftig das Sanitätshaus einziehen wird. Foto: Stefanie Glandien. Foto: TV/Stefanie Glandien
So soll das Wohn- und Geschäftshaus am Marktplatz mal aussehen, wenn es im Sommer 2020 fertig wird. Foto: TV/Stefanie Glandien
LUN_Perpsektive. Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Und schräg gegenüber, in unmittelbarer Nachbarschaft, ist noch ein Geschäft frisch renoviert. Dort sollte ein weiteres Angebot entstehen. Welches, steht noch nicht fest.

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