Bitburgs Grüne wollen Pläne für PFT-Lager nicht einfach schlucken

Nachdem die Bima ihre Ideen offengelegt hat : Bitburgs Grüne wollen Pläne für PFT-Lager nicht schlucken

Die Stadtratsfraktion hat einen Fragenkatalog aufgestellt und fordert, Experten zum Thema Bodenbelastung und Wasserethos zu hören. Eine weitere Frage ist derweil schon geklärt: Belasteter Boden aus Spangdahlem soll laut Bund nicht nach Bitburg verfrachtet werden.

Die Nachricht hat die Stadtratsfraktion der Grünen geschockt: Der Bund plant, in Bitburg ein Lager für mit Perfluorierten Tensiden, kurz PFT, belastete Böden zu bauen. Mit dieser krebserregenden Chemikalie ist die Erde auf dem Bitburger Flugplatz belastet. Wo genau das Lager geplant wird, hat die Bundesimmobilienanstalt (Bima) nicht preisgegeben. Es soll aber Platz für rund 80 000 Kubikmeter Boden bieten (der TV berichtete). Das entspricht etwa dem Volumen von 40 olympischen Schwimmbecken.

Für Bitburgs Grüne wirft das eine Reihe von Fragen auf. Schließlich befürchten Umweltschützer schon lange, dass PFT ins Grundwasser sickern könnte. Die Bima teilt diese Sorge nicht, da „wasserundurchlässige“ Abdeckungen ein Durchsickern der Chemikalien aus dem Lager ins Grundwasser verhindern sollen. Die Grünen beruhigt das nicht. Fraktionsvorsitzender Peter Berger fordert: „Das Prinzip ‚Aus den Augen, aus dem Sinn’ muss hier unbedingt vermieden werden.“

Für die Grünen steht fest: An diesem Thema kommt der Stadtrat nicht vorbei. Deshalb haben sie einen umfangreichen Fragenkatalog an die Verwaltung geschickt und erwarten in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 23. Mai, eine Antwort. „Wir wollen wissen, bis in welche Tiefen das Erdreich auf dem Flugplatz belastet ist“, sagt Berger. Die Frage, bis in welche Tiefen das belastete Erdreich abgetragen wird, schließt sich da für ihn an. Ebenso wie die Frage, wie diese Altlasten vor Missbrauch gesichert werden, und viele weitere.

„Es ist ein Problem“, sagt Berger, dass wir die Geologie vor Ort nur unzureichend kennen.“ Denn erst mit genauer Kenntnis, wo wie viel welcher Boden bis in welche Tiefen belastet sei, ließen sich „gezielte und effiziente“ Lösungen entwickeln. Und die dürften sich nicht auf ein Abtragen der Böden an der Oberfläche beschränken, sondern müssten auch den Untergrund berücksichtigen. „Schließlich befindet sich im Untergrund mit das Wichtigste, unser Grund- und Trinkwasser“, sagt Berger.

Damit sich der Stadtrat ein besseres Bild machen könne, beantragen die Grünen, Fachleute einzuladen, die ihre Kenntnisse in den nächsten Ratssitzungen vorstellen. Konkret schlägt die Fraktion das Institut Altenbockum und Partner aus Aachen, die Bodenkontaminationen gemäß Bundesbodenschutzgesetz erforschen und die Gefahrenlage bewerten, sowie Professor Dieter Gerten von der Humboldt Universität Berlin, Autor des Buches „Wasser – Knappheit, Klimawandel und Welternährung“, in dem Gerten ein „neues Wasserethos“ fordert.

Eine von vielen offenen Fragen rund um das PFT-Lager hat die Bima bereits beantwortet. So hatte der Binsfelder Landwirt und Umweltaktivist Günther Schneider sich nach Bekanntwerden der Pläne gefragt, ob der Bund auf dem Flugplatz Bitburg auch belasteten Boden aus dem Umfeld der Air Base Spangdahlem lagern möchte. Immerhin stünden dort, wegen der Verlegung einer Einheit aus dem britischen Mildenhall (der TV berichtete), große Umbauten an. Und irgendwo, so Schneider, müsse „der abgebaggerte Dreck ja hin“.

Dieser Vermutung widersprach die Bima nun. Auf TV-Anfrage, schreibt ein Pressesprecher: In dem geplanten Depot solle „ausschließlich Material vom Flugplatz Bitburg“ gelagert werden. In Spangdahlem stünden zwar, in der Tat, größere Bauarbeiten an, bei denen belastete Erde anfallen könnte. Nach Bitburg soll diese aber nicht verfrachtet werden. Was stattdessen damit passieren soll? Das lässt der Behördensprecher offen. Er schreibt nur soviel: Sie werde nach deutschem Recht behandelt.

Doch warum nicht das nahe Lager in Bitburg nutzen? Das habe rechtliche Gründe, erklärt der Bima-Mitarbeiter. Das Bundesbodenschutzgesetz erlaube es nämlich nur „innerhalb eines Sanierungsgebietes“, Material wieder einzubringen, wenn durch einen Sanierungsplan sichergestellt ist, dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird. Zusammengefasst darf Material vom Flugplatz Bitburg also nur auf dem Flugplatz Bitburg gelagert werden, Material von der Air Base Spangdahlem nur auf der Air Base Spangdahlem.

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