Unwetter: Der braunen Brühe folgt Aktion Blau

Unwetter : Der braunen Brühe folgt Aktion Blau

Die Hochwasser- und Starkregenereignisse des vergangenen Sommers haben vor allem im Bitburger Land viel Schaden angerichtet. Die VG hat inzwischen mit großen Renaturierungsmaßnahmen reagiert.

Angesichts dessen, was das Unwetter im vergangenen Juni in vielen Gemeinden des Eifelkreises an Zerstörung hinterlassen hat, fällt es schwer, der ganzen Sache auch etwas Gutes abzugewinnen. Zumal viele Betroffene noch immer mit den Schäden und vor allem mit den damit verbundenen Kosten zu kämpfen haben. Die schnelle und unbürokratische Hilfe, die unmittelbar nach dem Hochwasser und Starkregen vom Land versprochen worden ist, war am Ende nämlich doch nicht ganz so unbürokratisch wie angekündigt (der TV berichtete). Zumindest, was die Beseitigung der Schäden im privaten Bereich betrifft. Bei der Umsetzung öffentlicher Maßnahmen hingegen geht es ungewöhnlich schnell.

„Das ist absolut unbürokratisch und läuft meist auch auf dem kurzen Dienstweg“, lobt Rüdiger Otte, der für Gewässerprojekte zuständige Mitarbeiter der VG Bitburger Land, die Zusammenarbeit mit dem Land und der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord). Was auch daran liege, dass es sich um Maßnahmen handle, bei denen Gefahr im Verzug sei, erklärt er. So seien seit dem Hochwasser vor knapp einem Jahr bereits 1,2 Millionen Euro in Renaturierungsmaßnahmen, die letztlich auch der Prävention dienten, investiert worden.

In Biersdorf, wo aufgrund eines Rückstaus im Kannenbach unter anderem die Bäckerei des inzwischen geschlossenen Hotels Theis-Mühle komplett überflutet worden war, sind die (überwiegend privaten) Bausünden der Vergangenheit inzwischen beseitigt. Der Bachverlauf im Bereich des ehemaligen Hotels wurde komplett renaturiert, mit Natursteinen eine Böschung gebaut und insgesamt mehr Platz geschaffen.

Gleiches gilt auch für Dudeldorf, wo das Hochwasser ebenfalls extreme Schäden hinterlassen hatte. „Dort haben wir unterhalb des unteren Tors den gesamten Uferbereich erneuert und auch alte Betonstützen entfernt“, sagt Otte.

Und das dritte Großprojekt sei Ehlenz, wo man derzeit ebenfalls kurz vor dem Abschluss stehe. Wie der Mitarbeiter der VG-Verwaltung erklärt, seien dort an einem Nebenfluss des Ehlenzbachs der Uferbereich naturnah erweitert, alte Durchlässe beseitigt und Fichten entfernt worden.

Das Erfreuliche für die VG ist, dass es sich bei diesen drei Projekten in Biersdorf, Dudeldorf und Ehlenz nicht nur um Maßnahmen zur Schadensbeseitigung und Prävention handelt, sondern aufgrund der damit einhergehenden Renaturierung auch um Projekte, die im Rahmen der Aktion Blau und Aktion Blau plus des Landes mit 50 bis 90 Prozent gefördert werden. „Wir konnten damit mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagt Otte.

Darüber hinaus habe es in den vergangenen elf Monaten aber auch noch viele kleinere Maßnahmen im Bitburger Land gegeben, wie beispielsweise in Oberweis, Gransdorf, Pickließem und Wilsecker oder aber in Mülbach.

„Dort ist ein altes Wehr so stark unterspült worden, dass es danach komplett verschwunden war“, erklärt Otte. In Kyllburg, wo es aufgrund des Starkregens zu einem Hangrutsch kam, sei umgehend mit einer provisorischen Maßnahme reagiert worden, ergänzt VG-Bürgermeister Josef Junk. Dort würden nun auf Grundlage eines Gutachtens Maßnahmenvorschläge für eine dauerhafte Lösung erarbeitet, so Junk.

Ein weiteres Projekt, das als nächstes ansteht, ist die Renaturierung des Ehlenzbachs in der Ortslage Ließem. Auch dort hatte sich das unscheinbare Gewässer innerhalb weniger Stunden zu einem reißenden Fluss entwickelt und einen Großteil des Dorfs überflutet. Rund 700 000 Euro, die zu 90 Prozent über die Aktion Blau plus abgedeckt werden, sollen dort laut Otte in die Umgestaltung des Bachverlaufs in der gesamten Ortslage investiert werden.

„Das wird ein tolles Projekt, weil nicht nur die Gemeinde, sondern auch alle Anlieger mitspielen“, sagt der Mitarbeiter der VG-Verwaltung.

Dass Projekte im Rahmen der Aktion Blau plus nicht immer auf Begeisterung stoßen, wissen Otte und Junk nicht zuletzt aufgrund der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Renaturierung des Kannenbachabschnitts am Biersdorfer Stauseeufer.

Dort wurden weit mehr als eine Million Euro in die Freilegung des 100 Meter langen Bachabschnitts sowie die Errichtung eines Wasserspielplatzes, einer Fußgängerbrücke und eines Podests errichtet. Im Vorfeld dieser Maßnahme gab es vor allem in Biersdorf viel Kritik, weil man dort das Geld lieber in die Sanierung innerörtlicher Straßen investiert hätte. Es sei nicht immer einfach, den Bürgern zu vermitteln, dass das Geld für Projekte im Rahmen der Aktion Blau plus und das für Straßenbau aus völlig unterschiedlichen Töpfen komme, meint dazu Junk.

Eigentlich war vergangenes Jahr zum Abschluss der Arbeiten am Stauseeufer eine kleine Einweihungs- und Eröffnungsfeier geplant. Doch genau einen Tag vor dem geplanten Fest kam das erste Hochwasser mit der Prüm, wenige Tage später dann die Überschwemmung des Kannenbachs. Der neue Wasserspielplatz wurde dabei arg in Mitleidenschaft gezogen, die Spielgeräte zum Teil zerstört, weshalb nun der Planer mit der Überarbeitung der Anlage beauftragt wurde. „Wir haben durch die beiden Hochwasser festgestellt, dass wir da noch etwas ändern müssen“, sagt Otte. Dass so etwas in einem solchen Ausmaß passieren könne, damit habe einfach keiner gerechnet.

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