Der Eifel-Reineke wird immer frecher

Der Eifel-Reineke wird immer frecher

In den vergangenen Monaten hat sich, so empfinden es viele Bürger, die Zahl der Fuchs-Sichtungen anscheinend erhöht. Auch und gerade im Prümer Land und der Eifel. Aber was steckt wirklich dahinter? Der TV fragte die Fachleute.

Neuenstein/Prüm. Da, wieder einer: Autofahrt auf der Eifelstrecke von Ormont über Neuenstein hinüber nach Neuendorf - und rechts auf einer Wiese, keine drei Meter vom Straßenrand weg, spaziert ein Fuchs. So nah, als wolle er mal kurz ein "Hallo" rüberbellen.
Gebremst, zurückgesetzt, um ein Foto zu machen. Was aber macht Herr Reineke? Er macht\'s wie bei Goethe, der ihm ja auch schon den Gebrauch von "allerlei Listen" vorwirft: Trabt in deutlich demonstrierter Lässigkeit waldwärts. Als wisse er genau, dass der Fotograf viel zu lange brauchen wird, um rechtzeitig die Kamera in Anschlag zu bekommen. Erst kurz bevor er im Gehölz abtaucht, macht es klick. Viel zu weit weg für ein spannendes Foto. Es taugt höchstens als Suchbild: Wo ist der Fuchs?
Tja. Wo ist er? In letzter Zeit, könnte man meinen, war er überall. Denn die Sichtung vom Dienstag ist nur eine unter vielen in der Eifel. Vielleicht fällt das im Moment nicht so auf, weil ja alle vom Wolf reden: Kommt er, kommt er nicht, wird er uns alle beißen und reißen?
Die Angst vor marodierenden Rudeln geht um, gepaart mit der Faszination des märchenhaft Bösen. Der Wolf, obwohl noch gar nicht da, ist der Star, direkt dahinter kommt der Luchs. Dann vielleicht noch die Wildkatze. Aber noch lange nicht der Fuchs. Dabei ist das doch auch ein wunderschönes Tier, wie übrigens auch Hase, Reh und Dachs und Sau.
Bei den Eifeler Rotfüchsen jedenfalls hat man den Eindruck, sie wollten etwas für ihre Popularität tun und ließen sich deshalb einfach ein bisschen öfter blicken als früher: Schaut her, Leute, uns gibt\'s auch noch! Aber sind sie auch wirklich mehr geworden? Und dreister?
Oder haben die gar alle die Tollwut? Nein, sagt Ulf Hohmann, Wildbiologe bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz in Trippstadt.
Tollwut praktisch ausgerottet



Die Krankheit, früher eine der Haupt-Todesursachen für den Fuchs, gebe es in Deutschland praktisch nicht mehr, nachdem sie seit den 1980er Jahren durch Impfungen erfolgreich bekämpft worden sei - während man noch in den 60ern erheblich radikaler vorgegangen war: Man sprühte Giftgas in die Bauten - und hätte damit beinah auch den Dachs ausgerottet. Sorge bereite da eher der Fuchsbandwurm (siehe Extra).
Tatsächlich sind die Füchse auch nicht mehr geworden - die Population habe sich vor einigen Jahren einfach auf einem hohen Niveau eingependelt, sagt Hohmann. Allerdings gehöre der Fuchs, wie auch die Krähen, zu den klugen und anpassungsfähigen Arten. Und daher rücke er immer näher an den Menschen heran, zumal er nicht mehr damit rechnen müsse, sofort erschossen zu werden. Das sei auch ein Grund dafür, dass man immer mehr Wild an Straßenrändern sehe: "Weil sie genau wissen: Das hier ist der sicherste Platz der Welt. Hier kann uns keiner schießen." Da sei das Risiko, dem Verkehr zum Opfer zu fallen, deutlich höher.
Auch Ulf Hohmann beobachtet immer wieder Füchse, "die auf der Wiese mauseln". Und damit sind wir bei einem weiteren Grund dafür, dass man sie dort so oft sieht: Wenn es ein gutes Mäusejahr gibt, freuen sich nicht nur Bussard, Falke, Kauz und Schleiereule. Sondern auch die Füchse. Und das könne ebenfalls "zu einer gefühlten Massenvermehrung führen. Aber im nächsten Jahr kann das schon wieder ganz anders aussehen."
"Auch im Stadtgebiet von Prüm hat sich die Fuchspopulation in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet", sagt Forstamtsleiter Peter Wind. "Die Füchse streunen in den Gärten herum und machen sich gerne auch mal über die gelben Säcke her, wohl in der Hoffnung, noch irgend etwas Nahrhaftes zu finden. "Und viele Bürger wollten deshalb wissen, wie mit den Füchsen zu verfahren sei. Antwort von Ulf Hohmann: Viel könne man nicht tun. Schießen geht nicht, vergiften geht nicht - "man muss sich mit ihnen arrangieren". Und vielleicht die Müllsäcke ein bisschen fester zubinden, damit sie schwerer an Fressbares kommen.
In ihren Bauten aber wird es bald Nachwuchs geben. Die Ranzzeit ist gerade vorbei, die Fähen werden bis April gebären, pardon, "wölfen" heißt das. Aber den Wolf wollten wir ja hier nicht mehr erwähnen.Extra

Ein Rotfuchs auf der Pirsch. Foto: dpa.

"Gerade wenn in den Gärten Salat oder Gemüse angebaut werden, kommt die Frage nach der Gefährlichkeit des Fuchsbandwurms", sagt Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm. Die Krankheit kann, sofern nicht rechtzeitig entdeckt, zu schweren Organschäden führen. So besteht die Möglichkeit, dass die Eier des Bandwurms, die sich im Fuchskot befinden, über das Gemüse aufgenommen werden: "Hygiene hilft in vielen Fällen", sagt im TV-Gespräch der Experte Christoph Janko, der sich bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising mit dem Thema befasst. Sein Rat: "Hände waschen, vor allem nach der Gartenarbeit, da Füchse mittlerweile fest in Kleinstädten und Dörfern leben. Nahrungsmittel vor dem Verzehr gründlich waschen", zumal die Eier des Bandwurms für das Auge nicht zu erkennen seien. Erhitzen auf mehr als 60 Grad helfe ebenfalls, "aber nicht einfrieren in handelsüblichen Gefriertruhen. Eier sind sehr kältetolerant und werden erst bei minus 80 Grad abgetötet." Wer einen Hund besitze, solle diesen alle drei bis fünf Monate entwurmen, "da der Hund Bandwurmträger sein kann". Wer viel in der Natur arbeitet, sollte sich ebenfalls anschließend sorgfältig waschen. Dennoch: "Die Angst vor der Krankheit ist völlig übertrieben", sagt Peter Wind. Behauptungen, man könne die Eier des Bandwurms, obwohl schwebend leicht, über die Luft einatmen, seien eher als unrealistisch einzustufen. Diese Gefahr gilt vorrangig bei Menschen, die bei der Arbeit zum Beispiel auf Feld und Wiese im Mähen Staub aufwirbeln. Noch ein Hinweis von Christoph Janko: "Die angeblich große Gefahr durch Waldbeeren, die immer noch in den Köpfen der Bürger umherspukt, gehört ins Reich der Mythen und ist definitiv falsch." fpl

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