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"Die Kühe sind verrückt danach" - Niehler Landwirt baut wieder die beinahe aus der Eifel verschwundene Futterrübe an

"Die Kühe sind verrückt danach" - Niehler Landwirt baut wieder die beinahe aus der Eifel verschwundene Futterrübe an

Weniger Pestizide auf dem Acker, gesündere Kühe und mehr Milch: Der Niehler Landwirt Günther Nosbüsch erhofft sich einiges vom Anbau der Futterrübe. Jahrzehnte lang hat der Mais die alte Futterpflanze nun schon von den Eifeläckern verdrängt. Doch mithilfe einer neuen Hightech-Erntemaschine, sagt der Landwirt, sei der Rübenanbau wieder lukrativ.

Ferschweiler/Niehl. 9.30 Uhr auf Günther Nosbüschs Acker nahe Ferschweiler in der Südeifel: Ein gelbes Ungetüm, so groß wie ein Sattelzug, bahnt sich mit ohrenbetäubendem Lärm seinen Weg durch die Flur. Wo es fährt, wächst keine Rübe mehr. Und das ist gut so. Denn der Niehler Landwirt setzt hohe Erwartungen in den 500 000 Euro teuren Rübenvollernter "Ropa".

Die Hightech-Landmaschine ist Eigentum des luxemburgischen Lohnunternehmers Jeff Reiff, der Nosbüschs drei Hektar großen Acker für 1900 Euro aberntet. Nosbüsch: "Diese moderne Maschine macht den Anbau der Gehaltsrübe wieder lukrativ." Das Fahrzeug ernte sechs Pflanzreihen gleichzeitig, erklärt Nosbüsch. Ältere Modelle würden bloß zwei Reihen schaffen, was viel länger dauere.

Auf seinem drei Hektar großen Experimentierfeld hat der Niehler Landwirt nun zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder Futterrüben angepflanzt. "Früher hatte jeder zweite Eifel-Landwirt Rüben", sagt Nosbüsch. Doch ihr Anbau sei sehr arbeitsintensiv gewesen, weshalb sie vom Mais als dem kostengünstigeren Futtermittel völlig verdrängt worden sei.
Doch mit der neuen Erntetechnik, meint Nosbüsch, stehe der Rückkehr der Rübe auf die Felder der Eifel nichts mehr im Weg. "Die Maschine arbeitet flott und vor allem auch bodenschonend, weil ihr Hinterteil zur Vorderachse versetzt fährt - die läuft wie ein Hund."

Die Hightechmaschine erntet innerhalb von zehn Minuten 20 Tonnen Rüben und fährt vollautomatisch mit Satellitennavigation übers Feld. "Der Mann in der Fahrerkabine hat nichts mehr zu tun, außer die Ernte zu überwachen." Doch wie das Gerät die Rüben aus dem Boden holt, ist nicht so leicht zu verstehen. Nosbüsch: "Es schaufelt, pflügt und rüttelt die schweren Feldfrüchte aus der Erde." Über ein Förderband landen die Rüben im Laderaum am Heck der Maschine, der 20 Tonnen fasst. Alle zehn Minuten entleert sich der Vollernter in einen Anhänger am Feldrand.Weniger Pflanzenschutzmittel


Nach knapp vier Stunden hat der Vollernter alle Rüben, 250 Tonnen, aus dem Acker geholt. Nosbüsch: "Damit bin ich sehr zufrieden."

Insbesondere seinen 60 Milchkühen sollen die orange-roten Riesenrüben schmecken. Nosbüsch: "Die sind für die Gesundheit der Tiere viel besser als der Mais, sagt mein Tierarzt." Auch die Fruchtbarkeit der Rinder solle die Rübe verbessern. "Das ist wie Obst: Da stecken mehr Vitamine und Mineralien drin als im Mais." Der Landwirt erhofft sich von der Fütterung der Rüben noch mehr. "Bei derzeit 27 bis 28 Litern Milch pro Kuh am Tag will ich damit bis zu 30 Liter erreichen - das müsste drin sein." Denn neben etwa 30 Kilo Maissilage solle jede Kuh nun zusätzlich noch etwa 15 Kilo Futterrüben täglich verputzen. "Die Kühe sind verrückt danach. Die fressen sie zusätzlich - wie Leckerli." Doch damit nicht genug der Vorteile, die Nosbüsch in der Rübe als Futtermittel sieht. "Auch beim Spritzmittel spart man im Gegensatz zum Mais, den ich mit einer wesentlich höheren Konzentration behandeln muss, Geld." Das habe natürlich auch noch einen positiven Effekt auf die Umwelt, sagt Nosbüsch.
Mit dem Anbau der Rübe hat er seine Maisfelder von vorher 15 auf nunmehr zehn Hektar verkleinert. 2016 will er sein Rübenfeld auf sechs Hektar vergrößern. Die Ernte lagert er auf seinem Hof unter Flies ein. "Rüben dürfen nicht frieren." Vor der Fütterung werden die Feldfrüchte von einer Häckselmaschine zerkleinert.

Doch steht der Futterrübe dank moderner Landtechnik wirklich eine Renaissance bevor? Der TV hat Josef Margraff, Futtermittelberater für Milchbauern vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Bitburg nach seiner Meinung gefragt. "Ich bin da skeptisch", sagt Margraff. "Die Rübe bleibt nach wie vor komplizierter als der Mais.

Vor dem Füttern muss man sie kleinhäckseln." Zudem bestehe eine Rübe zu 84 Prozent aus Wasser. Margraff: "Man fährt bei der Ernte also quasi nur große Mengen Wasser durch die Gegend." Doch die Rübe sei ein hervorragendes Futtermittel, sagt der Experte. Margraff: "Der technische Nachteil, den der Anbau der Rübe bisher gegenüber dem Mais hatte, verringert sich schon."Extra

 Der Niehler Landwirt Günther Nosbüsch (50) ist mit dem Ergebnis seines Experiments, dem Anbau der Futterrübe, sehr zufrieden. Er schwört auf den neuen Vollernter eines luxemburgischen Lohnunternehmers, den er sich für die Ernte aufs Feld geholt hat. TV-Fotos (4): Christian Moeris
Der Niehler Landwirt Günther Nosbüsch (50) ist mit dem Ergebnis seines Experiments, dem Anbau der Futterrübe, sehr zufrieden. Er schwört auf den neuen Vollernter eines luxemburgischen Lohnunternehmers, den er sich für die Ernte aufs Feld geholt hat. TV-Fotos (4): Christian Moeris Foto: (e_bit )
"Die Kühe sind verrückt danach" - Niehler Landwirt baut wieder die beinahe aus der Eifel verschwundene Futterrübe an
Foto: (e_bit )
 Um den Boden zu schonen, fährt der Vollernter mit versetzter Hinter- und Vorderachse übers Rübenfeld.
Um den Boden zu schonen, fährt der Vollernter mit versetzter Hinter- und Vorderachse übers Rübenfeld. Foto: (e_bit )

12 355 Hektar Mais wurden 2014 im Eifelkreis angebaut. Demgegenüber ist die Anbaufläche der Rübe so gering, dass sie statistisch nicht mal erfasst ist. Der Lohnunternehmer Reiff schätzt sie auf maximal 180 Hektar. cmo