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Ein Mann geht von der Kette

Ein Mann geht von der Kette

Von heute an ist er nicht mehr Chef: Gerhard Eder hat den Posten im Magnesium-Druckgusswerk Weinsheim an Hartmut Fischer übergeben. Mit dem TV sprach er über die vergangenen 20 Jahre in der Eifel.

Weinsheim. Das Schöne an Gesprächen mit Gerhard Eder ist ihre zeitsparende Zielgerichtetheit: Der 68-Jährige versteht es, auf den Punkt zu kommen. Zum Beispiel bei der Frage, was er seinem Nachfolger mit auf den Weg geben möchte. Antwort: "Nix." Oder ob er und seine Frau Birgit es je bereut haben, in die Eifel gekommen zu sein: "Nö."
Aber er sagt dann natürlich doch noch etwas mehr: "Wir sind vom ersten Tag an hier in der Eifel sehr freundschaftlich aufgenommen worden." Die Menschen seien "grundehrlich" und, was seinem eigenen Naturell sehr entgegenkomme, "gerade heraus".
Das ist natürlich gut, denn die meisten der 630 Mitarbeiter im Weinsheimer Werk kommen aus der Region. Und wenn man einmal irgendwo angeeckt sei, "dann wurde das ausgeputzt und war erledigt." Als Chef könne man eben nicht immer auf Heile Welt machen, da müsse man zwischendurch Tacheles reden - aber nie sei etwas hängen geblieben.
Anecken? Fragen wir mal beim Betriebsrat nach: "Klar gibt's Meinungsverschiedenheiten", sagt der stellvertretende Vorsitzende Werner Hilgers. "Aber die hat man immer aus der Welt gekriegt." Auch wenn es um Verhandlungen ging: "Die sind immer zur beiderseitigen Zufriedenheit abgeschlossen worden", sagt Hilgers. Und dann sagt er noch etwas: "Herr Eder ist eine absolute Respektsperson. Und er respektiert seine Leute." Negatives? "Da müsste ich etwas sagen, das nicht stimmt."Seit 51 Jahren berufstätig


So kann man doch in den Ruhestand gehen. Angefangen hat die berufliche Laufbahn für Eder, der im Mai 1947 im bayrischen Fürth geboren wurde, in Hamburg: Sein Vater, der für M.A.N. arbeitete, sei damals in die Hansestadt versetzt worden, wo er Schiffsdieselmotoren baute. Und auch der Sohn kam ins Unternehmen: "Ich hab eine anständige Lehre als Maschinenschlosser gemacht."
Am 1. April 1964 habe er begonnen, "und seitdem bin ich berufstätig". Das war er später auch für eine Aluminiumfirma in Mayen und bei Thyssen, am Standort Hildesheim, "wo es unter anderem ums Schmieden und Gießen ging". Die "Thyssen Guss Aluminiumtechnik" hat Eder mitbegründet.
"Und am 1. Oktober 1994 bin ich dann zu Stihl gekommen." In einer Phase, die nicht gerade leicht gewesen sei: Das Werk habe damals neue Aufträge gebraucht, weil man viel "an das Material Kunststoff" verloren habe. "Das war nicht so ganz einfach", sagt Eder. Aber man schaffte es: "Durch technologische Weiterentwicklung und intensive Kundenbetreuung." Er und seine Mitarbeiter seien viel unterwegs gewesen in jenen Jahren, man habe sich neue Märkte gesucht, Ideen entwickelt - und heute sei Weinsheim zu einem der größten Magnesium-Druckgusswerke in Europa herangewachsen.
Da brauchte es auch Investitionen: In den gut zwei Jahrezehnten seien bestimmt 130 Millionen Euro ins Eifeler Werk gesteckt worden, sagt Eder. Nicht als Almosen von der Stihl-Zentrale in Waiblingen, nein: "Das Geld ist vorher verdient worden."
Bevor aber der Gedanke aufkommt, er hefte sich das allein ans Revers, kommt ein weiterer Eder-Satz: "Die Produktion steht und fällt mit dem Wissen und Können der Leute." Und dazu sei das richtige Betriebsklima wichtig: "Damit die Menschen auch motiviert an die Arbeit gehen. Da lege ich großen Wert drauf."
Wie auch auf eine gute Ausbildung: Bisher hat man in Weinsheim 530 jungen Leuten eine Lehre geboten, viele von ihnen, wie auch die jüngsten Absolventen, blieben im Werk.
Und jetzt ist Feierabend. Pläne? "Ja, natürlich. Ich bin in meinem Berufsleben sehr viel gereist und habe verhältnismäßig wenig gesehen. Ich möchte gerne weniger reisen, dafür aber viel sehen." Darunter die Ostseeküste der ehemaligen DDR, Städte, vor allem in Deutschland und Europa.
Den Zweitwohnsitz in der Eifel werden die Eders aufgeben und wieder ganz im Taunus leben.
Was aber nicht heißt, dass sie ganz verschwinden: Die Verbundenheit bleibe. "Und bei Rentner- und Jubiläumsfeiern" werde man sich gewiss wiedersehen, sagt Gerhard Eder. "Alles Ehrensache."Extra

Das Stihl-Werk in Weinsheim, 1971 gegründet, ist der einzige Standort des Unternehmens, der auch für externe Kundschaft entwickelt und produziert - unter anderem Bauteile für die Auto- und Elektroindustrie. Sie machen ein Fünftel des Umsatzes in Weinsheim aus. 2014 erwirtschafteten die 630 Mitarbeiter alles in allem 110 Millionen Euro Umsatz. Jüngster Markt für die Weinsheimer: Elektrofahrräder. In Weinsheim werden dafür die Motorengehäuse gegossen. fpl