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Neues Notquartier für 600 Menschen

Neues Notquartier für 600 Menschen

Die Zeltstadt auf dem Flugplatz sollte eigentlich im Herbst abgebaut werden, wenn die beiden Wohnblocks bezugsfertig sind. Doch das Notquartier wird weiter gebraucht, die Verträge wurden bis Ende des Jahres verlängert. Dennoch reicht der Platz nicht. Deshalb sollen nun bis zu 600 Menschen in einem Hangar ein Dach über dem Kopf bekommen.

Bitburg. Direkt an der Landebahn steht die ehemalige Flugzeughalle der Amerikaner. Bis vergangenen Samstag haben darin auch noch Flugzeuge gestanden. Dann kam die Alarmmeldung. Wegen des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen herrscht in den Aufnahmeeinrichtungen bundesweit Ausnahmezustand. Das gilt auch für Trier, wo hinten und vorne kein Platz mehr ist. "Wir müssen die Kapazitäten aufstocken", sagt Eveline Dziendziol, Sprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Da in Bitburg wegen der Zeltstadt, in der derzeit 550 Menschen untergebracht sind, und der beiden Blocks, in die inzwischen die ersten 250 Flüchtlinge eingezogen sind, bereits Versorgungs- und Betreuungsstrukturen aufgebaut sind, ging die Alarmmeldung aus Mainz auch an Bitburg.
Der Hangar wurde geprüft, zusätzliche Fluchtwege und -Türen auf die Schnelle eingebaut, Wasser- und Stromversorgung sichergestellt, eine Zeltheizung angeschlossen, Toilettenwagen aufgebaut: Bis in den frühen Morgen um 4 Uhr haben 60 Bundeswehrsoldaten aus Gerolstein sowie 60 DRK- und THW-Helfer alles daran gesetzt, die so genannte Alarmunterkunft fertigzubekommen. Gestern ging es an den Feinschliff. Rotkreuzler haben Kissen und Decken auf die 300 Feldbetten verteilt. Zahnbürsten und Hygieneartikel aus Kartons gepackt und bereitgelegt.Die Ersten ziehen schon ein


Es ist ein absolutes Notquartier. Eins, das den Menschen, die dort Unterschlupf finden, gerade mal ein Dach über dem Kopf bietet. "Die Menschen sind hier sicher. Es gibt Betten und Mahlzeiten und sie müssen nicht frieren", sagt Rainer Hoffmann, Leiter des DRK-Kreisverbands Bitburg-Prüm. Er weiß, dass die neue Notunterkunft gerade mal das Allernötigste bietet. Wenn die Not wirklich groß ist. Und das ist sie offenbar. Denn die ersten 270 Flüchtlinge sollen bereits in der Nacht auf den heutigen Freitag in dem Hangar untergebracht werden. Nach Plan der ADD sollen sie nicht länger als maximal 48 Stunden dort bleiben, bevor sie auf reguläre Aufnahmeeinrichtungen verteilt werden. "Es ist eine Art Überlauf-Ventil, falls wir absolut nicht mehr wissen, wohin mit den Menschen", sagt ADD-Sprecherin Dziendziol.
300 Feldbetten stehen dort. Sobald wieder doppelstöckige Feldbetten lieferbar sind, soll der Hangar weiter aufgestockt werden und dann Platz für 600 Menschen bieten. 32 Waschbecken wurden dort provisorisch angeschlossen, mit Trennwänden ein Männer- von einem Damenbereich abgegrenzt. Draußen stehen Wägen mit insgesamt 30 Toiletten. Auf eine Raumtemperatur von 20 bis 22 Grad lässt sich der Hangar dank der riesigen Zeltheizung wärmen. Es ist besser, als draußen zu frieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Das DRK betreut inzwischen Flüchtlinge an drei Standorten auf dem Flugplatz - in der Zeltstadt, den beiden Wohnblocks und im Hangar. "Eine Herausforderung", sagt DRK-Chef Hoffmann: "Ich bin unendlich gerührt vom Einsatz unserer Leute, den vielen Helfern und der ungebrochenen Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung."
Mit fünf Hauptamtlichen und 20 Ehrenamtlichen ist das DRK im Juli gestartet, als die ersten 250 Flüchtlinge in die Zeltstadt gezogen sind. Inzwischen arbeitet der Verband mit 45 Hauptamtlichen und bis zu 300 ehrenamtlichen Helfern, die sich in der Kleiderausgabe, bei der Vermittlung von Deutschkenntnissen, in der Spielstube, beim Freizeitangebot oder als Ansprechpartner in der Nacht engagieren. Ohne sie wäre es nicht möglich, in Bitburg über den Winter bis zu 1800 Flüchtlinge zu betreuen.
Weitere Fotos von der neuen Notunterkunft im Internet unter www.volksfreund.de/bitburgExtra

Joachim Kandels: "Die Stadt ist sich ihrer Verantwortung bewusst, in der aktuell nicht einfachen Gesamtsituation des großen Flüchtlingsstroms, ihren Beitrag zu leisten. Mit der jüngsten Erweiterung der Kapazitäten ist jedoch das Maß an Verträglichkeit und Leistbarkeit für Bitburg erreicht. Der Stadtrat heißt die Flüchtlinge willkommen. Sie brauchen Schutz und Hilfe. Wir unterstützen und begrüßen das große Engagement der Verbände, Kirchen, Vereine und der vielen Ehrenamtlichen und hoffen auf Unterstützung von Bund und Land, um die angemessene Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge zu gewährleisten." scho