Gedenktafeln vom Bitburger Ehrenfriedhof sollen nicht ersetzt werden

Zwei Jahre nach Diebstahl von Gedenkstafeln : Gefallen und vergessen? – Gestohlene Gedenktafeln vom Bitburger Ehrenfriedhof sollen nicht ersetzt werden

Vor zwei Jahren haben Diebe zwei Gedenktafeln vom Bitburger Ehrenfriedhof Kolmeshöh gestohlen. Ersetzt wurden sie nie. Und die Stadt hat das auch nicht mehr vor. Ein Kommunalpolitiker will das Thema am Mittwoch in den Stadtrat tragen.

Am Morgen des 3. April 2017 macht die Bitburger Friedhofswärterin eine Entdeckung. Oder besser: Sie macht keine Entdeckung. Denn das, was sie bei ihrem Rundgang zu sehen erwartet, ist nicht mehr da. Links und rechts neben dem Turm auf dem Ehrenfriedhof Kolmeshöh flattert Folie. Genau dort, wo zuvor zwei Bronzeplatten lagen. Schnell wird klar: Die Gedenktafeln wurden gestohlen.

Die Polizei sucht monatelang nach den Dieben, auch im rechten Milieu. Denn auf den Tafeln waren die Namen von Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg eingraviert, von Soldaten also, die in der Neonazi-Szene als Helden gefeiert werden. Möglich ist aber auch, dass jemand die Bronzen eingeschmolzen hat.

Die Platten sind weg und werden auch nicht ersetzt. Der Platz neben dem Turm bleibt leer. Foto: TV/Christian Altmayer

Erfahren werden wir das wohl nie. Denn die Ermittlung läuft ins Leere. Die Spur der Platten wird kalt. Und die Polizei legt den Fall zu den Akten.

Fast zwei Jahre ist das her. Doch noch immer sind die Plätze neben dem Turm leer. Das ärgert Kommunalpolitiker und Hobby-Historiker Stephan Garçon (SPD). Immerhin habe der gesamte Stadtrat sich einst dafür ausgesprochen, die Tafeln zu ersetzen (der TV berichtete).Garçon wundert sich daher, warum die Verwaltung noch immer keine neuen Gedenksteine besorgt hat. In einer Anfrage ans Rathaus schreibt er: „Wir blicken in diesen Zeiten oft nur nach Vorne, sollten aber auch immer wieder daran denken, wie unsere Eltern und Großeltern gelebt und zum Teil sehr gelitten haben.“ Er bittet die Verwaltung daher um Stellungnahme in der Stadtratssitzung am Mittwoch, 17. April.

Dem TV antwortet Stadtsprecher Werner Krämer auf Anfrage schon früher. Er schreibt: „Die Tafeln werden nicht ersetzt.“ Der Grund: Man habe zwar rekonstruieren können, wie die Platten aussahen und welche Namen drauf standen. Nicht aber, warum der Menschen gedacht werden sollte. „Hierzu konnte weder unser Stadtarchivar Dr. Neu, noch der Arbeitskreis Gedenken oder weitere befragte  Geschichtskenner eine Aussage treffen“, sagt Krämer.

Garçon überzeugt die Antwort nicht. „Ich werde das nicht hinnehmen“, kündigt er an. Für ihn blieben viele Fragen offen, die er in der Stadtratssitzung stellen will. Zum Beispiel diese: Stehen die Namen der Soldaten von der Tafel auch auf Gräbern im Rasenfeld – wurden sie also doppelt geehrt? Und wenn nicht: Werden die Gefallenen dann neue Ruhestätten bekommen? „Wir können diese Namen nicht einfach löschen“, findet der Sozialdemokrat: „Wir dürfen uns nicht entscheiden, sie für immer zu vergessen.“

Vergessen, oder zumindest vernachlässigt, hätten die städtischen Mitarbeiter wohl auch die Pflege des Ehrenfriedhofs, meint Garçon: „Die Anlage hätte einen Frühjahrsputz nötig.“ Tatsächlich liegen auf den Gräbern einige Äste verstreut. Der Rasen ist vermoost. Außerdem, sagt der SPD-Politiker, habe der Boden starke Wellen bekommen, „sodass die Grabreihen alles andere als geordnet aussehen“.

Darum werde sich bald gekümmert, verspricht Werner Krämer: „Zurzeit werden zahlreiche Grabplatten ausgetauscht, und in diesem Zusammenhang wird dann auch der an verschiedenen Stellen vermooste Rasen erneuert.“ Insgesamt werde das Gelände regelmäßig gepflegt, „sodass sich die Anlage immer in einem möglichst guten Zustand befindet.“ Und eine weitere Sorge des Sozialdemokraten versucht der Rathaussprecher zu zerstreuen. Garçon hatte sich gewundert, dass der Schrein mit dem Buch der Namen leer war, als er den Friedhof das letzte Mal besuchte. „Ist das Buch auch entwendet worden oder befindet es sich zur Renovierung in der Verwaltung?“, wollte er daher von der Gemeinde wissen. Krämer erklärt: „Nein, es wird alljährlich in den Wintermonaten eingemottet, um es vor Feuchtigkeit und anderen Wettereinflüssen zu schützen.“ Inzwischen, sagt er, liege es wieder aus.

Mehr von Volksfreund