Helfer in der Not

Der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer Prüm ist vor 25 Jahren gegründet worden. Waltraud Schaal hat den Verein ins Leben gerufen und erhält für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz.

Prüm. Der Nachbar macht auf einmal seltsame Dinge, die Mutter bekommt plötzlich einen Schlaganfall und kann sich nicht mehr alleine um ihre Angelegenheiten kümmern. Zwei von vielen Gründen, sich Rat beim Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) einzuholen. Der Prümer Verein wurde vor 25 Jahren ins Leben gerufen.
Ehrennadel des Landes


Waltraud Schaal (Gründungsmitglied) und Elfriede Esch sind noch heute als Betreuerinnen und Vereinsvorsitzende dabei. Waltraud Schaal wird für ihr ehrenamtliches Engagement in diesem Jahr die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.
Als ein Mitglied ihrer Familie betreuungsbedürftig wurde, übernahm sie die Verantwortung. "Ich war anfangs recht ratlos", sagt sie. Sie besuchte mehrere Vorträge und schloss sich mit anderen Betroffenen, die in der gleichen Situation steckten, zusammen und gründete den SKFM Prüm. Unter ihrer Führung, so wurde ihr noch im Juli dieses Jahres bei einer Feier in Mainz bescheinigt, habe sich der SKFM zu einem der bedeutendsten Betreuungsvereine in Rheinland-Pfalz entwickelt. Er beschäftigt heute fünf hauptamtliche Mitarbeiter und hat 220 Mitglieder. Der SKFM berät Betreuer, Angehörige, Betreute und Einrichtungen. Ob ein Mensch betreut werden muss oder nicht, entscheidet das Amtsgericht. "Man regelt alles, von Schuhe kaufen bis Arztbesuch oder Bankgeschäfte", sagt Reinhold Seiwert, hauptamtlicher Betreuer des SKFM in Prüm. Um durchschnittlich 180 Fälle kümmern sich die fünf hauptamtlichen Mitarbeiter im Jahr. Die 80 ehrenamtlichen Betreuer sorgen sich um weitere 80 bis 90 Menschen.
Darunter ist auch Margret Heinz aus Watzerath. Sie betreut einen 35-jährigen geistig behinderten Mann. Dieser sei total verwahrlost in ein Heim für geistig behinderte Menschen eingewiesen worden, da seine Mutter völlig überfordert mit der Situation war, erzählt sie.
Als Margret Heinz den Mann 2009 kennenlernt, ist sein Zustand schlecht. Er wiegt 170 Kilo, spricht nicht und macht einen verstörten Eindruck. Personal- und Behindertenausweis gibt es nicht. Weder Hausarzt noch Geburtsort sind bekannt. "Wir guckten uns nur an, und ich wusste, dass es klappt zwischen uns beiden. Er hat mit den Augen mit mir gesprochen", erzählt sie.
Margret Heinz beantragt neue Ausweise, macht seine Schule ausfindig und erwirkt Einsicht in seine Schulakte. "Ich wollte wissen, über welche Fähigkeiten er damals verfügte", erklärt sie. Sie meldet ihn 2009 zum Trommelkurs an. Noch heute gehört er zur Stammbesetzung. 2010 beginnt er eine Psycho- und Sprachtherapie, bei der er auch wieder anfängt, leise zu sprechen. In den vergangenen drei Jahren habe er sich unwahrscheinlich entwickelt. "Er ist wie ein kleines Überraschungsei - wir wissen gar nicht, welche Fähigkeiten noch alle in ihm schlummern." Mittlerweile hat er 70 Kilo abgenommen und lebt in einer betreuten Wohngruppe. "Die ersten fünf Monate waren hart. Da musste ich mich um ganz viele Dinge kümmern", sagt die Betreuerin. Mittlerweile habe sich der Aufwand normalisiert.
Ein guter Betreuer müsse einfühlsam und sensibel sein und viel Geduld haben - darin sind sich Waltraud Schaal, Margret Heinz und Elfriede Esch einig.

Extra

Der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer Prüm ist ein anerkannter Betreuungsverein. Der SKFM kümmert sich im Altkreis Prüm und an der Oberen Kyll um Menschen egal welcher Konfession, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können, weil sie gebrechlich, behindert oder psychisch krank sind. Bestellt werden sie vom Amtsgericht Prüm, das ihre Arbeit auch überprüft. Der Verein finanziert sich durch Spenden, Vergütungssätze und Zuschüsse vom Land und der Kommune. Neben der Betreuung bietet der SKFM auch Schulungen an, begleitet ehrenamtliche Betreuer und informiert über Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen. Kontakt: SKFM Prüm, Kalvarienbergstraße 4, 54595 Prüm, Bürozeiten: montags bis freitags, 10 bis 12 Uhr, Telefon 06551/980887. sn