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Jung und Alt unter einem Dach

Jung und Alt unter einem Dach

Mehr Zusammenarbeit bei der medizinischen Versorgung auf dem Land, neue Wohnformen für Jung und Alt in leerstehenden Dorfkernen: Das sind zwei der Ideen, mit denen die designierte Ministerpräsidentin Malu Dreyer den ländlichen Raum in Zeiten des demografischen Wandels für ältere Menschen lebenswert erhalten will.

Arzfeld. "Wir brauchen keine Angst vor einer älter werdenden Gesellschaft zu haben. Denn wir haben alle Chancen, sie zu gestalten." Mit diesem optimistischen Satz schließt die designierte Ministerpräsidentin Malu Dreyer ihre kurze Ansprache in Arzfeld. Der SPD-Kreisverband Bitburg-Prüm hatte zu einer Diskussionsrunde zum Thema "Wohnen im Alter" ins Gemeindehaus eingeladen, 150 interessierte Bürger waren dem Aufruf gefolgt - nicht zuletzt, um die künftige Ministerpräsidentin kennenzulernen.
Bevölkerung schrumpft



Leere Ortskerne, immer weniger Hausärzte und kaum vorhandene Busverbindungen - die Situation in vielen Dörfern wird für ältere Menschen immer dramatischer.
Etliche Orte im Eifelkreis haben in den vergangenen Jahren deutlich an Einwohnern verloren. So schrumpfte beispielsweise Lützkampen von 410 (Stand 2001) auf 363 (2011) Einwohner. In Heckhuscheid leben 2011 nur noch 135 Bürger. Vor zehn Jahren waren es noch 165, ein Minus von fast 20 Prozent. Eine Entwicklung, die im gesamten Kreis zu beobachten ist. 2001 zählte das Statistische Landesamt in Bad Ems noch 96 308 Einwohner zwischen Auw und Zweifelscheid, zehn Jahre später sind es nur noch 93 807.
Das entspricht einem Bevölkerungsrückgang von 2,5 Prozent. In ganz Rheinland-Pfalz, sagt Dreyer, gebe es laut der jüngsten Bevölkerungsprognose nur drei Städte, die nicht schrumpfen werden. Das seien Mainz, Trier und das pfälzische Landau.
Gleichzeitig haben viele den Wunsch, in der gewohnten Umgebung zu bleiben. Wie bringt man diese gegenläufigen Entwicklungen unter einen Hut? Der demografische Wandel stelle die Gesellschaft und die Politik vor eine große Herausforderung, sagt Dreyer. Wohnen im Alter sei dabei ein zentrales Thema.
"Wir müssen lernen, stärker zu kooperieren", sagt Dreyer. Eine Entwicklung, die sich schon bei vielen Krankenhäusern abzeichne. Hätten sie sich früher vor allem in Konkurrenz zu ihren Nachbarkliniken gesehen, würde mittlerweile überlegt, in welchen Bereichen man zusammenarbeiten könne. "Wir müssen die medizinische Infrastruktur neu überlegen", sagt Dreyer.
In den Dörfern sei es ein Ziel, leerstehende Immobilien in den Ortskernen etwa für gemeinschaftliches Wohnen nutzbar zu machen - am besten mit jungen und alten Menschen zusammen. Es gebe auch schon viele gute Ideen in Dörfern, die sich zusammenschließen und gemeinsam Angebote auf den Weg bringen. Den im Sommer gestarteten Bürgerbus in der Verbandsgemeinde Arzfeld bezeichnete Dreyer als "wunderbare Initiative". Dieser Bus wird von ehrenamtlichen Helfern gefahren und ermöglicht es älteren Bürgern auch aus kleinen Dörfern zum Arzt, zur Apotheke oder auch zum Einkaufen zu kommen (der TV berichtete). "Wir wollen damit aber keine Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr bilden", sagt Andreas Kruppert, Bürgermeister der VG Arzfeld. Vielmehr sei der Bürgerbus als Ergänzung zu sehen. Denn er bringe die Menschen auch zu den Haltestellen der Buslinie 407, die auf der Bundesstraße 410 die Verbandsgemeinde durchquert und mit der die Bürger dann nach Prüm oder Ettelbrück fahren können.Meinung

Zu unterschiedliche Bedingungen
In seinen eigenen vier Wänden alt werden und dort möglichst lange wohnen können: Das ist der Wunsch vieler Menschen, egal ob in der Stadt oder auf den Dörfern. Doch die Bedingungen sind mittlerweile zu unterschiedlich geworden. Ist der Weg zur Apotheke in größeren Orten vielleicht nur ein fünfminütiger Fußweg, kommt er in manchem Dorf einer kleinen Weltreise gleich und ist nur mit Hilfe anderer möglich. Immer mehr ältere Menschen zieht es daher in die Städte. Ein deutliches Zeichen dafür sind die land auf, landab entstehenden neuen Einrichtungen für betreutes Wohnen für Senioren, ob in Prüm, Arzfeld, Schönecken oder Daleiden. Die Folge: In den Dörfern ziehen nicht nur die Jungen, sondern immer öfter auch die Älteren weg, das Dorfleben leidet. Es ist fraglich, ob die Politik diese Entwicklung wirklich noch flächendeckend stoppen kann, so wünschenswert es vielleicht für die Erhaltung der Dörfer wäre. c.brunker@volksfreund.deExtra

Bei der Veranstaltung wurden Ideen der Bürger gesammelt, was ihnen für das Leben im Alter in den kleinen Dörfern wichtig ist. Das zentrale Thema für viele ist dabei die Mobilität, die auch ohne eigenes Auto gewährleistet sein müsse. Der Bürgerbus sei da eine gute Ergänzung. Ebenfalls wichtig seien soziale Kontakte, etwa durch ein aktives Vereinsleben und eine gute Dorfgemeinschaft. Auch eine gute und erreichbare medizinische Versorgung wird genannt. Am besten mit Hausärzten, die eine Zusatzausbildung für die Behandlung älterer Menschen haben. Angeregt wurde außerdem eine bessere Förderung der ambulanten Betreuung, um diese auch für einkommensschwächere Menschen finanzierbar zu machen. ch