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Neue Rotoren auf den Islekhöhen

Neue Rotoren auf den Islekhöhen

In der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld ist ein erster Entwurf für die erweiterte Nutzung der Windkraft vorgestellt worden. Demnach könnte sich die Zahl der Anlagen verdoppeln. Zentrales Anliegen von VG-Chef Andreas Kruppert ist jedoch, dass möglichst viele Bürger an den Erlösen teilhaben - sonst sehe er "keine Notwendigkeit" für eine Ausweitung der Flächen.

Arzfeld. Die Energiewende wird die Landschaft in der Eifel verändern - das ist mittlerweile klar. Doch wie stark, daran arbeiten derzeit die Experten in den Planungsbüros landauf, landab. Denn nach dem Willen der Landesregierung obliegt es den Verbandsgemeinden, die entsprechenden Kriterien aufzustellen. Kriterien, die im neuen Flächennutzungsplan festlegen, wo künftig Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht. Dazu zählen beispielsweise der Mindestabstand von geschlossenen Siedlungen, der Abstand zu den Brutgebieten geschützter Vogelarten wie Schwarzstorch oder Rotmilan und der Schutz außergewöhnlicher Naturräume.
In der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld gewinnt diese Zukunftsvision mittlerweile an Kontur. Im VG-Rat hat nun Reinhold Hierlmeier vom Ingenieurbüro BGHplan aus Trier einen Entwurf vorgestellt, auf welchen Flächen in der VG künftig neue Windkraftanlagen stehen könnten. Schwerpunkte sind demnach zum einen im Norden der VG zwischen Großkampenberg und Kesfeld sowie im Osten im Raum Lünebach-Merlscheid-Fuchswiese. An diesen Stellen können entweder bereits bestehende Windparks erweitert oder neue mit einer Mindestgröße von 50 Hektar geschaffen werden. Rotorenfrei bleibt hingegen der Westen mit Our-, Irsen- und Mannerbachtal, wo der touristische Schwerpunkt der VG liegt.
In der Summe, sagt Hierlmeier, könnten zwischen 20 und 25 neue Windräder entstehen. Damit würde sich die Zahl der Anlagen in der VG auf rund 50 verdoppeln. Diese würden rund 660 Prozent des Eigenbedarfs der VG an Energie erzeugen.
Eine der wichtigsten Stellschrauben bei den Ausschlusskriterien ist die Distanz zu den Dörfern. Als Mindestabstand gelten 500 Meter, zu Gemeinden mit den besonderen Schwerpunkten auf Wohnen und Tourismus werden hingegen 1000 Meter angesetzt.
Eine Frage der Distanz


Andere Verbandsgemeinden haben diese Entfernung grundsätzlich beschlossen. Doch in der VG Arzfeld würde dies laut Hierlmeier dazu führen, dass keine neuen Flächen für Windkraft mehr ausgewiesen werden können. Daher hatte er in seiner Studie einen Radius von 750 Metern um die Dörfer gezogen.
"Wir haben uns viele Gedanken über die Verträglichkeit gemacht", sagt VG-Bürgermeister Andreas Kruppert. Eine solche Ausweitung der Windenergie gehe nur mit einer Beteiligung der Menschen vor Ort, sodass alle Bürger in der VG davon profitieren können. "Sonst sehe ich die Notwendigkeit nicht."
Beim Rat stößt diese Meinung auf breite Zustimmung. "Wir müssen auch an die Bürger denken", sagt Klaus Hostert (CDU). Man brauche nicht auf jedem Hügel ein Windrad. Wolfgang André (Grüne) betont, dass es auch Bereiche geben müsse, "wo man keine Windräder sieht."
Die aktuelle Planung, sagt Rainer Hoffmann (SPD), sei mit Augenmaß gemacht worden und werde den verschiedenen Interessen gerecht. "Die Belastung muss auf ein zumutbares Maß beschränkt bleiben", sagt Gerhard Kauth (CDU). Wichtig sei, dass die Einnahmen aus der Windenergie auch vor Ort bleiben und alle Gemeinden und somit auch die Bürger etwas davon haben.
Das ist auch für Andreas Kruppert das zentrale Kriterium: "Das Ziel muss eine hohe kommunale Wertschöpfung sein, von der alle etwas haben und nicht nur ein paar wenige. Nur wenn das funktioniert, ist es sinnvoll, diese Planung weiter voranzutreiben."Meinung

Goldgräberstimmung mit Augenmaß
Dem Ruf nach "Gold!" sind Tausende in die eisigen Weiten Nordamerikas gefolgt - mit mehr oder weniger großem Erfolg. Der neue Ruf heißt "Wind!", und oftmals sind nicht minder windige Gestalten unterwegs, um sich ihren Teil des Kuchens zu sichern. Umso wichtiger ist es, dass die Verbandsgemeinden mit großer Sorgfalt an die Planung herangehen und nicht nur auf die klammen Kassen, sondern auch auf die Bedürfnisse der Bürger blicken. Die Energiewende wird die Zahl der Windräder auf den Eifelrücken erhöhen, und nicht jeder wird sich daran erfreuen. Umso wichtiger ist es, dass nicht nur wenige von den Einnahmen profitieren und alle anderen in die Röhre beziehungsweise auf die Rotoren gucken. Gut für die VG Arzfeld: Mit der Islek Energie AöR hat man bereits ein kommunales Unternehmen, dass als Akteur bei dem Betrieb der neuen Windräder mitmischen könnte und gleichzeitig Garantie dafür bietet, dass auch die Gemeinden im Islek von ihrem Rohstoff Wind profitieren. c.brunker@volksfreund.de