Prümer Sandalen-Reliquie: Hinweise ja, Beweise nein

Prümer Sandalen-Reliquie: Hinweise ja, Beweise nein

Das Treffen zur Sandale Christi in Prüm (der TV berichtete) ist vorbei. Die Organisatoren glauben, dass an der Reliquie mehr dran ist als nur der Stoff, aus dem fromme Legenden sind. Stadt, Pfarrei und Bistum halten hingegen Abstand.

Prüm. So ganz geheuer ist Mathilde Weinandy die Sache nicht: Zwar begrüßt die Stadtbürgermeisterin die 80 Teilnehmer des Reliquien-Kolloquiums am Wochenende in der Karolingerhalle, wünscht ihnen eine schöne Zeit in Prüm - nur mit dem Anlass des Treffens will sie nicht so recht warm werden.
Ihre Sorge: Dass um die "Sandale Christi" in der Basilika ein Wirbel entsteht, der unerwünschte Eiferer in die Stadt lockt. Deshalb, sagt sie, halte sie es lieber mit dem Bistum, das bekanntlich deutlichen Abstand von der ganzen Veranstaltung genommen hat. Das gilt auch für Pastor Christian Müller: "Das Bistum hat eine Erklärung abgegeben - und der habe ich nichts hinzuzufügen."
Immerhin war die "Union der Nationen Europäischer Christen" (Unec) angetreten, die Prümer Sandale als das herauszustellen, was sie ihrer Meinung nach ist: eine der bedeutendsten Reliquien der Christenheit. Und um das zu beweisen, hat Unec-Generalsekretär Winfried Wuermeling sich Unterstützung geholt: Gérard Lucotte, der sich im Gespräch mit dem TV als Neurogenetiker und Mitarbeiter des "Instituts für Molekular-Anthropologie" in Paris vorstellt. Lucotte nahm Proben von der Sandale, die an einer Stelle einen Schnitt aufweist: An dieser Schnittkante setzte er Klebestreifen an, die daran haftenden Partikel analysierte er dann auf ihre chemische Zusammensetzung.
Zwar seien die Untersuchungen noch nicht beendet, sagt der 72-Jährige. Dennoch habe er aufschlussreiche Entdeckungen gemacht: So deuteten einige der Partikel auf Mineralien hin, die auf eine Herkunft aus dem Raum Jerusalem schließen ließen.
Daneben habe er Hanf gefunden, "höchstwahrscheinlich" Leder und Zinnoberrot - eine Farbe, "mit der man das Blut Christi versinnbildlichte". Alles Beweise dafür, dass die Sandale von Jesus getragen wurde? "Nur Hinweise", sagt der Professor. Einen Beweis könne man damit nicht führen, viele Fragen seien noch offen.
Winfried Wuermeling lässt sich davon in seiner Überzeugung nicht beirren: Die Wissenschaft könne ohnehin nur "maximal 99 Prozent" an Nachweis liefern. "100 Prozent - das ist der Glaube." So sei es. fpl

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