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In diesem Jahr fallen wenige Feiertage auf Arbeitstage - das freut die Arbeitgeber

Wirtschaft : Jeder Feiertag kostet bares Geld

Arbeitgeber freuen sich, dass in diesem Jahr weniger Arbeitstage ausfallen.

Hoffentlich haben Sie Fronleichnam genossen. Vielleicht länger geschlafen, spazieren gewesen, sich entspannt. Das ist gut so. Denn der Feiertag am vergangenen Donnerstag war bis Weihnachten der letzte Feiertag in diesem Jahr, der auf einen Wochentag gefallen ist. Der Tag der Deutschen Einheit ist ein Samstag, Allerheiligen fällt auf einen Sonntag – wenn die meisten Beschäftigen ohnehin frei haben. Und das freut die Arbeitgeber. Denn ihrer Ansicht nach kosten Feiertage, durch die Arbeitstage ausfallen, die Wirtschaft  „bares Geld“, wie der Präsident der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, Gerhard F. Braun sagt. Und weil in diesem Jahr auch Weihnachten vergleichsweise „arbeitergeberfreundlich“ liegt (der zweite Feiertag fällt auf einen Samstag), gebe es mehr Arbeitstage. „Das dürfte sich positiv auf das Wirtschaftswachstum in Rheinland-Pfalz auswirken“, so Braun. Durch einen freien Tag könne schnell 0,1 Prozent der Jahres-Wirtschaftsleistung verloren gehen.

Dietmar Muscheid, Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, ist sauer über die Haltung der Arbeitgeber.  „In diesem Jahr, in dem viele Beschäftigte durch die Corona-Krise besonders belastet sind, fallen fast alle Feiertage auf Wochenenden, die für die meisten Beschäftigten ohnehin arbeitsfrei sind. Hinzu kommt, dass die Hälfte der zwei Milliarden Überstunden, die jährlich bundesweit geleistet werden, unbezahlt bleiben.“ Die Arbeitgeber müssten daher endlich ihrer Pflicht nachkommen, die Arbeitszeiten korrekt zu erfassen und Überstunden zu vergüten, fordert Muscheid. Mit Ostern, Pfingsten und Weihnachten gibt es insgesamt 13 gesetzliche Feiertage in Rheinland-Pfalz. Je mehr Arbeitstage dadurch ausfallen, desto mehr mache sich das beim Wirtschaftswachstum bemerkbar, sagen Ökonomen.

Die Wertschöpfung an einem Arbeitstag beträgt nach Auskunft von Wirtschaftsforscher Christoph Schröder vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln mehr als zehn Milliarden Euro. Durch Feiertage unter der Woche fällt diese Wertschöpfung weg.

Die Bundesbank kommt in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass ein Prozent mehr Arbeitstage im Schnitt zu einem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung um 0,3 Prozent führten. Wie sehr sich Feiertage auf die Wirtschaft auswirken, hängt auch von der Branche ab.  So fällt am Bau der Ausfall eines  Arbeitstags im Winter weniger ins Gewicht als im Sommer. Anders als in weiten Teilen der Wirtschaft ist für den Einzelhandel entscheidend, auf welchen Tag ein Feiertag fällt. Denn Samstags-Feiertage  treffen die Branche härter als andere Wirtschaftsbereiche, in denen  von Montag bis Freitag gearbeitet wird.

Laut einer Umfrage im April dieses Jahres sind 18 Prozent der Deutschen dafür, zur Stärkung der Wirtschaft nach der Corona-Krise einmalig einen kirchlichen Feiertag zu streichen. Ernsthaft von der Politik diskutiert wurde dieser Vorschlag aber nicht. Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass ein Feiertag gestrichen wird, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen.1995 wurde in allen Bundesländern außer Sachsen der Buß- und Bettag abgeschafft, um so die neu eingeführte Pflegeversicherung zu finanzieren. Dafür müssen die sächsischen Arbeitnehmer bis heute einen um 0,5 Prozent höheren Beitrag in die Pflegekasse einzahlen als die Bewohner der anderen Bundesländer.