Beim Auftakt herrscht Eintracht

Keine Kampfabstimmungen über die Besetzung der Beigeordnetenposten und auch keine Entscheidungen per Los: Anders als vor fünf Jahren prägten am Dienstagabend einvernehmliche Lösungen die erste Sitzung des neu gewählten Hermeskeiler Stadtrats. Dem frisch gekürten Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) stehen mit Willi Auler (CDU) und Volker König (SPD) zwei Stellvertreter zur Seite, die diese Ämter schon seit 2009 innehaben.

Hermeskeil. Die politische Wachablösung ist am Dienstagabend um 19.15 Uhr perfekt. Wie im TV bereits berichtet, ist der 44-jährige Notar Mathias Queck in der konstituierenden Sitzung des Stadtrats offiziell zum neuen Bürgermeister von Hermeskeil ernannt worden. Beim Amtsantritt des CDU-Manns fehlt jedoch dessen Vorgänger Udo Moser (BFB). Der Verlierer des Stichwahlduells vom 8. Juni hat sich für die Auftaktsitzung des neuen Stadtrats abgemeldet. Schon unmittelbar nach seiner Wahlniederlage hatte Moser seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik angekündigt. Quecks Ernennung und Vereidigung übernimmt deshalb der bisherige erste Beigeordnete Willi Auler (CDU). Quecks Antrittsrede: Der neue Stadtbürgermeister, der seit 2007 in Hermeskeil wohnt, betont zunächst, dass er und seine Familie "hier heimisch geworden und sehr glücklich sind". Er bedankt sich bei den Bürgern. Die Stichwahl habe ein "deutliches Ergebnis gebracht und war ein klarer Handlungsauftrag an mich, die Geschicke der Stadt zu leiten". Diese Aufgabe wolle er aber nicht allein angehen, sondern in enger Zusammenarbeit "mit dem Stadtrat, den ehrenamtlich Tätigen in den Vereinen und natürlich den Bürgern". Stichwortartig reißt Queck einige Themen an, die bis 2019 für Hermeskeil wichtig sind: zum Beispiel die Stärkung der Stadt als Mittelzentrum mit wichtigen Einrichtungen wie dem Krankenhaus. Auch die hausärztliche Versorgung müsse künftig gesichert sein, betont Queck. Er wolle die Stadtteile Abtei und Höfchen "besser einbeziehen" und sich für die Ansiedlung eines Drogeriemarkts in Hermeskeil und in der Innenstadt für die Belebung der Fußgängerzone einsetzen, sagt der CDU-Politiker weiter. Dass der bisherige Stadtchef in der Ratssitzung "nicht anwesend ist, ist bedauerlich und kein guter Stil", so Quecks Kritik an Moser.Die Wahl der Beigeordneten: Wichtigste Aufgabe eines neu gewählten Rats ist es, in der Auftaktsitzung in geheimer Abstimmung die Beigeordneten zu wählen. Das ist auch in Hermeskeil so, wo der Stadtchef zwei Stellvertreter hat. Diese Wahl endet damit, dass sich personell nichts an der seit 2009 bestehenden Besetzung dieser beiden Posten ändert. Willi Auler (CDU) bleibt mit 17 Ja- und fünf Nein-Stimmen erster Beigeordneter. Volker König (SPD), der auch zunächst für den Bauhof zuständig bleibt, behält mit 18 Ja- und drei Nein-Stimmen sowie einem ungültigen Votum sein Amt als zweiter Beigeordneter. Gleichwohl gibt es diesmal große Unterschiede zum Geschehen vor fünf Jahren. Auler und König sind am Dienstagabend jeweils die einzigen vorgeschlagenen Kandidaten. 2009 hatte es um beide Posten noch Kampfabstimmungen mit jeweils zwei Bewerbern gegeben. Weil es 2009 im Rat allerdings ein Patt zwischen den zu diesem Zeitpunkt bestehenden Koalitionen von CDU und FWG einerseits und BFB, SPD, Linke andererseits gab, musste am Ende das Los entscheiden, wer Beigeordneter wird. "Das war schon damals das erste Anzeichen dafür, dass es keine gute Zusammenarbeit im Rat geben würde. Heute ist das anders", sagt Auler, nachdem er sein Amt angenommen hat. Der CDU-Mann fordert den Rat auf, künftig "Teamgeist zu zeigen. Nur so können wir Hermeskeil voranbringen."Auch König ist erleichtert, dass er diesmal nicht per Los ins Beigeordnetenamt kommt. Als er das Wort ergreift, ändert sich aber im Vergleich zu Auler der Zungenschlag. Der Leiter des städtischen Bauhofs bedankt sich beim Rat für die bisher gute Zusammenarbeit seit 2009 und schließt dabei ausdrücklich Moser ein, "mit dem ich ein sehr kollegiales Verhältnis hatte." Auch bei der anschließenden Besetzung der Ausschüsse und der Frage, welche Vertreter die Stadt beispielsweise in den Zweckverband Konversion schickt, herrscht Eintracht. Diese Personalien werden einstimmig geklärt. Queck zeigt sich am Ende der Sitzung zufrieden: "Wichtig war heute, dass wir in allen Fragen klare Abstimmungsergebnisse erzielt haben."Meinung

Erster Schritt in die richtige RichtungDie Botschaft war eindeutig: Bei seinem ersten Treffen nach der Wahl, dem Ende der Regierungszeit von Udo Moser und dem Amtsantritt von Mathias Queck, wollte der neue Hermeskeiler Stadtrat demonstrativ Geschlossenheit zeigen. Alle strittigen Fragen hatten die Fraktionen nach TV-Informationen schon im Vorfeld geräuschlos im Ältestenrat geklärt. Dort hat man wohl bereits fest verabredet, wer als jeweils einziger Kandidat für die beiden Beigeordnetenposten vorgeschlagen wird. Offenbar haben die neu gewählten Ratsmitglieder verstanden, was die Hermeskeiler von ihnen in Zukunft erwarten: Dass sie alle an einem Strang ziehen, um die Situation der Hochwaldstadt zu verbessern und ihre Probleme zu lösen. Dass die Stadtpolitiker sich nicht mehr so oft in Streitereien verzetteln, wobei sich in diesem Punkt nicht nur der frühere Bürgermeister Udo Moser, sondern auch die damalige CDU-Opposition, die jetzt die Regierungspartei ist, angesprochen fühlen darf. Dass niemand mehr in Hermeskeil Berichte über unwürdige Scharmützel wie die Tannenbaum- oder die E-Mail-Affäre lesen will. Ob es dem neuen Stadtchef Mathias Queck gelingt, für mehr politische Harmonie in Hermeskeil zu sorgen, kann nur die Zukunft zeigen. Das Bemühen, den Weg in diese Richtung zu lenken, ist allerdings erkennbar. Und damit ist zumindest schon mal ein erster, positiver Schritt gemacht. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

 Gute Stimmung nach dem ersten Treffen: Der neue Hermeskeiler Stadtrat hat sich auf der Treppe vor dem Rathaus zum Gruppenfoto aufgestellt. TV-Foto: Axel Munsteiner
Gute Stimmung nach dem ersten Treffen: Der neue Hermeskeiler Stadtrat hat sich auf der Treppe vor dem Rathaus zum Gruppenfoto aufgestellt. TV-Foto: Axel Munsteiner

Fraktionsgemeinschaft: Ottmar Muno (Piraten) und Klaus-Peter Breuer (Linke) machen gemeinsame Sache. Beide waren als Vertreter ihrer Parteien als Einzelkämpfer in den Rat gewählt worden. Hat eine politische Gruppe aber nur ein Mandat, besitzt sie keinen Fraktionsstatus und darf dann auch keine Vertreter in die vorberatenden Fachausschüsse schicken. Deshalb haben sich die beiden Stadtratsmitglieder von Piraten und Linke zu einer Fraktionsgemeinschaft zusammengeschlossen. Vier Neue und ein Rückkehrer: Der Hermeskeiler Stadtrat besteht aus 18 Männern und vier Frauen. Die meisten Ratsmitglieder gehörten dem 22-köpfigen Gremium schon in der vorangegangenen Legislaturperiode an. Ihre erste Ratsitzung haben am Dienstag Sigrid Schleier, Frank Salm und Stefan Eiden (alle CDU) sowie Lena Weber (SPD) erlebt. Bei den Genossen ist nach mehrjähriger Pause Sigurd Hein in den Rat zurückgekehrt. Sprecher und Stellvertreter: Die stärkste politische Kraft im Stadtrat, die CDU-Fraktion mit neun Sitzen, wird von Bernd Mende angeführt. Sein Stellvertreter ist Markus Forster. Fraktionssprecher der SPD (sechs Sitze) ist René Treitz. Sein Vize ist Paul Gemmel, der als Stadtbürgermeisterkandidat in der ersten Runde ausgeschieden war. Sprecher der BFB (drei Sitze) ist Hans-Joachim Trösch, als Vertreter fungiert Christoph König. Die FWG-Fraktion hat nur noch zwei statt drei Mandate. Bei diesem Duo ist Thomas Museler der Sprecher, Berthold Grenz sein Stellvertreter. Die Fraktionsgemeinschaft von Piraten und Linke hat sich darauf geeinigt, dass Muno als Sprecher und Breuer als sein Vertreter agiert. ax