Fähre : Erfolgreicher Start für Sankta Maria II

Ab sofort verkehrt  die neue Elektrofähre zwischen den Obermoselorten Oberbillig und Wasserbillig-Mertert/Luxemburg.

Ausführlich erprobt und getauft durch den Luxemburger Thronfolger Erbgroßherzog war das in Stralsund gebaute Schiff schon (der TV berichtete). Doch der Arbeitsantritt mit zahlenden Fahrgästen stand dem deutsch-luxemburgischen Gemeinschaftsprojekt noch bevor. Am gestrigen Sonntag war es dann soweit. Ab 9 Uhr sollte der Fährbetrieb mit dem neuen Schiff beginnen. Kurz vor diesem Startzeitpunkt liegt der Oberbilliger Fähranleger aber noch verwaist da. Auf der Zufahrt warten der Oberbilliger Boris Ruth mit Sohn Dominik (16) darauf, sich als erste mit einem Auto von der Sankta Maria übersetzen zu lassen. Und Ruth hat auch das passende Fahrzeug für die Jungfernfahrt mit dem Elektroschiff: einen vollelektrischen PKW der Marke Tesla – Start in das Zeitalter der Elektromobilität auf der Obermosel.

Das Thermometer zeigt unter Null Grad an, der angekündigte Schneefall setzt ein. Kurz vor 9 Uhr nähert sich die Sankta Maria II aus Richtung Konz. Sie hatte die Nacht am Wasserliescher Ufer gelegen. Dort sind am Morgen auch einige Gäste zugestiegen: Der Oberbilliger Ortsbürgermeister Andreas Beilig, seine Arbeitskollegin Martina Scheid und Ex-Fährbetriebmitarbeiter Dietrich Sieren. Ungewöhnlich stark ist die Besetzung im Führerstand – drei Mann, wo sonst einer sitzt. Noch müssen die  Schiffsführer Erfahrungen sammeln wegen der größeren Ausmaße der Sankta Maria II, was besonders für die Anlegemanöver gilt. Dann die Premiere ohne Applaus und Blaskapelle: Boris Ruth steuert sein lautloses Elektroauto auf das ebenso lautlose Elektroschiff. Erster normal zahlender Fährnutzer mit Auto ist Wojciech Siejeka aus Konz. Er staunt, dass er der erste Fahrgast ist und die Konzerin Anne Schneider im Auto hinter ihm –  „ich fahre regelmäßig mit der Fähre“ – hat sich beim Ablegen zwar über die fremdartigen Schiffsgeräusche gewundert, aber erkennt erst jetzt, dass sie mit dem neuen Schiff dem anderen Ufer entgegenfährt. Besonders auf regelmäßige Nutzer der alten Sankta Maria wirken die Geräusche des Elektrofahrzeugs ungewohnt: Wo früher der rumpelnde Dieselmotor alles übertönte, gibt es jetzt nur Schmatz- und Schlürfgeräusche der Antriebspropeller beim An- und Ablegen. Und das einzige Geräusch während der Fahrt ist der Wellenschlag an der Bordwand. „Ist das aber leise“, meint auch  Vivian Hilbert aus Wasserliesch. Sie ist erster zahlender Zu-Fuß-Passagier bei der Rückfahrt nach Oberbillig. Ihr Hündchen Neila, noch an die alte Fähre gewöhnt, findet die neuen  Geräusche wohl noch etwas beunruhigend. Auch Bernhard Billhardi aus Lebach benutzt die Übersetzmöglichkeit regelmäßig und hat eine Dauerkarte. Jetzt muss er erfahren, dass er auf der Fahrt von Luxemburg nach Deutschland der erste zahlende Fahrgast mit Auto ist. Beim erneuten Anlegen in Oberbillig wird im Führerhaus noch über die optimale Fahrweise bei Ansteuern diskutiert. Und draußen verstaut Schiffsführer Feldmann das dicke rote Verbindungskabel in einen Kasten der Ladestation am Ufer. An ihm wird die Sankta Maria II in der Nacht ihre Batterien aufladen.

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