Geschichte eines Überlebenden

Mit einer Lesung aus der Autobiografie des Trierers Jenö Alpár Molnár hat die Volkshochschule Saarburg auf dessen dramatisches Schicksal aufmerksam gemacht. Der Autor wurde 1946 in Österreich geboren, mit zehn Monaten entführt, die Mutter verhaftet, der Vater, ein amerikanischer Besatzungssoldat, in die Heimat versetzt, das Kind von einem Heim ins andere verfrachtet.

Saarburg. (doth) Was klingt wie der Stoff eines traurigen Romans, war für Jenö Alpár Molnár, der in Trier einen Kopierladen besitzt, die Wirklichkeit, die ihn bis heute verfolgt.

Misshandlungen in Kinderheimen



"Wir waren doch nur Kinder...", heißt seine Autobiografie, aus der er im Sitzungssaal der Verbandsgemeinde Saarburg vorlesen ließ. Der Freund und Mitarbeiter von Jenö Alpár Molnár, Werner Fermer, las aus dem Werk - und man traute als Zuhörer kaum seinen Ohren.

Beschrieben werden Begebenheiten und Zustände in österreichischen Kinderheimen, die unwillkürlich an ein Zuchthaus erinnern. Wenn Jenö Fragen stellte oder aufbegehrte, hatte er schwerste Misshandlungen zu erdulden.

Mit Dokumenten und historischen Fotos belegt der heute 62-Jährige sein Schicksal, an dem die österreichischen Behörden seiner Ansicht nach eine gehörige Mitschuld tragen. Mit Hilfe eines Anwalts will er Schadensersatz und Schmerzensgeld einklagen.

Die Kindheit voller Leiden hörte mit der Entlassung aus dem Heim nicht auf. Immer wieder spielten Behörden Schicksal. Erst seit zehn Jahren besitzt Molnár die ungarische Staatsbürgerschaft, weil seine Mutter von dort stammt, und eine unbeschränkte Aufenthaltserlaubnis für Deutschland.

"Ich kenne viele, die es nicht schafften"



VHS-Leiterin Anette Barth hätte sich mehr Resonanz auf dieses Thema gewünscht.

Zuhörer Hadwin Elstner (70) zeigte sich schockiert über so viel Desinteresse und das Schicksal des Autors: "Und das so kurz nach dem dritten Reich." Zuhörerin Susanne Backes ist Soziologiestudentin und schreibt an ihrer Magisterarbeit. "Das ist wirklich ein Extremfall und ein Drama", beschreibt sie ihr Empfinden. Der Betroffene selbst weiß: "Ich kenne viele der ehemaligen Heimkinder, die es nicht schafften, im Alkohol versanken oder sich sogar umbrachten." Heime kann er nicht mehr ausstehen. "Bevor ich in ein Altenheim gehe, mache ich Schluss", kündigte er an. "Wir waren doch nur Kinder..." ist im August von Goethe Literaturverlag (ISBN 978-3-8372-0296-0) erschienen und kostet 17,40 Euro.