Hochwälder wollen Klarheit

Können Kinder an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Hermeskeil irgendwann einmal Abitur machen? Diese Frage ist auch nach einer öffentlichen Präsentation von IGS, Gymnasium und Berufsbildender Schule ungeklärt. Landrat Günther Schartz hat eine Menge Kritik einstecken müssen.

Hermeskeil. Mit solch einem Andrang hat Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, nicht gerechnet. Rund 400 Menschen drängen sich im Saal des Mehrgenerationenhauses. Sie alle wollen wissen, wie es mit dem Schulstandort Hermeskeil weitergeht. Bis vor einigen Wochen, war die Antwort auf diese Frage klar: Nicht nur am Gymnasium, sondern auch an der Integrierten Gesamtschule (IGS) sollen Schüler Abitur machen können. Damit an der IGS eine Oberstufe ihren Betrieb aufnehmen kann, muss diese vom Landkreis Trier-Saarburg beantragt werden. Ob der Kreistag das tut, ist nach Worten von Landrat Günther Schartz offen. Seine Begründung: "Die Rahmenbedingungen haben sich verändert." Der demografische Wandel hat zur Folge, dass es gerade in der Hochwaldregion immer weniger Schüler gibt. Das führe dazu, dass irgendwann zu wenig Schüler für zwei Oberstufen in Hermeskeil vorhanden sein könnten. Zudem habe sich die IGS nicht so wie gewünscht entwickelt. Die Anmeldezahlen seien zu gering, sagt der Landrat. Jahrgänge werden kleiner

Für die Gesamtschule macht Rektorin Christa Breidert deutlich, dass ihre Schule die Voraussetzungen für eine Oberstufe erfüllt. "Man braucht mindestens 51 Schüler für eine Oberstufe. Diese Zahl haben wir." Sie erinnert daran, dass bisher alle Eltern davon ausgehen konnten, dass an der IGS Abitur gemacht werden kann. Dass zu einer Gesamtschule auch eine Oberstufe gehört, hätten die Mitglieder des Kreistags gewusst, als sie sich 2009 für diese Schule entschieden hätten. Für das Gymnasium lenkt Direktor Arno Ranft den Blick auf die Zahlen. Er macht deutlich, dass die Schülerzahlen im Hochwaldraum dramatisch zurückgegangen sind und weiter zurückgehen. Dieser Raum umfasst neben der VG Hermeskeil die Verbandsgemeinden Kell und Thalfang sowie Teile der VG Ruwer und Gemeinden im Saarland. "Bei sinkenden Zahlen in unserer Oberstufe können irgendwann einige Leistungskurse nicht mehr angeboten werden." Die Folge sei, dass deshalb weitere Schüler nach Trier abwandern. Den Bestand des Standorts Hermeskeil der Berufsbildenden Schule sieht deren Leiter Heinz Oberbillig in Gefahr. Wenn die IGS eine Oberstufe bekomme, würde die Zahl der Schüler beim Bildungsgang Höhere Berufsfachschule soweit sinken, dass er nicht mehr angeboten wird. Irgendwann sei dann der Hermeskeiler Standort zu klein. Das hätte zur Folge, dass auch Pflichtschüler nach Trier oder Saarburg ausweichen müssen. Bei der am Ende rund dreistündigen Veranstaltung in Hermeskeil nutzen auch Kommunalpolitiker, Eltern und Lehrer die Möglichkeit, sich zu äußern. Die Bandbreite der Politikerbeiträge ist breit gestreut. Thorsten Asselborn, für die Linken im VG-Rat Hermeskeil, kritisiert Landrat Schartz und die Kreispolitiker. Er stellt fest: "Die Idee zur IGS hatte der Kreistag vor sechs Jahren. Der demografische Wandel ist aber nicht mit dem letzten Schnee gefallen." Für Lothar Rommelfanger (SPD-Kreistagsfraktion) steht fest, dass er für die Oberstufe stimmen wird (siehe Extra). Sascha Kohlmann (CDU-Kreistagsfraktion) fordert die Landesregierung auf, die Gesetze so zu ändern, dass in Hermeskeil alle drei Schulen bestehen können. IGS-Schulelternsprecher Heinz-Peter Düpre wie einige weitere Redner kritisiert die vom Kreis geplante Befragung der Eltern von Kindergartenkindern über die spätere Schulwahl. Er fragt sich, wie es um den Willen der Eltern steht, die ihre Kinder in den vergangenen Jahren an der IGS angemeldet haben. Gleich mehrfach vertreten Redner die Auffassung, dass sie belogen werden. Es sei eine Oberstufe versprochen worden. Dies solle nun nicht mehr wahr sein. IGS-Schülerin Lena Zils bringt die Stimmung bei einem Großteil der Zuhörer im Raum so auf den Punkt: "Viel wichtiger als die Zahlen ist sie Frage, wie Schüler gefördert werden können."Meinung

Keine faulen Kompromisse!Der demografische Wandel ist kein Naturereignis, das am Mittwoch vor drei Wochen über den Kreis hereingebrochen ist. Auch 2009 war bekannt, dass im Hochwald die Zahl der Menschen rapide zurückgeht. Trotzdem wollte der Kreistag die IGS. Deren Ziel ist es auch, Schüler zum Abitur zu führen. Diese Jugendlichen fehlen im Gymnasium. Gut sechs Jahre nach der Entscheidung für die neue Schulform befindet sich der Kreistag in einer Zwickmühle. Es sieht derzeit nicht so aus, als ob das Gremium in der Lage ist, einen Weg aus dieser Situation zu finden, der auf Dauer ein breites Bildungsangebot im Hochwald sichert. Denn es fehlt weiter an der Einsicht, dass auf Dauer nicht mehr alles überall geht. Deshalb wird bei der Kreistagssitzung wohl nur ein Kompromiss herauskommen, der niemandem wehtut und lokale Befindlichkeiten bedient. Der dafür sorgt, dass bald wieder nachgebessert werden muss und erneut Eltern wie Schüler enttäuscht werden. Auf Dauer ist die Zahl der weiterführenden Schulen nicht zu halten. Daher: keine faulen Kompromisse. h.jansen@volksfreund.deExtra

 Vertreter von Berufsbildender Schule, IGS und Gymnasium stellen sich in Bildschirmpräsentationen vor. Eine Folie des Gymnasiums befasst sich mit der Bevölkerungsentwicklung.
Vertreter von Berufsbildender Schule, IGS und Gymnasium stellen sich in Bildschirmpräsentationen vor. Eine Folie des Gymnasiums befasst sich mit der Bevölkerungsentwicklung. Foto: Klaus Kimmling

Zwar wird sich auch der Vervandsgemeinderat Hermeskeil noch mit dem Thema Oberstufe an der IGS beschäftigen. Entscheidend ist jedoch das Votum des Kreistags Trier-Saarburg. Dieser trifft sich am 27. Juli zur Sitzung. Über einen Antrag zur Einrichtung einer Oberstufe verfügt am Ende das Land. har