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Hochwasserschutz in seiner schönsten Form

Hochwasserschutz in seiner schönsten Form

Im Frühjahr werden die Leuk und der Dilmarbach auf weiteren Teilabschnitten in einen natürlichen Zustand zurückversetzt. Nach einer EU-Richtlinie ist das Land dazu verpflichtet. Nutznießer sind neben der Natur auch die Anlieger, die weniger Hochwasser zu befürchten haben, und Erholungssuchende.

Trassem/Palzem-Dilmar. Bald rücken wieder Baumaschinen der Leuk zu Leibe. Die Renaturierung wird im vierten Bauabschnitt von Trassem in Richtung Kollesleuken fortgesetzt. "Auf 3,4 Kilometern wird stellenweise die Bachsohle angehoben und das Profil aufgeweitet, und zwei Wehranlagen werden umgebaut", erklärt Anette Haas, beim Kreis Trier-Saarburg zuständig für die Gewässerentwicklung.
Ziel sei es, wie in den bisherigen drei Ausbauabschnitten auch, bei Hochwasser möglichst Schäden an den Anwesen der Anlieger zu vermeiden und neue Lebensräume für mehr Tier- und Pflanzenvielfalt zu schaffen. Die Leuk soll sich nicht wie bisher immer tiefer in ihr Bett fressen, um bei Hochwasser schlagartig Schaden anzurichten. Vielmehr soll sie, weiter weg von den Häusern, bei Hochwasser in die Auen über die Ufer treten können.
Die Europäische Union (EU) gibt in einer Richtlinie vor, dass Gewässer bis 2015 in einen möglichst naturnahen Zustand zurückzuversetzen sind. Das muss jedoch vom Land, den Kreisen und den Kommunen bezahlt werden. Auf rund 2,5 Millionen Euro schätzt Anette Haas die Kosten der fünf Bauabschnitte zwischen Saarburg und der Landesgrenze zum Saarland. Bis zu 90 Prozent davon kommen aus der "Aktion Blau" der Landesregierung.
2014 soll die Leuk wieder ab der Landesgrenze frei und natürlich fließen und gleichzeitig das Auge von Erholungssuchenden erfreuen. Denn den letzten "Bauabschnitt" vollzieht die Natur ganz alleine und kostenfrei: An den Ufern sollen sich Auenwälder entwickeln.
Überwacht werden die Umbaumaßnahmen von der Struktur- und Genehmigungsdirektion in Trier (SGD). "Wir haben an der Entwicklung des gesamten Konzeptes mitgewirkt", sagt Herbert Minn von der Oberen Wasserbehörde der SGD.
"Vor 20 Jahren hätten die Landwirte für eine solche Maßnahme kein Verständnis gehabt", weiß der Trassemer Ortsbürgermeister Wolfgang Benter. Er freut sich über den Bewusstseinswandel, was sich auch darin zeigt, dass der Grundstückskauf, der für die Gestaltung der Bachufer notwendig ist, fast reibungslos verlief.
Der Sprecher des Kreises Trier-Saarburg, Thomas Müller, sieht den touristischen Nutzen: "Der Bach wird für Spaziergänger und Radfahrer durch den Weg zwischen Trassem und Saarburg erlebbar."
Ähnliches gilt für den 5,8 Kilometer langen Dilmarbach. "Rund 300 000 Euro sind im letzten Jahr für die Renaturierung aufgewandt worden", rechnet der Saarburger Bauamtsleiter Jürgen Kremer vor. Der Dilmarbach fließt an Beuren vorbei, passiert Dilmar und mündet bei Palzem in die Mosel.
Für dieses Gewässer dritter Ordnung ist die Verbandsgemeinde zuständig. Auch hier gibt es eine 90-prozentige Förderung des Landes. In diesem Jahr folgen noch Restarbeiten.
Die Renaturierung weiterer kleiner Bäche - wie etwa der Sprenkelbach bei Trassem oder der Lohbach bei Saarburg - soll in mehreren Bauabschnitten in den nächsten Jahren fortgesetzt werden.Extra

 Die Leuk wird in fünf Teilabschnitten renaturiert. Jetzt ist der Abschnitt zwischen Trassem und Kollesleuken an der Reihe. Entsprechende Bauschilder informieren darüber. Foto: Landkreis Trier- Saarburg
Die Leuk wird in fünf Teilabschnitten renaturiert. Jetzt ist der Abschnitt zwischen Trassem und Kollesleuken an der Reihe. Entsprechende Bauschilder informieren darüber. Foto: Landkreis Trier- Saarburg

Für mehr Natur und weniger Hochwassergefährdung werden folgende Projekte umgesetzt: Anhebung der Gewässersohle zur Reduzierung der Tiefenerosion über weite Strecken in der freien Landschaft; Verlegung der Leuk in Teilabschnitten in den Taltiefpunkt; Wiederherstellung der Durchgängigkeit an Wehren und Sohlabstürzen; Ausweitung des Gewässerprofils; Beseitigung nicht erforderlicher Uferbefestigungen; Auwaldentwicklung auf Gewässerrandstreifen. doth