In Beuren regiert nun eine Frau

Eine politische Wachablösung an der Gemeindespitze, bei der ein Akteur nicht da ist und eine Kampfabstimmung über den Posten des ersten Beigeordneten, die erst durch das Los entschieden wird: Die konstituierende Sitzung des Beurener Rats hatte es am Montagabend in sich. Petra Adams-Philippi ist nun auch offiziell Ortsbürgermeisterin und hat damit die Nachfolge von SPD-Mann Manfred Köhl angetreten.

Beuren. Es war in der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil die große Überraschung bei der Kommunalwahl. Am 25. Mai spricht sich eine knappe Mehrheit der Beurener Bürger dafür aus, dass der Ort künftig von der 36 Jahre alten Landwirtin Petra Adams-Philippi regiert wird. Die Kandidatin der nach ihr selbst benannten Wählergruppe (WG) setzt sich mit 51,4 Prozent gegen Amtsinhaber Manfred Köhl von der SPD durch (der TV berichtete). Dieser hatte seit 1979 die politischen Geschicke des 1000-Einwohnerorts gelenkt und war damit der dienstälteste Dorfchef in der VG.
In der konstituierenden Sitzung des ebenfalls neu gewählten Gemeinderats ist es dann am Montagabend so weit: Der Machtwechsel in Beuren wird vor rund 40 Zuschauern im Bürgerhaus offiziell vollzogen. Adams-Philippi wird zur neuen Ortsbürgermeisterin ernannt, vereidigt und in ihr Amt eingeführt. Diesen formalen Akt nimmt aber nicht Köhl vor, sondern der bisherige Beigeordnete Winfried Barthen (SPD).
Köhl ist bei der Sitzung nicht dabei. Er hatte schon zuvor seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik erklärt und tritt damit auch nicht das Mandat für den neuen Rat an (siehe Extra). Für Köhl rückt in den Reihen der SPD-Fraktion Axel Hanke in das Gremium nach.
In der aktuellen Legislaturperiode ist kein Gemeindechef im Raum Hermeskeil jünger als die 36-jährige Adams-Philippi. Sie ist neben Nastja Raabe aus Bescheid, die vorige Woche vom Rat gewählt wurde (der TV berichtete), die zweite Frau an der Spitze eines Orts in der VG Hermeskeil.
Bei ihrer Antrittsansprache fasst sich Adams-Philippi kurz. Sie bedankt sich für das Wahlergebnis, wünscht sich einen "besseren Zusammenhalt" in Beuren und dem dazugehörigen Ortsteil Prosterath und betont auch in Richtung des Rats: "Nur mit einer guten Zusammenarbeit und einem respektvollen Umgang können wir die Gemeinde weiterbringen." Konkrete Sachthemen spricht die neue Ortschefin nicht an. Von 2009 bis 2014 gehörte Adams-Philippi der CDU-Fraktion an, die nun aber in der WG aufgegangen ist. "Ich muss die Dinge erst mal auf mich zukommen lassen. Wir müssen aber sparsamer mit unserem Geld umgehen", sagt Adams-Philippi später im TV-Gespräch.
Auf den Machtwechsel folgt kurz darauf in der Ratssitzung eine Machtprobe. Nach der Wahl am 25. Mai setzt sich das zwölfköpfige Gremium so zusammen: SPD und WG Adams-Philippi haben jeweils fünf Sitze. Die WG Klein verfügt als dritte politische Kraft über zwei Mandate.
Wichtigste Aufgabe des Rats ist es, in seiner Auftaktsitzung die beiden Beigeordneten, also Adam-Philippis Stellvertreter, zu wählen. Als es um den Posten des ersten Beigeordneten geht, schicken sowohl WG als auch SPD Kandidaten ins Rennen. Es kommt also zur Kampfabstimmung zwischen Harald Schmitt (WG Adams-Philippi) und Willi Seimetz (SPD). Doch auch nach drei Wahlgängen steht kein Sieger fest. Das Ergebnis der geheimen Abstimmung lautet immer 6:6. Also muss laut Gesetz das Los entscheiden. Dabei hat Adams-Philippi aus ihrer Sicht ein glückliches Händchen. Denn sie zieht den Umschlag, auf dessen Zettel im Inneren der Name ihres Mitstreiters Schmitt steht. Er übt damit bis 2019 das Amt des ersten Beigeordneten aus.
Bei der Frage, wer zweiter Beigeordneter wird, spielt anschließend der Zufall keine so große Rolle. Zwar kommt es auch hier zu einem Duell. Doch dabei setzt sich Herbert Dietz (SPD) mit 7:5-Stimmen gegen Marco Adams (WG Adams-Philippi) durch.Extra

Nach 35 Jahren ist Manfred Köhl nun nicht mehr Ortsbürgermeister von Beuren. Der TV hat am Dienstag mit ihm gesprochen: Er sei nicht mehr in den Rat gekommen, "weil ich dann ja auch mein Mandat angenommen hätte und möglicherweise auch als Beigeordneter vorgeschlagen worden wäre. Ich will aber keinen Ärger mehr haben und werde mich in Zukunft nicht mehr einmischen", sagt Köhl. Es sei auch nicht so, dass er jetzt in einer "Ecke sitzt und schmollt. Ich bin nicht frustriert, sondern erleichtert und befreit", betont er weiter. Denn hätte sich schon im Vorfeld des 25. Mai ein aus seiner Sicht geeigneter Kandidat gefunden, wäre er selbst nicht mehr angetreten, so der 68-Jährige. Seine Wahlniederlage gegen Adams-Philippi mit 16 Stimmen Abstand könne er sich mit Blick auf die "reine Sachpolitik" nach wie vor nicht erklären. "Vielleicht waren die Brötchen entscheidend", so Köhl. Hintergrund dieser Aussage: Adams-Philippi hatte als Wahlkampfaktion am 25. Mai Backwerk an die Beu-rener Haushalte verteilt. ax