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Kein neues Einkaufszentrum für Konz - Investor moderiert Großprojekt ab

Kein neues Einkaufszentrum für Konz - Investor moderiert Großprojekt ab

Der Investor, der das Konzer Saar-Mosel-Zentrum ausbauen wollte, stoppt das Projekt, weil die Aktionäre gegen die Fortführung gestimmt haben. Der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden ist enttäuscht.

Die Stadt Konz bekommt doch kein neues Einkaufs- und Gesundheitszentrum. Die Aktionäre der TBV (Trierer Bürgerverein) Vermögensverwaltung AG haben den Ausbau des Saar-Mosel-Zentrums (siehe Extra) abmoderiert. Bei einer Hauptversammlung der Gesellschafter hat die Mehrheit gegen das Projekt in Konz gestimmt.
Die Gesellschafter sind die Mitglieder der Familie des Leiwener Unternehmers Günther Reh. Sie haben nun entschieden, dass beide Projektteile nicht realisiert werden. Am Saar-Mosel-Platz war der Bau einer neuen Fassade mit Räumen für eine Bausparkasse, eine Kanzlei, eine Eisdiele und ein Restaurant geplant. Am Koksijder Platz sollte ein viergeschossiger Anbau hinkommen.

Den Grund für die Entscheidung der Aktionäre erläutert Hans-Günter Kläser, Vorstand der TBV Vermögensverwaltung AG: "Das Projekt ist für uns nicht darstellbar. Die Dinge, die bisher veröffentlicht worden sind, sind nicht realistisch." Sowohl die genannte Investitionssumme von etwa zehn Millionen Euro als auch die Angaben, dass schon 70 Prozent der geplanten Gewerbeflächen vermietet seien, seien aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar, sagt Kläser. Das Verhältnis der Investitionssumme zur zu erwartenden Rendite entspreche nicht den Vorstellungen der Aktionäre. Im Klartext heißt das, dass die Aktionäre nicht den Angaben folgen, die Ex-TBV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Lichter bei einer Pressekonferenz am 28. Februar gemacht hat. Damals hatte Lichter verkündet, dass am 19. März die Bauarbeiten für das Großprojekt beginnen. Passiert ist jedoch nichts - im Gegenteil.

Lichter, der am 13. März entlassen worden ist (der TV berichtete), will sich auf TV-Anfrage nicht äußern. Er verweist auf das laufende arbeitsrechtliche Verfahren mit seinem Ex-Arbeitsgeber.

Die Stadtverwaltung reagiert niedergeschlagen auf die Neuigkeit. "Die Nachricht über das Scheitern des Projektes ist hinsichtlich des bereits erreichten Projektstandes für die Stadt Konz mehr als überraschend und enttäuschend", sagt Bürgermeister Karl-Heinz Frieden. Die Stadt habe sich positive Effekte für die Innenstadt erhofft. In der Vergangenheit war immer von der Magnetfunktion des neuen Zentrums die Rede, es sollte Kunden nach Konz ziehen.

Das Konzept sei immer als wirtschaftlich tragfähig dargestellt worden, sagt Frieden. "Aus diesem Grunde fühlen sich die Verantwortlichen der Stadt ein Stück weit vom Investor getäuscht." Jetzt hoffe er "auf die relativ zügige Entwicklung eines neuen tragfähigen Nutzungskonzeptes", sagt Frieden. Er verweist darauf, dass eine Vielzahl von Mietverträgen ausgehandelt worden sei.

Eine TV-Recherche bestätigt das: Von mehreren potenziellen Mietern erklärten zwei, einen Vertrag unterschrieben zu haben. Die Weiteren meinten, dass sie die feste Absicht gehabt hätten, einzuziehen und nur noch Details klären wollten.

Gerade dass der Projektteil am Saar-Mosel-Platz abmoderiert werde, enttäusche die Mieter, erklärt einer von ihnen auf TV-Anfrage. Er hoffe darauf, dass sich an dem Platz doch noch etwas tue.

Meinung

Tragisch für die Stadtentwicklung

Von Christian Kremer

Es ist schade, dass das neue Saar-Mosel-Zentrum abmoderiert worden ist. Gerade weil die Verwaltung und Kommunalpolitik im Rahmen des Einzelhandelskonzepts große Hoffnung in das Projekt gesteckt hat, ist es sehr enttäuschend für die Konzer. Ob schnell eine Alternativlösung für das Grundstück am Koksijder Platz gefunden wird, ist fraglich. Dort war nach der Entlassung von Hans-Jürgen Lichter absehbar, dass die Bebauung zumindest reduziert wird. Besonders überraschend ist, dass auch das kleinere Teilprojekt am Saar-Mosel-Platz abgeblasen wurde. So gut wie alle Flächen dort waren laut TV-Informationen sicher vermietet. Der Ausstieg ist nicht nachvollziehbar. Für die Stadt Konz ist das ein herber Verlust. Der Platz hätte durch das Projekt an Attraktivität gewonnen. Konz hätte ein schöneres Zentrum bekommen.
c.kremer@volksfreund.de

Extra

30. Mai 2011: Bei einer Bürgerversammlung stellen der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden und der damalige Geschäftsführer der TBV Vermögensverwaltung AG, Hans-Jürgen Lichter, die Pläne für den Ausbau des Saar-Mosel-Zentrums vor. Neben einer neuen Fassade am Saar-Mosel-Platz soll ein viergeschossiger Anbau am Koksijder Platz entstehen. Insgesamt sind 6500 Quadratmeter neuer Flächen für Gastronomen, Einzelhändler, Ärzte und Büros geplant.
28. Februar 2012: Bei einem Pressegespräch geben Lichter und Frieden bekannt, dass ab dem 19. März gebaut wird. Am gleichen Tag sind Vermesser am Saar-Mosel-Platz unterwegs.
13. März 2012: Die Reh-Familie gibt über eine Münchner Agentur bekannt, dass Hans-Jürgen Lichter von seinem Posten als Geschäftsführer der Günther und Käthi Reh Stiftung & Co. KG und somit auch aus dem Vorstand der TBV Vermögensverwaltung AG entlassen wird. Zurzeit läuft ein arbeitsrechtliches Verfahren.
19. März 2012: Anders als angekündigt, wird am Saar-Mosel-Platz noch nicht gebaut. Das Unternehmen verweist auf die Gesellschafterversammlung Ende April. cmk