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Neuer Widerstand gegen Windräder

Neuer Widerstand gegen Windräder

Die Politiker in der Verbandsgemeinde (VG) Kell stoßen bei ihrer Suche nach künftigen Windkraft-standorten auf immer größere Probleme. Nach dem Protest der Greimerather gegen Räder auf dem Judenkopf regt sich nun auch bei den Vierherrenbornern Widerstand. Ihnen ist der geplante Windpark der Nachbarn aus Bal dringen und Hentern ein Dorn im Auge.

Vierherrenborn/Baldringen. In der 200 Einwohner zählenden Gemeinde Vierherrenborn, die aus rund 50 Höfen besteht, läuft zurzeit eine Unterschriften-Aktion. Sie wurde von zwei Bürgern initiiert und befasst sich mit dem Windpark, der auf dem Höhenzug Auf der Wolfsheck entlang der B 268 entstehen soll. Auf den Gemarkungen der Gemeinden Baldringen und Hentern sollen acht Räder errichtet werden (siehe Extra ).
"Wir sind nicht bereit, das einfach so hinzunehmen", heißt es in dem Schreiben, das in den Vierherrenborner Haushalten verteilt wird. Ähnlich wie in Greimerath, wo sich Bürger und Gemeinde gegen den geplanten Windpark auf der saarländischen Seite des Judenkopfs wehren (der TV berichtete), werden die Gefährdung seltener Tiere, die Furcht vor Lärmbelästigung und das Phänomen des Schlagschattens, das durch die drehenden Rotoren entsteht, als Gegenargumente angeführt. Vor allem sind die geplanten Räder aber zu dicht an mehreren Wohnhäusern und Hofgruppen in Vierherrenborn dran, betont die Bürgerinitiative in ihrem Schreiben. Ortsbürgermeister Franz Mersch bestätigt das ausdrücklich.
Mindestabstand gefordert


Sollten die Pläne verwirklicht werden, "würde etwa ein Drittel der Vierherrenborner Bevölkerung in einem Abstand von unter einem Kilometer von den Windrädern wohnen. Das wäre eine Riesenbelastung. Wir wären massiv betroffen." Der Vierherrenborner Rat hat deshalb eine klare Forderung an die VG Kell gerichtet. Bei den geplanten Rädern Auf der Wolfsheck müsse ein Mindestabstand von 1500 Metern zu den Häusern in Vierherrenborn eingehalten werden. Bürgermeister Werner Angsten (CDU) sagt im TV-Gespräch, dass er den Diskussionen im VG-Rat um den neuen Flächennutzungsplan (FNP) nicht vorgreifen will (siehe Extra). Die aktuelle Beschlusslage sei aber so, dass in der VG bei der Abstandsfrage zurzeit die Formulierung "mindestens 1000 Meter und zehnfache Nabenhöhe" Gültigkeit hat.
Die geplanten Anlagen haben eine Nabenhöhe von etwa 140 Metern. Multipliziert mal zehn müsste somit ein Abstand von 1400 Metern eingehalten werden. "Die Forderung der Vierherrenborner ist also nichts Außergewöhnliches", sagt Angsten. Allerdings könnte der VG-Rat theoretisch im neuen FNP die Mindestabstände reduzieren.
Baldringens Ortsbürgermeister Willi Emser zeigt zwar Verständnis für die Bedenken aus Vierherrenborn. Er und sein Henterner Kollege Bernhard Wagner haben deshalb auch am nächsten Mittwoch ein Gespräch mit Mersch und den Vertretern der Vierherrenborner Bürgerinitiative vereinbart. Was die Forderung nach einem 1500-Meter-Abstand angeht, sagt Emser jedoch: "Das würde für unseren Standort das Aus bedeuten."
Die Ortschefs aus Baldringen und Hentern haben der VG ein Angebot unterbreitet, wonach vier der acht Räder von der geplanten Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) betrieben werden könnten. Dadurch würde diese kommunale Energiefirma der VG Kell jährliche Einnahmen von 600 000 Euro erzielen. Für Emser gibt es aber noch einen Grund, sich für den Windpark Baldringen/Hentern starkzumachen. Er weist darauf hin, was passieren kann, wenn in der VG Kell kein neuer Flächennutzungsplan zustande kommt. Dabei spielen die Pläne der Mainzer Landesregierung eine entscheidende Rolle. In deren Entwurf für das Landesentwicklungsprogramm (LEP IV) steht nämlich, dass zwei Prozent der Landesfläche für die Windkraftnutzung bereitgestellt werden müssen. Bezogen auf die Größe der VG Kell würde das die Errichtung von rund 30 Rädern bedeuten, so Emser.
Wildwuchs als Folge


Weil das LEP IV nach seiner Verabschiedung aber quasi Gesetzeskraft hat, sieht Emser folgendes Szenario, wenn sich der Keller VG-Rat nicht selbst auf künftige Windkraftstandorte einigen kann: "In diesem Fall müssten wir damit rechnen, dass Investoren ohne Mitwirken der Gemeinden an die privaten Eigentümer von geeigneten Flächen herantreten und auf dem Rechtsweg den Bau von Windrädern durchsetzen. Dann hätten wir den Wildwuchs, den wir nicht wollen."

Extra

Windpark bei Baldringen Von den acht Rädern in Baldringen/Hentern soll nur eins auf dem Gebiet der Gemeinde Baldringen stehen. Sieben würden sich auf Privatflächen befinden. Nach Angaben des Baldringer Ortsbürgermeisters Willi Emser sehen die Überlegungen so aus, dass die Grundstückseigentümer die Hälfte der Pachteinnahmen behalten. Die andere Hälfte soll in eine noch zu gründende Genossenschaft fließen. Deren einzige Aufgabe sei es, die Gemeinden Baldringen und Hentern - beispielsweise beim Ausbau von Straßen - finanziell zu unterstützen. Dadurch würden die Bürger entlastet, da sie bei solchen Projekten Beiträge zahlen müssen. axExtra

Standortsuche in der VG Die VG Kell legt durch die Änderung ihres Flächennutzungsplans (FNP) fest, an welchen Stellen sich künftig Räder drehen dürfen. Bisher gibt es auf VG-Gebiet nur Anlagen im Bereich des Dreikopfes bei Lampaden. Gegenwärtig ist in der VG die Suche nach geeigneten Standorten im Gange. Zunächst standen fünf Gebiete zur Debatte: der Teufelskopf bei Waldweiler, das Keller Gebrüch, Zerfer Wald, Greimerather Wald und der Judenkopf bei Greimerath. Bei allen haben Gutachter aber aus Gründen des Artenschutzes, des Landschaftbildes oder der Lage in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück Bedenken angemeldet. Deshalb gibt es wieder Chancen für den Windpark Baldringen/Hentern. Er war im Sommer 2012 bereits wegen der geringen Abstände als Kandidat herausgefallen. Im Dezember 2012 hat ihn der VG-Rat aber wegen der Hürden an den fünf anderen Standorten wieder als mögliche Ausweichfläche ins Visier genommen. ax