Umfrage zum Thema Mobilität: Viele Ältere wünschen sich einen Bürgerbus für die Verbandsgemeinde Hermeskeil

Mobilität : Viele Ältere wünschen sich einen Bürgerbus für die VG Hermeskeil

Die Verbandsgemeinde Hermeskeil hat Ergebnisse ihrer Mobilitätsumfrage vorgestellt und prüft nun, ob ein häufig genanntes Projekt umsetzbar ist.

Wie mobil fühlen sich die älteren Bürger in der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil? Mit welchen Verkehrsmitteln fahren die Über-65-Jährigen aus den Dörfern in die Stadt? Kommen sie ohne Probleme von A nach B, oder fehlen ihnen ergänzende Angebote? Das wollte die Verwaltung über eine Fragebogenaktion herausfinden, die im März startete. Inzwischen liegen die Ergebnisse vor. Und laut dem VG-Beauftragten Hartmut Heck geben sie die erhofften Hinweise auf ein mögliches Projekt, das die Verwaltung vorantreiben will.

Die Ergebnisse „Priorität Nummer eins hat für viele ein Bürgerbus“, nennt Heck das zentrale Ergebnis der Befragung. Bürgerbusse sind häufig ehrenamtlich organisiert, werden aber von Kommunen bezuschusst. Sie fahren durch die Gemeinden, sammeln dort meist ältere Bewohner ein und bringen diese ins nächstgelegene Zentrum, wo sie einkaufen oder zum Arzt gehen können. Manche Bürgerbusse holen die Fahrgäste auf Abruf zu Hause ab, andere fahren Haltestellen nach einem festen Plan an.

Die Verwaltung hatte 2107 Einwohner aus den zwölf Gemeinden rund um Hermeskeil angeschrieben. Etwa 19 Prozent von ihnen hatten den Bogen ausgefüllt und zurückgeschickt. „Die Resonanz war sehr positiv. Einige haben sich bedankt, dass die Verbandsgemeinde das Thema aufgreift“, sagt VG-Büroleiter Werner Haubrich. Fast drei Viertel der Befragten erklärten, der Einsatz eines Bürgerbusses sei für sie „wichtig“ oder „sehr wichtig“. „Brauche ich nicht“ gaben zehn Prozent an. Jeweils um die 36 Prozent kreuzten an, dass sie ein- bis zweimal pro Woche in Hermeskeil etwas zu erledigen hätten.

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Umfrage ist laut Heck, dass rund 71 Prozent der Befragten für diese Fahrten noch ein eigenes Auto nutzen. Nur 13,6 Prozent greifen auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zurück. „Das Auto spielt also hier im ländlichen Raum noch eine große Rolle, und die Leute sind damit noch recht mobil“, stellt Heck fest. Gleichwohl gaben 42 Prozent an, dass ihr Auto wohl nicht mehr auf Dauer verfügbar sei. „Ab einem gewisen Alter steigt die Unsicherheit. Dann fährt man nicht mehr gern in größere Zentren“, nennt Büroleiter Haubrich einen möglichen Hintergrund. Zwar stünden beim ÖPNV im Hochwald Verbesserungen bevor. „Auf die individuellen Bedürfnisse kann man aber kaum eingehen, wenn diese Linien einigermaßen wirtschaftlich betrieben werden sollen“, sagt Heck. In einen ergänzenden Bürgerbus stiegen rund 85 Prozent der Befragten regelmäßig oder „hin und wieder“ ein. Als bevorzugte Haltepunkte wurden der Donatusplatz im Stadtkern, das Krankenhaus und die Gewerbegebiete Römerstraße und Dörrenbach genannt. Weitere Ziele sind Banken, Kirchen, Seniorenheime und Arztpraxen. „Hier müssten wir berücksichtigen, dass es in Gemeinden wie Beuren oder Reinsfeld auch Hausärzte gibt“, sagt Heck. In einen Bürgerbus-Fahrplan müssten diese Orte daher einbezogen werden.

Ein weiteres Ergebnis: Die Bürger wären bereit, für das Angebot zu zahlen – 39 Prozent fänden bis zu fünf Euro in Ordnung. Fast 50 Prozent halten Fahrten zweimal in der Woche für ausreichend. 29 Prozent plädieren dafür, dass der Bus bei Bedarf angefordert werden kann. Bei den Fahrzeiten würde eine deutliche Mehrheit die Abfahrt nach Hermeskeil zwischen 8 und 11 Uhr vormittags bevorzugen. Zurück in die Dörfer sollte es zwischen 12 und 14 Uhr gehen. Zu Anregungen wie dem Wunsch nach einem Einsammeln der Fahrgäste vor der Haustür sagt Heck: „Das wird nicht zu schaffen sein.“ Über die Möglichkeit, Einkäufe nach Hause zu transportieren, wolle man Gespräche mit den örtlichen Supermärkten führen. „Vielleicht können die sich so etwas vorstellen.“

So geht es weiter „Es ist noch viel Arbeit zu leisten, bevor wir an die Umsetzung gehen können“, sagt Heck. Zunächst würden die Ergebnisse in den politischen Gremien besprochen. „Die Politik muss letztlich entscheiden, und das ist auch eine Kostenfrage.“ Es könne nicht ausschließlich der VG-Haushalt für den Bürgerbus strapaziert werden. Vorstellbar seien Modelle wie in Birkenfeld, wo ein Elektrobus von Sponsoren mitfinanziert wird. Ähnlich wie dort werde man auch in Hermeskeil bei der Organisation auf ehrenamtliche Hilfe zurückgreifen müssen. „Wir werden als VG nicht zwei Busfahrer einstellen können“, sagt Heck. Über die konkrete Umsetzung seien noch viele Gespräche mit möglichen Beteiligten zu führen.

Jugend Zu ihrer Mobilität wurden neben den älteren Mitbürgern auch die Jugendlichen in der Verbandsgemeinde befragt. Die Auswertung dieser Umfrage ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Auch diese Ergebnisse  werden veröffentlicht.

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