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Wie Wiltingen seinen Ortskern aufwerten möchte

Ortskernsanierung : Wiltingen, das Dorf der Villen

Der historisch wertvolle Ortskern soll erstmals mit einem Bebauungsplan in seinem Charme geschützt werden.

Eines ist für Planerin Rosa Vollmuth klar: „Der Ortskern von Wiltingen ist historisch sehr wertvoll und sollte langfristig erneuert werden.“ Die Fassaden- und Dachsanierung lässt sich die Landesregierung auch etwas kosten (siehe Info). Was die Bauingenieurin bei ihrer Bestandsaufnahme festgestellt hat, lässt ihr Herz höher schlagen: „Hier gibt es 195 ortsbildprägende Haupt- und Nebengebäude, die vor 1950 errichtet wurden.“ Das sei ein hoher kultureller Wert, sagt sie bei einem Ortstermin mit dem TV.

Doch eines fehlt diesem Ortskern: ein Bebauungsplan. Um die geschichtliche Identität und damit den besonderen Charme des Ortskerns zu erhalten, müssen Kriterien festgelegt werden, wie hier künftig gebaut werden darf, wenn beispielsweise ein altes Haus durch ein neues ersetzt wird.

„Gebaut wurde früher wo gerade Platz war, auch in zweiter Reihe im Hof“, sagt Ortsbürgermeister Christoph Schmitz. Wohn- und Winzerhäuser wechselten sich mit Werkstätten von Handwerkern ab. Dieses gewachsene Ortsbild, das eine Tradition widerspiegelt, wollen er und der Ortsgemeinderat unbedingt erhalten.

Wie in vielen Dörfern gibt es in Wiltingen bei den Bürgern einen Generationswechsel. „Die jungen Leute wollen schön bauen, ohne den Charme des Dorfes zu stören“, erklärt die Planerin. Aber nur ein Bebauungsplan kann Größe, Form und Baumaterialien festlegen.

Ein Arbeitskreis wird die Arbeit von Rosa Vollmuth begleiten. Diskutiert werden beispielsweise die Geschosszahl, die Dachform, die Stellung des Hauses im Dorf, die Farbgebung, die Bautiefe, aber auch die Bepflanzung der Vorgärten und der Schutz vorhandener Grünzonen.

Corona bremst auch diese Arbeit aus. Die Zusammenkünfte unterliegen, wie überall, den Hygieneschutz. Personenzahlen sind beschränkt, und es gelten Abstandsregeln und gegebenenfalls Maskenpflicht. Deshalb legt die Planerin ihre Unterlagen allen Arbeitskreismitgliedern einzeln vor. Abstand halten gilt auch bei Ortsbegehungen.

Mitte nächsten Jahres soll der Entwurf eines Bebauungsplanes dem Ortsgemeinderat vorgelegt werden. Es folgt die Offenlegung mit Bürgerbeteiligung.

Was hat nun ein Hausbesitzer davon, wenn die Bebauung im Ort reglementiert wird? Aus Erfahrung in anderen Dörfern weiß Rosa Vollmuth: „In der Regel steigt der Wert der Grundstücke und Gebäude.“ Auch das Interesse an Mietwohnungen steige.

Was man nicht mit Geld bezahlen könne, sei der Wohlfühlfaktor in einem Dorf, in dem die Bürger stolz darauf sind, dort zu wohnen. Da werde das Haus und sein Umfeld viel besser gepflegt. Schnell bilde sich ein Netzwerk mit Nachbarn, die sich gegenseitig helfen, über Generationen hinweg.

Die Planerin geht noch weiter: „Der Ortskern von Wiltingen könnte ein außergewöhnliches und besonders schönes, städtebauliches Highlight in der Region werden, denn hier gibt es einige außerordentliche Villenanlagen.“